EINE KLEINE COINTED NACHLESE UND ANREGUNG ZUR DISKUSSION

Die ganze Wahrheit über Cointed im Brutkasten

Startups brauchen Aufmerksamkeit


Der Titel dieses Beitrages ist wörtlich zu verstehen und als Aufforderung zur Diskussion über mediale Startup-Kultur. Es geht um die Verantwortung von Fachmedien, die auf Startups konzentriert sind und entsprechende Berichte bringen. Das ist ein sehr lobenswertes Unterfangen, denn Startups können gar nicht genug Aufmerksamkeit bekommen. Letztlich brauchen die meisten dieser jungen Unternehmen und Projekte Kunden, Investoren und Geld und dafür benötigt man zunächst Aufmerksamkeit. Spezialisierte Medien wie DER BRUTKASTEN oder TRENDING TOPICS sind daher sowohl wunderbare Projekte als auch potenziell wertvolle Elemente eines funktionierenden Startup-Ökosystems. Sie vermitteln die dringend benötigte Aufmerksamkeit für Gründer und deren Projekte.

Allerdings gehen diese Startup-Medien auch eine ganz spezielle ethische Verpflichtung gegenüber potenziellen Investoren und Projektpartnern ein. Diese vertrauen auf deren Expertenmeinung. Der Umgang mit dieser Verantwortung will gelernt sein wie uns der Fall COINTED zeigt.

Der Fall COINTED


COINTED war immer besonders. Das Unternehmen hat mit Geld gehandelt und stets Geld von Investoren gesucht. Bei COINTED war immer Vorsicht geboten bei der Berichterstattung schon auf Grund der Geschäftstätigkeit („the future of money“). Das Unternehmen war auf Finanztransaktionen im Krypto-Markt fokussiert und bewegte Investoren- und Kundengelder. Grundsätzlich also Tätigkeiten die der Aufsicht der Finanzmarktaufsicht unterliegen.

Da sich die österreichische Finanzmarktaufsicht zunächst für Bitcoin & Co nicht zuständig erklärte, konnte COINTED (wie auch andere Startups weltweit) zunächst ohne aufsichtsrechtliche Hürden agieren im Spiel um das große Geld der Investoren. Und das Unternehmen wollte viel Geld. COINTED hat ein Initial Coin Offering (ICO) durchgeführt und wollte von internationalen Investoren über USD 100 Millionen holen. Da ist Berichterstattung mit höchster Vorsicht angesagt, um Investoren zu schützen, denken wir. Und daher hat COINTED nach Wegen gesucht, die vorhandenen Vorwürfe medial zu entkräften und positive Stimmung bei Investoren zu machen.

Die Vorwürfe und deren Relativierung


COINTED wurde zunächst mit ernsthaften Vorwürfen von Lieferanten und Partnern konfrontiert. Beispielsweise der Offene Brief von GENERAL BYTES, dem Lieferanten der COINTED Krypto-ATM’s. Dieses Unternehmen und seine Leute genießen seit Jahren in der internationalen Krypto-Szene einen exzellenten Ruf und insofern sind die erhobenen Vorwürfe des Investorenbetrugs und Lizenzrechtsverletzungen ernst zu nehmen. Ein Investor hat den Vorwurf erhoben, dass Buchhaltung und Bilanzen falsch waren. Wir von FinTelegram haben darüber ausführlich berichtet.

Barbara DURAS vom Brutkasten hat angeblich wochenlang und akribisch über COINTED recherchiert wobei FinTelegram von ihr nicht kontaktiert wurde. Hier die Vorbemerkungen zu ihrem Artikel:

Alle hier als vertraulich beschriebenen Informationen und Anhänge (Rechnungen, Kontoauszüge, Lieferscheine, Verträge etc.) wurden von der Autorin Barbara Duras mit eigenen Augen, ungeschwärzt und eingehend geprüft. Sie sind zum Teil jedoch nicht für die Öffentlichkeit vorgesehen. Im Namen der Medienethik wird in diesem Text sowie dem als Videobeweis erstellten Bewegtbild-Beitrag die persönliche Meinung der Autorin deutlich erkenn- und unterscheidbar formuliert. […] Darüber hinaus versteht es die Autorin als ihr gutes Recht, nach rund zweimonatiger Recherche zu diesem Thema, einen persönlichen Eindruck ebenso in den Text einfließen zu lassen, wie eine Bewertung der Akteure. Da in zahlreichen Gesprächen von Seiten anderer Player der Krypto-Szene nachweisliche Drohungen und Unwahrheiten ausgesprochen wurden, sieht es die Autorin ebenso als Pflicht, eine persönliche Meinung kundzutun.(Quelle: Der Brutkasten, Barbara DURAS, Die ganze Wahrheit über Cointed„)

In der Folge hat DER BRUTKASTEN dann einen Artikel über COINTED unter dem Titel „Die ganze Wahrheit über COINTED“ veröffentlicht und COINTED damit praktisch von den erhobenen Vorwürfen freigesprochen. Der apodiktische Titel des Beitrages schließt jeden Zweifel von vorneherein aus und verkauft dessen Inhalt als eine Art Offenbarung.

