Banken und Zahlungsverkehrsdienstleister als Beitragstäter im Anlegerbetrug illegaler Broker

SafeMarkets, Golden Markets, XTraderFX and payment options

Der systematische Anlegerbetrug rund um illegale Broker-Seiten wäre ohne bereitwillig oder fahrlässig mitwirkende Zahlungsverkehrsdienstleister und Banken  nicht möglich. Erst durch die Möglichkeit, das Geld der betrogenen Anleger weltweit zu waschen und zu verschieben, entsteht für die illegalen Broker die Möglichkeit, Anleger abzuzocken und global operierende kriminelle Organisationen zu errichten. Insofern sind diese Zahlungsverkehrsdienstleister als Beitragstäter im strafrechtlichen Sinne zu qualifizieren und von Behörden wie auch Investoren zur Verantwortung zu ziehen.


Geldwäsche und Anlegerbetrug

Zahlungsverkehrsdienstleister, die bei den illegalen Brokergeschäften mitwirken, ermöglichen nicht nur den Betrug an Investoren. Darüber hinaus machen sich diese Zahlungverkehrsdienstleister auch der Geldwäscherei schuldig. Geldwäsche bezeichnet das Verfahren zur Einschleusung illegal erwirtschafteten Geldes bzw. von illegal erworbenen Vermögenswerten in den legalen Finanz- und Wirtschaftskreislauf.

Zahlungsverkehrsdienstleister sind spätestens seit der 4. AML Direktive verpflichtet, sich umfassend über ihre Kunden und deren wirtschaftlichen Eigentümer zu erkundigen. Die AML-Richtlinie nennt das Customer Due Diligence (CDD) und die Ultimate Beneficial Ownerhship (UBO) Prüfung. Das Ziel ist es, kriminelle Gelder aus dem Bankensystem auszusperren, weil diese die Stablitität von Wirtschaft und Gesellschaft bedrohen wie es in der Stellungnahme zur 4. AML Direktive heißt:

DIRECTIVE (EU) 015/849 OF THE EUROPEAN PARLIAMENT AND OF THE COUNCIL of 20 May 2015
DIRECTIVE (EU) 015/849
OF THE EUROPEAN PARLIAMENT AND OF THE COUNCIL of 20 May 2015

Die Zahlungsverkehrsanbeiter müssen daher entsprechende AML-Prüfungen bei den einzelnen Zahlungen durchführen und verdächtige Zahlungen den Behörden melden. In den meisten Ländern haben die Zahlungsverkehrsdienstleister im Rahmen ihres Risikomanagements entsprechende Software zu implementieren. In jedem Fall sind im Rahmen der KYC/AML-Prüfung Maßnahmen zu setzen, die illegalen Geschäften den Zugang zum Bankensystem verunmöglichen.

Der systematische Anlegerbetrug über illegale Broker hat laut dem U.S. FBI in den letzten Jahren alleine bei den Binären Optionen Schäden von USD 10 Milliarden pro Jahr verursacht. Dies vorausgesetzt wollen wir uns die Zahlungsverkehrsdienstleister rund um die von uns identifizierten illegalen Broker näher ansehen.

Jubiter Technologies

FinTelegram hat über die letzten Monate im Zuge ihrer Recherchen über die illegalen Broker eine Reihe von Zahlungsverkehrsdienstleistern analysiert. Dabei sind wir über Firmen wie die in Estland registrierte Jubiter (www.jubiter.com) gestoßen. Jubiter wird von einigen illegalen Brokerseiten wie SafeMarkets, XtraderFX oder Golden Markets eingesetzt, um Zahlungen mittels Kryptowährungen entgegenzunehmen.

In einer offiziellen Stellungnahme an FinTelegram hält Jubiter sogar explizit fest, dass die illegalen Broker-Seiten die Zahlungsverkehrsdienstleistungen ohne KYC nutzen können:

In the article referenced above, you have mentioned Jubiter Technologies as a payment service provider […] for illegal brokers as SafeMarkets, Golden Markets and XTraderFX […] In addition, Jubiter Technologies never accepted […] the abovementioned brokers as its clients and any claim for its connections of any sort therewith is hereby repudiated. Therefore, no KYC or AML checks were required to be applied with respect to such persons/entities, as suggested in the article.

