AUCH HYDROMINER STELLT AUSZAHLUNGEN EIN!

Das österreichische Kryptomining-Unternehmen Hydrominer erklärte Sonntag Abend in einer Aussendung an ihre Kunden, dass bis auf weiteres Auszahlungen von Coins und Tokens eingestellt werden. Als Grund dafür wird angeführt das momentan das Geschäftsmodell der Firma rund um CEO Nadine Damblon von der FMA darauf hin geprüft wird ob dieses unter die Regeln eines Alternative Investment Fund (AIFM) fällt.

Was für eine brillante Marketing-Idee war der ICO von HydroMiner im Herbst 2017 doch. Kryptomining entwickelte sich gerade zu einer Gelddruckmaschine, als HydroMiner mit der Idee des ökologisch verträglichem Green Mining in österreichischen Wasserkraftwerken den Markt betrat. Beste österreichische Wasserkraft zu spottbilligen Preisen statt chinesischer Kohle. Wer würde da nicht zuschlagen?

Bereits der erste Anlauf zu einem Token Sale des Startups  – geführt von Nadine und Nicole Dambon – beide mit einer angeblich jahrelangen Expertise im Kryptominingbereich, – führten zu rechtlichen Diskussionen: Mitte September 2017 griff die FMA beim damaligen Angebot wegen eindeutiger Verstösse gegen das Kapitalmarket ein. Dann holte man den ICO-Experten Oliver Völkl an Bord und es wurde das Konzept eines Utility Tokens, des H20 Tokens entwickelt, also ein Gutscheinmodell: bei diesem Modell ist jeder Tokeninhaber ein Gläubiger des Unternehmens  und hat Anspruch auf Auszahlung der Erträge aus der vorab erworbenen Miningkapazität.

Dieser Token Sale brachte dem Unternehmen 8.600 Ether ein, das waren damals 2,5 Millionen Euro. Offensichtlich war aufgrund der Aufregung auf die Gründung der rechtlichen Einheit vergessen worden, eine rechtliche Formalität lt. Oliver Völkl. Haftungsprobleme für die Geschäftsführer aus den Verbindlichkeiten, die vor der Eintragung des Unternehmen im Firmenbuch entstanden, sah er keine.

Jedenfalls war die Freude groß, aber man sah ein viel größeres Potential und vor allem auch eine riesige Nachfrage nach noch mehr Miningleistung. Das war zur Zeit des großen Hypes im Dezember 2017 /Jänner 2018.

Und schon war das Konzept eines Security Tokens erdacht

Eigentlich wollte man ja gleich an die Börse mit dem Konzept jede „Aktie ist ein Token“. Dann wurde es ein Genussrechtsmodell und man sprach schon ganz stolz vom ersten Security Token Europas. Flugs wurde im Frühjahr 2018 ein Prospekt erstellt für den H30 Token und an die FMA zur Genehmigung übermittelt. Gleichzeitig wurde das Team massiv aufgestockt und die Anzahl der ICO-Adviser auf 15 (!) erhöht. Neben den Rechtsberatern Arthur Stadler und Oliver Völkl wurden bekannt- berüchtigte ICO-Adviser wie Phillip Nunn, Nikolay Shkilev  und Vladimir Nikitin engagiert um entsprechend ein globales Publikum anzusprechen.

Hydrominer Team
Hydrominer Team

Zur selben Zeit wurden die Marketing-Dienstleistungen von Philip Dimitrov eingekauft. Dimitrov hatte schon das geplatzte Cointed bei deren ICO beworben. Dabei scheute dieser nicht davor zurück, ICO-rating-Seiten für Hydrominer zu manipulieren.

Gleichzeitig wurde seit den ersten Monaten 2018 ein Private Placement für den H30 Token durchgeführt. Auf dem Telegram Channel des Unternehmens wurde der Public Sale des H30 Tokens seit Anfang 2018 fleißig beworben und davon gesprochen, das bald damit begonnen wird und dann die H20 auch in H30 Token umgewandelt werden können.

Und dann stockte es:

Im Mai 2018 dürfte die FMA dem Rechtsvertreter der Hydrominer mitgeteilt haben, dass das H30 Prospekt in dieser Form nicht genehmigt werden könne, da nach der Auffassung und auch entsprechend der FMA Verlautbarung vom 22. Mai 2018 das Geschäftsmodell im übermittelten Prospekt  den Regeln eines Alternative Investment Fund (AIFM) entspricht und damit entsprechende Auflagen zu erfüllen seien und damit nicht genehmigt werden könne. Auch wir berichteten bereits im Mai über die Rechtsmeinung der FMA.

Bereits seit Ende Mai 2018 sucht also Hydrominer nach einer Lösung für ihr Geschäftsmodell. Auf der Webseite und auf den sozialen Medien wird ungeachtet der bereits bekannten Rechtsmeinung weiterhin davon gesprochen, dass nur mehr die Genehmigung des Prospektes ausstehen würde bevor der geplante Token Sale des H30 Tokens starten wird.

Im Juli Heft der ZVR veröffentlicht Oliver Völkl zur Rechtsmeinung der FMA einen kritischen Artikel zum Thema:  Mining von virtuellen Währungen als Alternativer Investmentfonds, ohne  zu erwähnen, dass es sich defacto um einen Artikel in eigener Sache handelt.

Status Ende September 2018:

Hydrominer macht eine Aussendung, indem die Kunden und Gläubiger des Unternehmens (H20 Token)  darüber informiert werden, das das angedachte Geschäftsmodell des Unternehmens unter die AIFM Regelung fallen könnte und damit nicht umgesetzt werden kann um weiters mitzuteilen das demzufolge auf den H20 Token keine Auszahlungen mehr geleistet werden können:

 „Die österreichische Finanzbehörde (FMA) evaluiert derzeit das Cloud-Mining-Modell von HydroMiner unter dem Aspekt eines Alternative Investment Fund (AIFM). Nach Ansicht der Behörden könnte das derzeitige Modell, das das Zusammenlegen der Kundengelder auf den Wallets von HydroMiner und die Auszahlung auf Anfrage beinhaltet, möglicherweise unter die regulatorischen Anforderungen eines alternativen Investmentfonds fallen. Wenn die Behörden entscheiden, dass HydroMiner eine Lizenz für einen alternativen Investmentfonds hätte beantragen müssen, wird eine Gebühr mit potenziell hohen Strafzahlungen erhoben, die zur Schließung des Unternehmens führen könnte.

Wir werden hier der Rechtsberatung folgen und haben keine andere Wahl, als alle Minenauszahlungen sofort einzufrieren. Dies ist eine vorübergehende Maßnahme, um eine mögliche Schließung des Unternehmens zu vermeiden.“

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Warum nun plötzlich auch das alte Gutscheinmodell unter die AIFM-Regelung fallen sollte, ist nicht verständlich und nicht nachvollziehbar.

Fintelegram stellt noch eine weitere unbequeme Frage in den Raum: Wie wir bereits bei 21Coinworld berichteten, stellen immer mehr Cloud-Mining Betriebe ihre Auszahlungen ein. Das lässt sich allein durch schwache Rentabilität nicht erklären, denn da würden immerhin noch geringe Beträge ausbezahlt.

Auf dem Telegram Channel werden die H20 Tokeninhaber im übrigen immer noch mit der baldigen Möglichkeit des Umtausches des H20 Tokens in H30 Tokens beruhigt.

Nachsatz: Inzwischen hat das Unternehmen lt. Trending Topics angekündigt, bald die Auszahlungen wieder aufzunehmen. Also was jetzt?


Bildquelle: Freepik

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