DER KRYPTO-HYPE: DIE VERANTWORTUNG VON MEDIEN UND BERATERN

DER KRYPTO-HYPE: DIE VERANTWORTUNG VON MEDIEN UND BERATERN
DER KRYPTO-HYPE: DIE VERANTWORTUNG VON MEDIEN UND BERATERN

Das rasante Wachstum der Kryptowährungen hat ab 2017 zu einer ICO-Industrie geführt, die bis zu $50 Milliarden umgesetzt hat. Dies geschah in der falschen Annahme, dass Krypto ein rechtsfreier Raum sei. Auf den ICO-Hype wird jetzt ein Klage-Hype folgen. Damit wird auch die Verantwortung der Medien und der vielen sonstigen „Berater und Unterstützer“ für den Verlust von Investorengeld aufgearbeitet werden. 

DotCom war ein Blasen-Zwerg

Das Ausmaß des ICO-Hype in der Krypto-Szene ist in der jüngeren Finanzgeschichte beispiellos. Dagegen präsentiert sich der DotCom-Boom vergleichsweise bescheiden (wir wissen das aus eigener Erfahrung). Der DotCom-Boom der sogenannten New Economy spielte sich innerhalb der regulatorischen Rahmenbedingungen ab und war begrenzt auf die damals führenden Industrienationen. Privatinvestoren aus Russland, China und  Südamerika, der Nahe Osten und Afrika nahmen am damaligen Boom nur eingeschränkt teil. Diese Länder nehmen und nahmen hingegen sowohl auf der Seite der ICO-Betreiber als auch der Investoren massiv am ICO-Hype teil. Dubai ist beispielsweise neben Zug (Schweiz) so etwas wie das Delaware der Krypto-MLM-Szene.

Multi-Kulturelle Szene abseits regulatorischer Standards

In atemberaubender Geschwindigkeit entwickelte sich innerhalb von wenigen Monaten ab dem Frühjahr 2017 eine globale, multi-kulturelle ICO-Szene, die sich bei den zahllos abgehaltenen Blockchainveranstaltungen feierte und motivierte. Tokens und Smart Contracts wurden als disruptive Phänome gefeiert, die in einem vermeintlich regulatorischem Freiraum stattfinden würden und daher keinerlei Aufsichtsbehörden benötigen würden. Regulierung war gestern, Blockchain-basierte Selbstregulierung ist heute, so das in der Szene gelebte Credo. Die Regulierungsbehörden der einzelnen Länder waren und sind offensichtlich überfordert, auch fehlt eine globale Instanz, die sich mit dem globalen Phänomen auseinandersetzt.

Offensichtliche negative Begleiterscheinungen wie eine hohe Nutzung der Kryptowährungen auf den Schwarzmärkten wurden von der Szene als Notwendigkeit zur Weiterentwicklung gesehen. Angeheizt wurde der ICO-Hype noch durch den massiven Anstieg der Bewertung der Kryptowährungen in den letzten Monaten 2017. Auf den sozialen Medien tummelten sich plötzlich unzählige „sogenannte“ Bitcoin-, Blockchain- und ICO-Spezialisten, die sich angeblich seit Jahren mit Blockchain intensivst auseinandergesetzt hätten und nun bereit waren für überzogene Gebühren ihre wertvollen Beratungsdienstleistungen Unternehmen anzubieten. Altgediente Finanzvertriebsstrukturen entdeckten im Herbst 2017, dass es viel einfacher war Kryptomining-Pakete – welcher Art auch immer-  an den Mann oder die Frau zu bringen, als Versicherungspolizzen, Lebensversicherungen oder Bausparverträge zu verkaufen.

Anfang Jänner 2018 erreichte der gesamte Kryptowährungsmarkt eine unvorstellbare Marktkapitalisierung von 750 Milliarden USD. Zwischen Jänner 2017 und Juni 2018 wurden rund 1.300 neue Kryptowährungen über ICO’s verkauft und rund 20 Milliarden Dollar von Investoren eingesammelt. Bei diesen Zahlen handelt es sich um Schätzung, denn Transparenz gibt und gab es im ICO-Markt nicht. Wir von FinTelegram denken, dass die Dunkelziffer der tatsächlich über ICO, Token Sales und MLM-Systeme eingesammelten Investorengelder deutlich höher ist und wohl eher jenseits der 50 Milliarden Dollar liegt.