Wie von der Autorin BURES in der Vorbemerkung angekündigt hat sie mit ihrer positiven Meinung über COINTED nicht hinter dem Berg gehalten und die ihrer Meinung nach bestehende Unrichtigkeit oder die fehlende Beweisbarkeit der Vorwürfe dargelegt. Grünes Licht für Investoren und Kunden also.

Die Bestätigung der Vorwürfe


Es gilt die Unschuldsvermutung, selbstverständlich, und dieser Beitrag hat nicht die juristische, sondern ausschließlich die mediale Behandlung des Falls COINTED zum Gegenstand.

Nur knapp 6 Monate nach der Verkündung der „ganzen Wahrheit“ stellt sich heraus, dass viele Kunden und Investoren ihr Geld von COINTED nicht erhalten und rechtliche Schritte eingeleitet haben. Bei der Kanzlei Lansky in Wien füllen diese Ansprüche bereits Ordner. Es verdichten sich die Hinweise darauf, dass

  • Buchhaltung und Bilanzen nicht vorhanden bzw. eventuell falsch sind;
  • Beteiligungsverhältnisse eventuell nicht richtig wiedergegeben wurden;
  • Investoren eventuell falsch informiert und in die Irre geführt wurden;
  • das Krypto-Mining tatsächlich nie der COINTED gehört hat und
  • die COINTED LTD eine leere Hülle ist.

Kurz gesagt, die damals erhobenen Vorwürfe und Zweifel stellen sich als nachhaltig heraus und werden derzeit rechtlich behandelt. Investoren wie auch Kunden warten auf das ihnen zustehende Geld.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits wegen schweren Betrug, Verdacht auf Pyramidenspiel, Verletzung der Prospektpflicht und Veruntreuung von Anlegergeldern. Es scheint sich zu beweisen, dass die möglichen Vergehen von COINTED sogar noch schlimmer sein könnten als die damals erhobenen Vorwürfe. Nach zwei Hausdurchsuchungen, vielen Anzeigen und Liquiditätsproblemen scheint COINTED vor dem „Aus“ zu stehen.

Barbara DURAS berichtet wieder über COINTED. Diesmal als Journalistin des österreichischen TRENDING TOPICS. Und diesmal trägt der Titel einen anderen Unterton: „Hausdurchsuchung bei COINTED: Verdacht auf schweren Betrug gegen die Krypto-Firma!“. Es wird über die Hausdurchsuchung und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft berichtet. Vergeblich versucht man den Hinweis darauf, dass die Autorin nur ein paar Monate zuvor auf Grundlage wochenlanger Recherchen COINTED von allen erhobenen Vorwürfen de facto exkulpiert hatte. Abgesehen davon, dass die Beschreibung von COINTED in beiden Artikeln fast wortgleich ist, also ein leicht modifizierte „Copy-Paste“ Variante.

Vergangenheitsberichtigung statt Diskussion?


Jedem Journalisten und Blogger kann so etwas passieren selbst bei größter Sorgfalt und akribischer Recherche. Man glaubt an etwas und man glaubt den Leuten und trotzdem passiert dann etwas. Das ist Teil des Berufsrisikos.

Schlimm genug und Kunden die sich auf die „ganze Wahrtheit“ verlassen haben, werden sich nicht freuen. Tatsächlich schlimm ist aber wie mit der Sache umgegangen wird. Weder erklärt Barbara DURAS die gesamte Geschichte und versucht zu erklären warum sie damals trotz vieler Vorwürfe die „Exkulpierung“ durchgeführt hat noch gibt sie zu erkennen, dass sie die Autorin dieses alten Artikels ist. Seltsam ist auch das Verhalten von DER BRUTKASTEN – dort hat man den inkriminierten Artikel gleich ganz gelöscht. Bereinigte Wirklichkeit also.

Ob DER BRUTKASTEN damit der österreichischen Startup-Szene hilft und seine Glaubwürdigkeit fördert darf ernsthaft bezweifelt werden. Jedes Startup kann schief gehen. Das gehört zum Risiko. Ebenso gehört dazu, dass der Gründer dann offen diskutiert und nicht einfach abtaucht. Eine derartige Verantwortung muss auch ein auf Startups spezialisiertes Medium haben. Ja, man hat ein Startup geglaubt und ja, leider hat man sich trotz aller Sorgfalt getäuscht. Aber ja, man wird das gerne öffentlich diskutieren. Eine offene Diskussion würde unseres Erachtens wesentlich mehr zu einer nachhaltigen Entwicklung der österreichischen Startup-Kultur führen als geschönte Geschichten. Und es würde den Medien ein großes Stück Glaubwürdigkeit geben – abgesehen von der (medien)rechtlichen Verpflichtung.

2 Kommentare

  1. Was soll denn dieses verwirrte Geschreibsel? Ich denke der Autor sollte mal tief durchatmen und die wirren Gedanken ordnen. Da kennt sich doch keiner aus und der Inhalt wirkt sehr fragwürdig.

    • Vielen Dank für das Kommentar und den Tipp mit dem Durchatmen. Das ist bei diesen Temperaturen immer ein guter Tipp. Wir bemühen uns, den komplizierten Sachverhalt rund um Cointed und Optioment bestmöglich zu entwirren was uns vielleicht nicht immer gelingt. Nicht umsonst beschäftigt der Akt bereits Rechtsanwälte und Behörden. Möglicherweise ist diese „Verwirrung“ von Seiten der Cointed-Leute Absicht.

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