ENVION UPDATE – DISKUSSIONEN MIT DEN ICO INVESTOREN UND SMART CONTRACT POSITIONIERUNG

Envion AG und Trado GmbH

Aktionäre bekämpfen sich, ICO Investoren verlieren


Wir werden regelmäßig von Investoren rund um den Envion ICO kontaktiert und mit Meinungen und Fakten konfrontiert. Zuletzt haben wir über den Medium-Beitrag eines ICO Investors berichtet, der den TRADO Gründern eine Manipulation des Smart Contracts und den Verkauf der Gründer-Token während der angekündigten Lock-Up Periode vorwirft. Der Investor hat den Code des Smart Contracts ausführlich analysiert und kommt zu eben dieser Schlussfolgerung. Er meint weiters, dass der Code erst nach dem – im ICO immer wieder betonten – Audit des Smart Contracts manipuliert worden sein könnte.

Wir können an dieser Stelle nicht sagen, ob dieser Investor mit seiner Analyse recht hat, aber seine Argumente sind es jedenfalls wert, dass man sich damit auseinandersetzt. Eine intensive Auseinandersetzung mit den Fragen und Argumenten der Investoren empfehen wir auch den Envion Gründern rund um das TRADO-Team und Michael LUCKOW, dies auch unter Berücksichtigung des Chaos, dass die beiden Gründer-Gruppen rund um Michael LUCKOW und Matthias WOESTMANN angerichtet haben. Mit wechselseitigen Schuldzuweisungen wird den ICO Investoren jedenfalls nicht geholfen.

Der Smart Contract nur ein Werkzeug?


In einer ebenfalls auf Medium veröffentlichten Antwort von Michael LUCKOW an den Investor wird dieser in einem belehrendem bis arroganteem Tonfall darüber aufgeklärt, dass der Smart Contract gar nicht diese wichtige Stellung im Rahmen des ICO gehabt hätte. Der Smart Contract wäre nur ein Werkzeug gewesen, um den ICO durchzuführen. Auf die detaillierten Vorwürfe des Investors geht LUCKOW dann gar nicht mehr ein. Damit wird wohl dem in der Kryptowelt erst vorige Woche heiß diskutierten Medium-Artikel von Jimmy Song: The Truth about Smart Contracts einwandfrei Recht gegeben: Die Güte eines Smart Contracts hängt von der Qualität seines Entwicklers ab.

Das Thema ist LUCKOW entweder nicht wichtig genug oder der Investor hat recht mit seiner Hypothese der Manipulation.

Envion Gesamtpaket
Das Envion Gesamtpaket für Investoren

Desweiteren argumentiert LUCKOW, dass seine TRADO GmbH nur eine Art Lieferant für die ENVION AG gewesen wäre. Ansonsten hätten er und die TRADO GmbH mit dem ICO nicht zu viel zu tun gehabt. Daher wäre der ICO und die Probleme daraus in erster Linie eine Angelegenheit der ENVION AG und dessen Vorstand. Interessante Wende, oder?  Die SEC hat in ihren jüngsten Aussagen und Sanktionen klargestellt, dass der ICO Emittent in der gesamten Kommunikation den Investoren ehrlich zu sein hat. An dieser Stelle darf auch die Fälle mit den „Celebrities“ wie beispielsweise CentraTech verwiesen werden, deren Betreiber wegen Falschaussagen im Zuge des ICO angeklagt und verhaftet wurden.

Im Falle der Envion wurde im Prospekt wie auch im White Paper auf den Smart Contract refenziert und damit ist dieser Teil des rechtlichen Gesamtpaketes, auf Grundlage dessn der Investor EVN Token im ICO gekauft hat. Man könnte diesen daher als verbindliche Nebenabrede zum Hauptvertrag bezeichnen.

