ENVION: ICO-INVESTORENKLAGEN GEGEN ENVION UND TRADO EINGEBRACHT

Envion hatte Anfang 2018 mit $100 Millionen einen der erfolgreichsten Initial Coin Offerings (ICO) absolviert. Doch anstatt Kryptomining zu entwickeln bezichtigten Gründer und CEO einander des Betrugs. Fintelegram berichtete über die absurden Ereignisse, die aus einer Erfolgsgeschichte ein wahrscheinliches Insolvenzobjekt werden liessen. Jetzt klagen die Investoren. 

Die Probleme zwischen den beiden Gründer-Teams der Schweizer ENVION AG mit Michael LUCKOW und der TRADO GmbH einerseits und Matthias WOESTMANN und seiner Quadrat Capital GmbH andererseits beschäftigt wie erwartet weiterhin die Behörden, Rechtanwälte und Gerichte in Deutschland und der Schweiz.

Wie berichtet hat die Schweizer Finanzmarktaufsichtsbehörde FINMA einen Kommissär entsandt, der mögliche Verstöße gegen die Schweizer Kapitalmarktgesetze untersuchen soll. Die beiden Vorstände Matthias WOESTMANN und Marc GUROV dürfen ohne Zustimmung des Kommissärs keine Entscheidungen mehr treffen.

Vor dem Gericht in Berlin wird auf Aktionärsebene zwischen den beiden Gründer-Teams weiterhin um die aktienrechtliche Kontrolle über die ENVION AG gestritten. Eine rasche Entscheidung ist dabei nicht zu erwarten und eine außergerichtliche Einigung zeichnet sich derzeit auch nicht ab.

Nunmehr klagen auch die ersten ICO-Investoren. Wie die deutsche Anwaltskanzlei CLLB berichtet, wurde namens einiger ICO-Investoren Klage gegen die TRADO GmbH und die ENVION AG eingebracht:

Nachdem entsprechende Aufforderungsschreiben von Seiten der Kanzlei CLLB Rechtsanwälte in Namen eine Reihe Investoren an die Envion AG, deren Vorstand Matthias Woestmann und die Trado GmbH trotz Fristsetzung unbeantwortet blieben, wurden nun von Seiten der Kanzlei CLLB beim Landgericht Berlin die ersten Schadenersatzklagen gegen die Envion AG und Trado GmbH eingereicht. […] Die Klagen werden in erster Linie auf Prospekthaftung, vorsätzliche sittenwidrige Schädigung und die Verletzung aufsichtsrechtlicher Vorschriften gestützt, erklärt die Kanzlei CLLB.

Der Umfang der mit den nunmehr eingereichten Klageschriften geltend gemachten Schadenersatzansprüche bewegt sich im oberen sechsstelligen Bereich.

CLLB berichtet, dass sich täglich neue Investoren melden.

Die Klage der CLLB macht durchaus Sinn. Tatsächlich haben wir auch hier in unserem FinTelegram mehrfach darüber berichtet, dass aus unserer Sicht White Paper und Börsenprospekt offensichtlich falsch sind und somit die ICO Investoren in die Irre geführt wurden (siehe hier unsere ENVION Akte). Die von CLLB eingereichten Klageschriften sind allesamt auf Rückabwicklung des EVN-Investments gerichtet. Auch die Rückabwicklung und/oder Liquidation des Unternehmens würde aus unserer Sicht überlegenswert sein, da die ENVION AG derzeit nur eine leere Gesellschaft zu sein scheint.

Derzeit sieht es wirklich nicht danach aus also ob die ICO-Investoren irgendwann in naher Zukunft mit einer Lösung dieses eskalierenden Konflikts rechnen dürfen. Eine Aufnahme der ordentlichen Geschäftstätigkeit der ENVION AG – das Krypto-Mining – ist in weiter Ferne. Schade, eigentlich. Der ENVION ICO war mit rund USD 100 Millionen einer der 14 erfolgreichsten ICO’s weltweit und hat sich vielversprechend angefühlt. Bisher ist das Projekt an den Aktionären und Gründern gescheitert!

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