DER ENVION ICO – PROSPEKTHAFTUNG UND INVESTORENSCHUTZ IM CRYPTO-UMFELD

Envion Investors Protection and Legal Situation

Ein Top-10 ICO „made in Germany“


Envion ICO Set-p
Das Envion ICO Set-Up

Die ENVION AG ist eine Schweizer Gesellschaft mit Sitz im Zug, im Crypto-Valley. Eine prominente Adresse in der Krypto-Szene. Die Gründer sind Berliner, genauer gesagt zwei Gründungsteams aus Berlin. Hier die „jungen“ Techies rund um Michael LUCKOW und seine TRADO GmbH, dort die „alten“ Energie- und Finanzierungsexperten rund um Matthias WOESTMANN und seine QUADRAT CAPITAL GmbH.

Aus welchen Gründen auch immer blieben dabei Michael LUCKOW und seine TRADO GmbH im Hintergrund und überließen Matthias WOESTMANN die Bühne. WOESTMANN wurde daher auch zum Vorstand der ENVION AG bestellt. ICO-Investoren wurden die TRADO GmbH und Michael LUCKOW nie vorgestellt.

Der Deutsch-Schweizerische ICO der ENVION AG wird in der Statistik der Top 10 ICO’s 2018 gelistet. Rund US$ 100 Millionen wurden im Zuge des ICO’s von mehr als 30.000 Investoren weltweit eingesammelt. Das ist viel Geld auch wenn das meiste davon von den Investoren in Form von Kryptowährungen wie Bitcoin (BTC) und Ether (ETH) eingezahlt wurde. Der ICO wurde Mitte Jänner 2018 angechlossen.

Der EVN Token wurde im Zuge des ICO’s zu US$ 1 begeben, notiert derzeit an der Kryptowährungsbörse HitBTC bei rund US$ 0,20, hat also 80{3112d90e1c9bd23af22cf16f58b974bcc4d8a9b058f7839d8b1efb2fba8df460} seines Wertes und seiner Marktkapitalisierung verloren. Angesichts der anhaltenden Streitigkeiten zwischen den Aktionären der ENVION AG ist das Unternehmen handlungsunfähig und kann seiner Geschäftstätigkeit – Krypto-Mining – nicht nachgehen. Die ICO-Investoren müssen hilflos und verzweifelt zusehen.

Eines der entscheidenden Verkaufsargumente des ENVION ICO’s war die „deutsch-schweizerische“ Vertrauenswürdigkeit und die Zusage, dass alles entsprechend transparent und innerhalb der regulatorischen Rahmenbedingungen abläuft. Das hat viele der mehr als 30.000 ICO-Investoren überzeugt, wie auch die Diskussion in den sozialen Medien und auf Telegram belegt. „Made in Germany“ war ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Investorenschutz im ICO-Umfeld


Envion Investors Protection
Envion Investors Protection Considerations

Herausgestellt hat sich dann leider, dass ENVION keinesfalls besser ist als viele der „offshore“ ICO’s und keinesfalls die Erwartungshaltung and „deutsche Gründlichkeit“ und „Schweizer Vertrauenswürdigkeit“ erfüllt hat. Die ICO-Investoren wurden bitter enttäuscht.

Zuletzt haben sich einige der ENVION Token-Investoren zusammengetan und betreiben gemeinsam die Webseite www.envion-investors.org. Das scheint in diesem Schlamassel auch der einzig vernünftige Zugang, um den Rechten der EVN Token-Investoren Gehör zu verschaffen. Letztlich kann es den ICO-Investoren egal sein, welche der beiden streitenden Gründer-Gruppen recht hat. Sie haben ihre EVN Token von der Schweizer ENVION AG erworben und dieser gegenüber Ansprüche.

Investoren haben allgemein den Anspruch darauf, dass ihnen von Emittenten Unterlagen vorgelegt werden, welche die richtige Vermögens- und Ertragslage wie auch das wahre Bild der Gesellschaft wiedergeben. Bei öffentlichen Angeboten werden regelmäßig Prospekte aufgelegt, die rechtlich verbindliche Informationsgrundlagen für Investoren sind. Auch die Schweizer ENVION AG hat ein Prospekt für ihren ICO aufgelegt.

Das Neue am Fall ENVION wie bei vielen anderen ICO’s auch ist der Umstand, dass die Investoren auf Grundlage des Prospektes und eines Zeichnungsscheines investiert und, zusätzlich, auf Basis eines Smart Contracts ihre EVN Token erhalten haben. Die Ausgabe des Finanzinstruments „EVN Token“ wird dabei im Smart Contract geregelt, der vergleichbar ist mit den Statuten oder Satzungen eines Unternehmens in Bezug auf Aktien. Im Smart Contract werden die wesentlichen Bedingungen der Ausgabe von Token geregelt wobei die Regeln in Programmier-Code übersetzt und festgeschrieben sind, es sich also um einen algorithmisch verwalteten Vertrag handelt. Trotzdem sind die Regeln rechtlich verbindlich.

Im Zuge der Diskussionen rund um die Streitigkeiten der ENVION-Aktionäre trat zutage, dass der Prospekt in entscheidenden Punkten falsch war. Der wahrscheinlich wichtigste Punkt dabei ist, dass das Mining-Geschäft niemals in die ENVION AG eingebracht wurde. Darüber hinaus haben die ENVION-Gründer angeblich auch gegen die Bedingungen des Smart Contracts verstoßen und Teile ihren Gründungs-Tokens trotz Sperrfrist (Lock-Up) verkauft.