In der Antwort von LUCKOW wird der Investor wird darauf hingewiesen, dass er mit seinen Argumenten und Beschwerden lediglich die Gründer rund um das TRADO-Team in ihrer Arbeit behindern würde. Sie hätten bereits genug damit zu tun, gegen WOESTMANN und seine Partner Thomas VAN AUBEL und Kollegen vorzugehen. Dabei wird also unterstellt, dass natürlich WOESTMANN der Schuldige und TRADO und LUCKOW die Unschuldigen sind. Es wird offenbar jede Verantwortung für den missglückten US$100-Millionen ICO und die nunmehr enttäuschten Investoren weggewiesen.

Die TRADO will nur Lieferant gewesen sein?


Tatsache ist aber auf Grund der vorliegenden Kommunikation, dass auch das TRADO-Team Verantwortung für den ICO hat. Dem TRADO-Team muss bewusst gewesen sein, dass das Krypto-Mining-Geschäft gar nicht in der ENVION AG war und damit das Prospekt und das White Paper falsch waren. Das TRADO-Team muss sich bewusst gewesen sein, dass es nicht nur Lieferant für die ENVION AG gewesen ist, sondern dass sie öffentlich behaupteten, Teil der ENVION AG zu sein. Dafür haben sie auch die Gründer-Token kassiert und diese dann in der Lock-Up Periode offenbar teilweise verkauft. Mit dem Verkauf sollen sie einige Millionen Dollar kassiert haben. In seiner Antwort an den Investor argumentiert LUCKOW, dass er „nur“ US$ 2 Millionen vereinnahmt hat.

Interessant dabei ist, das auch Matthias WOESTMANN ähnlich argumentiert und die TRADO GmbH als Lieferant positioniert. Dann waren jedenfalls der Prospekt und das White Paper falsch. Eine derartig wichtige Abhängigkeit von einem Partner wurde nicht beschrieben. Aber zumindest hätten dann die beiden Gründer-Teams zumindest eine gemeinsame Sicht. Dann geht es jetzt also „nur mehr“ um die Anzahl der Aktien, die das TRADO-Team an der ENVION AG haben will.

Gegen diese Argumentation spricht aber, dass der Darlehensvertrag zwischen der TRADO GmbH und der QUADRAT CAPITAL abgeschlossen wurde und damit die TRADO GmbH zum Mitgründer wurde. Die TRADO GmbH hatte das Recht, den Darlehensvertrag in Aktien der ENVION AG zu wandeln. Genau um diese Abwicklung wird derzeit gestritten.

Festzuhalten ist dabei nochmals, dass weder die TRADO GmbH, noch Michael LUCKOW noch der Darlehensvertrag im Prospekt oder im White Paper erwähnt wurde.

Das TRADO Team ist nicht Robin Hood


In der jüngsten Argumentation von LUCKOW wird das TRADO-Team als eine Art Rächer der Enterbten (a.k.a. Investoren) dargestellt, das im Interesse aller ICO Investoren den Kampf gegen den bösen WOESTMANN aufgenommen hat.  WOESTMANN wird als eine Art Sheriff von Nottingham dargestellt und möglicherweise wird Thomas VAN AUBEL die Rolle des Prinz John zugewiesen in diesem Investoren-Drama.  Unbestritten scheint zwar, dass es massive Unregelmäßigkeiten auf Seiten von WOESTMANN auf Aktionärsebene gegeben hat. Das bedeutet aber nicht, dass damit das TRADO-Team automatisch unschuldig und auf der ICO-Ebene der Gute ist. Es ist derzeit nicht sicher, ob es in diesem Drama überhaupt einen Guten gibt.

Vielmehr sind der Meinung, dass die Gründer der TRADO GmbH selbstverständlich an dem ICO-Disaster Mitverantwortung tragen und den Investoren – und zwar jedem Einzelnen –  Rede und Antwort stehen müssen. Aus Sicht eines Investorenschützers betrachtet,  verhält sich das TRADO-Team nicht besser als das WOESTMANN-Team rund um die QUADRAT CAPITAL.

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