Offensichtlich erforscht Jubiter nicht den tatsächlichen wirtschaftlichen Eigentümer sondern gibt sich zufrieden mit Angaben über Scheinfirmen. Es mag vielleicht richtig sein, dass Jubiter nicht absichtlich am Anlegerbetrug der illegalen Plattformen mitwirkt. Jedenfalls werden offenbar aber auch keine geeigneten KYC/AML-Maßnahmen gesetzt, um die missbräuchliche Verwendung der Plattform durch illegale Broker zu verhindern. Die Einhaltung der KYC/AML-Richtlinien ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für den Erhalt der Lizenz in Estland.

Auf eine erneute Nachfrage von FinTelegram betreffend KYC/AML-Prüfungen erhielten wir von Jubiter keine Antwort mehr.

Investbank

Noch schlimmer ist die Situation mit der bulgarischen Investbank. Dort laufen die Bankkonten der Betreiber der illegalen Broker-Seiten aus der EU, Osteuropa, Russland und Israel zusammen. Als EU-Bank im SEPA-Verbund sollte die Investbank ein Watchdog sein, um das SEPA-System vor Geldwäsche und Geldern aus organisierter Kriminalität zu schützen. Tatsächlich fördert die Investbank aber diese illegalen Tätigkeiten durch fahrlässige Anwendung der KYC/AML-Richtlinien.

Gegen das Verhalten der bulgarischen Investbank muten die Verstöße der Deutschen Bank gegen Geldwäsche (AML) aus dem Jahr 2014 fast schon lächerlich an. Wie FinTelegram berichtet hat, musste die Deutsche Bank damals USD 625 Millionen Strafe an die U.S. und U.K. Aufsichtsbehörden zahlen.

Praxis Pay

Neben der estländischen Jubiter und der bulgarischen Investbank spielt auch die in Zypern beheimatet Praxis Pay eine wichtige Rolle. Viele der illegalen Brokerseiten arbeiten mit Praxis Pay und kassieren über deren Plattform die Kundengelder ein. Dabei dürfte das Unternehmen ebenfalls kaum KYC oder AML anwenden oder in seiner Lösung vorsehen. Zwar ist Praxi Pay kein registrierter Zahlungsverkehrs-dienstleister müsste aber trotzdem die KYC/AML-Richtlinien beachten.

Praxis Cashier for Brokers
Praxis Cashier – Lösung für Online-Broker

Praxis Pay oder PayCashier (beide Marken werden verwendet) behauptet von sich sogar, dass sie ein führendes Finanzdienstleistungsunternehmen ist. Das offiziell in Zypern angesiedelte Unternehmen hat intensive Kontakte und Arbeitsbeziehungen zur israelischen Szene im Bereich der illegalen Broker.

Payvision

Neben Praxis Pay spielt auch der niederländische Zahlungsverkehrsdienstleister Payvision eine wichtige Rolle bei der Inkassierung und Verteilung der illegal erhaltenen Anlegergelder. FinTelegram liegen die entsprechenden Kontendaten vor über welche Millionen von Anlegergeldern über Payvision an die diversen Offshore-Firmen der illegalen Betreiber verteilt werden.

Payvision dürfte neben der Investbank zu den wichtigsten Geld-Verteilern der illegalen Broker innerhalb der EU gehören. Anfragen der FinTelegram bei Payvision wurden bisher nicht beantwortet.

[wird fortgesetzt]

Sollten Sie Informationen über illegale Geldflüsse bei illegalen Brokern haben oder Geld bei illegalen Brokern verloren haben, dann teilen Sie uns das bitte über unser Whistleblower-System mit. Wir werden Ihre Informationen mit den zuständigen Behörden teilen.

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