Inzwischen befindet sich der Kurs von so gut wie allen dieser Kryptowährungen im freien Fall.

Coinmarketcap
Coinmarketcap

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein kurzer Besuch auf der Crowdsourcingwebseite Dead.Coins macht offensichtlich,  das von den gehypten Tokens nicht mehr viel übrig geblieben ist. Inzwischen wissen wir auch, dass viele der Krypto Hedge-Funds als auch viele der Krypto-HODLER-Apologeten im Jänner 2018 massiv in den Markt  verkauft haben.

Bei den Aufsichtsbehörden und den Strafverfolgungsbehörden mehren sich die Anzeigen und es wird immer klarer, dass es noch nie soviele und vor allem so unverschämte Scams und Betrugssysteme gab wie in der Krypto-Ära:  Vor allem Projektbetreiber aus den neuen „Bubble Nationen“ wie Russland, China sowie die südamerikanischen Staaten präsentieren sich als Abzocker und genießen ihre „Offshore“ Stellung. Andererseits entdecken deutsche bis dato nur regional tätige Finanzdienstleister plötzlich den afrikanischen Investor! Dank findiger Webmarketingagenturen und der Blockchain-Technologie als infrastrukturellem Rückgrat zur Abwicklung der Geldbewegungen können und konnten global ausgelegte Betrugssysteme ein nie vorher gesehenes Ausmaß annehmen.

Medien – Verstärker, Manipulateure und Profiteure

Bei diesem Krypto-Hype spielten und spielen Medien, ICO-Berater und Prominente eine herausragende Rolle. Vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2017 waren die Online-Medien voll von weitgehend kritikloser Berichterstattung über Token-Emissionen, was die Kassen dieser Medienunternehmen klingeln ließ. Wir wissen von zahllosen Medien, die 2016 und 2017 eigens für den Zweck gegründet wurden, um ICO’s und die Krypto-Investment-Szene zu hypen.

Interviews und Meinungen von selbsternannten ICO-Beratern – deren einziges offensichtliches Qualitätskriterium die hohe Anzahl an Linkedin-Kontakte war – wurden unreflektiert weitergegeben. Über Plattformen wie ICObench konnten sich die Projektbetreiber die sogenannten Experten beliebig einkaufen, sie auf Webseiten und White Papers als ihre Berater listen um den Erfolg ihres Token-Sales zu ermöglichen. In den meisten Fällen wurde dabei nicht beraten, sondern lediglich kassiert und dafür in den Sozialen Medien verkaufsfördernde Postings abgegeben.

Ein Beispiel dafür ist John McAffee, der Enwickler der gleichnamigen Anti-Virus-Software. McAffee hat bis zu 25{3112d90e1c9bd23af22cf16f58b974bcc4d8a9b058f7839d8b1efb2fba8df460} der täglichen Emissionserlöse dafür kassiert, Token-Sale fördernde Tweets in seine Twitter-Community abzusetzen. Angeblich musste McAffee ein ganzes Team von Leuten beschäftigen, um die vielen Anfragen bearbeiten zu können.

Der Token als Selbstzweck

Im ICO-Hype war der Verkauf der Tokens der Mittel und der Zweck. Das Geld kam nicht über die Zeitachse nach Projektfortschritt – wie bei der bis zum Krypto-Hype üblichen stufenweisen Finanzierung von Start-ups – , sondern bereits vor Projektbeginn. Perfekt für Scams und Betrugsfälle. In den vielen Fällen wurde also ein innovatives Token-Projekt am Papier erdacht,  wobei anzumerken ist, das „Copy“ and „Paste“ bei vielen White Papers nachweislich eine wichtige Rolle gespielt hat. Die Krypto-Investoren waren hungrig nach den Tokens und darauf, mit diesen an den neu entstandenen Krypto-Börsen zu spekulieren. Was im Gold-Rush die Hersteller der Schaufeln waren, waren sind die Krypto-Börsen im ICO-Hype: die wahren Gewinner. Denn erst das Listing eines Tokens stellte den tatsächlichen Ritterschlag dar und öffnete das Tor zum absoluten Spekulationshype und zur Markt-Manipulation: denn Insiderregelungen usw. gab und gibt es nicht auf diesen Krypto-Börsen. Es gilt das absolute Raubrittertum: den letzten beißen die Hunde.