Die Investoren konnten darauf vertrauen, dass das Prospekt richtig und das Krypto-Mining samt Technologie und den entsprechenden „Intellectual Property“ in der ENVION AG vorhanden war. Wäre das der Fall gewesen, dann wäre der gegenständlich Streit zwischen den ENVION-Aktionäre sicher lästig gewesen aber zumindest würde es ein Geschäft und eine Perspektive für die ICO-Investoren und EVN-Token-Besitzer geben. Der Umstand, dass das Mining-Geschäft nie in die ENVION eingebracht wurde, sorgt nun für eine RIP-Situation, d.h. das Unternehmen ist derzeit tot.

Der rechtlichen Schlachtfelder


Es sollte ICO-Investoren theoretisch egal sein können, wenn es auf der Ebene von Aktionären des Emittenten Streitigkeiten gibt. Dass das leider nur ein theoretisch  Zugang ist hat man bereits im Fall des TEZOS ICO’s gesehen als es zwischen der Schweizer Stiftung als ICO Emittentin und dem Unternehmer der TEZOS-Gründer zu Rechtsstreitigkeiten kam und in der Folge ICO-Investoren Sammelklagen einbrachten. TEZOS war mit US$217 Millionen einer größten ICO’s 2017. Derzeit versucht man nach Austausch des Stifungsvorstandes einen Neuanfang des TEZOS-Projekts.

Envion Case Legal Battlefields
Investors Protection Considerations

Ähnlich ist die derzeitige Situation auch bei ENVION. Die beiden Gründergruppen streiten und die ICO-Investoren leiden und verlieren. Derzeit gibt es noch keine Klagen von ICO-Investoren aber die rechtlichen Schlachtfelder sind definiert:

  • Das Aktionärs-Schlachtfeld mit den beiden Gründungs-Teams rund um die TRADO GmbH einerseits und die CAPITAL QUADRAT andererseits als Parteien
  • Das Investorenschutz-Schlachtfeld mit den beiden Gründungs-Teams einerseits und den ICO Investoren sowie EVN Token-Besitzern andererseits als Parteien.

Es sieht nach derzeit so aus, als wären auf dem „Aktionärs-Schlachfeld“ die Leute rund um den ENVION AG CEO Matthias WOESTMANN die schlimmen Buben. Sie dürften die Gründer rund um die TRADO GmbH über den Tisch gezogen haben. Es sind im Zuge der öffentlichen Diskussion entsprechende Informationen zu Tage getreten. Der Fall liegt jetzt einmal bei den Gerichten und wird irgendwann in den nächsten Wochen, Monaten oder Jahren entschieden werden.

Es ist aber auf dem „Investorenschutz-Schlachtfeld“ auch unbestritten, dass das das Crypto-Mining-Geschäft niemals in die ENVION AG eingebracht wurde und dafür beide Gründungs-Teams verantwortlich sind. ICO Investoren haben daher in eine leere Hülle investiert. Prospekt, Whitepaper und die öffentliche Kommunikation in den sozialen Medien und am ENVION Blog vermitteln den Investoren ein falscheses Bild über die Umstände des Unternehmens und der Emission (ICO). Für dieses Versäumnis ist natürlich in erster Linie der Vorstand der ENVION AG zur Verantwortung zu ziehen. Darüber hinaus sind aber auch alle in das Projekt involvieren Personen für falsche Aussagen in der Öffentlichkeit verantwortlich.

Die Verantwortlichen


Zwei Gründungs-Teams und viele Leute haben vor dem ICO am Vehikel ENVION gearbeitet und alle haben über den Status und Zustand des Vehikels Bescheid gewusst als der ICO gestartet wurde. Aus Sicht des Schutzes der Investoren ist es zu kurz gegriffen zu sagen, dass nur der Fahrer des Vehikel schuld daran ist, dass es einen Unfall wegen technischen Versagens gegeben hat.

In diesem Fall zeigt das Gründungs-Team rund um die TRADO GmbH und deren Sprecher Michael LUCKOW schuldzuweisend auf das andere Gründungsteam um Matthias WOESTMANN und seine QUADRAT CAPITAL und behauptet, von um Aktien und die Kontrolle über die ENVION AG betrogen worden zu sein. Umgekehrt wird behauptet, dass LUCKOW und Freunde gegen den Smart Contract verstoßen und verbotenerweise mit EVN Token generiert und verkauft hätten.

Aus unserer Sicht sind beide Parteien schuldig, den ICO Investoren den versprochenen Gegenwert zu liefern. Derzeit sind die ICO Investoren in der Geiselhaft des Rechtsstreits der ENVION-Aktionäre und müssen Angst haben, ihre Investment zu verlieren bzw. die versprochenen Renditen nicht einfahren zu können.

1 Kommentar

  1. […] Das Team von FinTelegram war seit Beginn der Probleme rund das Deutsch-Schweizerische Krypto-Miningunternehmen ENVION AG involviert und hat berichtet. Es ist ein komplizierter Fall mit einigen herausfordernden Rechtsfragen für Anwälte und Gerichte in verschiedenen Jurisdiktionen und letztlich auch ein Kampf zwischen den Aktionären und den ICO-Investoren und Token-Besitzern (unser Artikel hier). […]

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