Die systematische Abzocke von Investoren mittels ICOs hat in der Folge Google, Twitter und Facebook veranlasst, Werbung dafür auf ihren Plattformen zu verbieten. Das war eine gute Nachricht für die  Krypto-Medien, die damit einen größeren Teil des gigantischen Werbekuchens abbekamen.

Bitcoin Corner und Medien-Verantwortung

Wie grotesk die Vermarktung von ICO’s sein kann, zeigt aktuell Bitcoin Corner, ein deutsches Projekt, das den Anspruch erhebt, mittels einer von der deutschen BaFin gewährten Banklizenz eine Krypto-Bank mit einem weltweiten Filialnetzwerk zu errichten. Nein, sie haben natürlich noch keine Lizenz aber so genau entnimmt man das den Marketingaussagen in den digitalen Boiler Rooms auf Telegram und Facebook nicht.  Die Marketingstrategie und der Betrieb der digitalen Boiler Rooms wird erkennbar von Profis gemacht.

Das Projekt ist für jeden halbwegs mit Krypto erfahrenen Menschen einfach als grober Unfug zu erkennen, wenn man das höflich formulieren will. Daher verwundert es, dass seriöse Medien wie beispielsweise das BTC-Echo, eine bezahlte Presseaussendung akzeptieren.

Auf Facebook wurde eine bereits oft für verschiedene Krypto-Systeme verwendete Gruppe in den Dienst von Bitcoin Corner gestellt. Damit hat Bitcoin Corner auf einen Schlag mehr als 33.000 Mitglieder in diesem Boiler Room. Dieselbe Gruppe hat davor schon einige Scams wie CryptoGold gehypt und andere Krypto-MLM Systeme unterstützt. Der Betreiber dieser Facebook-Gruppe hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht.

Keine dumme Strategie hat doch diese Gruppe zumindest dafür gesorgt, dass bereits einige tausend Leute das Bitcoin Corner Video gesehen haben. Das ist beeindruckend, oder?

Selbst im Fall einer bezahlten Presseaussendung sollte unseres Erachtens von den Medien ein gewisser ethischer Standard eingehalten werden. Auch klar erkennbaren Unfug unreflektiert zu verteilen, begründet Verantwortung. Schlimmer wird es, wenn unreflektierte Berichte über solchen Unfug als redaktioneller Beitrag verwertet werden wie das beispielsweise im Fall von Bitcoin Corner bei Inside Wirtschaft der Fall ist. In den USA werden die ersten Promotoren und Medien von den Aufsichtsbehörden und Investoren bereits zur Verantwortung gezogen. Man muss kein Raketenwissenschaftler sein, um zu prognostizieren, dass weltweit noch viele Klagen zu erwarten sind. Enttäuschte Investoren haben die Tendenz, Schuldige zu suchen und diese gibt es im Umfeld von ICO’s viele.

Das Große Finale – Der Klags-Hype

Es wurden Milliarden an Anleger-Geldern in den ICO’s bewegt. Selbst nach dem Kurssturz der Kryptowährungen sind noch viele Milliarden davon vorhanden und täglich werden es mehr. Die desillusionierten Anleger werden selbst bei guten Projekten ihr Geld zurückhaben wollen wie beispielsweise im Fall von TEZOS derzeit zu sehen ist.

Dabei treffen die enttäuschten Anhänger auf durchaus willige Anwälte, die angesichts der offensichtlichen Fahrlässigkeit der Projektbetreiber und ihrer Berater ein leichtes Spiel haben werden und sich entsprechend hohe Honorare erwarten.

Wir werden über LinkedIn und Email täglich von Rechtsanwälten kontaktiert, die um Informationen bitten oder uns ihre Unterstützung für enttäuschte Krypto-Investoren anbieten. Insofern können wir die Prognose abgeben, dass wir über die nächsten 2 Jahre nach dem Zusammmenbruch des ICO-Hypes einen beispiellosen Klage-Hype erleben werden. Und wir wagen die Hypothese, dass auch dieser Klage-Hype in ihrem Ausmaß nicht vergleichbar sein wird mit dem Katzenjammer nach dem Platzen der Dot-com Blase 2001.

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