BINÄRE OPTIONEN – WARUM SIE FÜR ANLEGER SO GEFÄHRLICH SIND!

Binäre Optionen werden von BaFin verboten

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat mit heutigen Datum eine Anhörung zum geplanten Verbot der Vermarktung, des Vertriebs und des Verkaufs von binären Optionen an Kleinanleger veröffentlicht. Dieses Verbot soll mit Auslaufen der Geltung des bereits 2017 gesetzten Vertriebsverbots der ESMA gültig werden. Eine uE nach sehr dringende Maßnahme der BaFin, denn die SEC hat bereits 2013 den unregulierten Vertrieb von binären Optionsmodellen an Kleinanleger verboten

Was sind Binäre Optionen?

Technisch handelt es sich bei Binären Optionen um Finanzderivate. Bei einem binären Optionsgeschäftsabschluss wird eine Wette auf den Eintritt eines bestimmten Ereignisses – steigender Kurs (Call Option) oder fallender Kurs (Put Option) – zwischen einem Investor (Trader) und einem Broker  abgeschlossen.  Dazu wird die Option an einen Basiswert (Underlying) gekoppelt. Basiswerte für binäre Optionen können Währungen, Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle oder Indizes sein.

Die Kurse oder Preise der Basiswerte werden zum größten Teil durch reelle Marktbewegungen (Angebot und Nachfrage) an geregelten Märkten gebildet. Um einen Gewinn zu realisieren, muss das gewünschte Ereignis – etwa ein Anstieg des ATX auf 2.450 Punkte im Zeitraum X – eintreten. Andernfalls verfällt die Option und der Anleger verliert seinen Einsatz zur Gänze.  Ob dieses möglichen Totalverlustes werden Binäre Optionen auch häufig als ein Alles oder Nichts-Glücksspiel eingestuft.

Die vermeintlichen Vorteile einer Teilnahme an Binären Optionsmodellen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Einfache Bedienbarkeit der Onlineplattformen.
  • die potentielle Gewinnspanne pro Trade liegt je nach Broker  zwischen 70% und 95%, ist also sehr hoch (im Vergleich zu den geringen möglichen Zinseinkünften in der realen Welt);
  • eine breite Handelsbasis über verschiedene Werte ist möglich;
  • der Optionshandel ist bereits mit niedrigen Summen möglich;
  • es besteht keine Nachschusspflicht;
  • Die Laufzeit solcher Binären Optionsgeschäfte beträgt zwischen mehreren Sekunden bis zu mehreren Monaten.

Rechtlich werden keine Wertpapiere gehandelt, sondern es werden direkte (außerbörsliche) Vereinbarungen zwischen Broker und Anleger abgeschlossen.

Anbieter solcher binären Optionsmodelle

Anzogen von einer Vielzahl von Privatinvestoren, die glauben in kurzer Zeit hohe Gewinne realisieren zu können, hat sich speziell in den Jahren nach der Finanzkrise 2007/2008  eine große Anzahl von agressiven Online-Borkern für solche Angebote entwickelt. Die meisten davon haben keine Konzession von Finanzmarktaufsichtsbehörden, sind daher nicht reguliert und illegal.

In den letzten Jahren wurden durch zahllose Beschwerden von Investoren offensichtlich, dass die Geschäftspraktiken von vielen dieser Onlineplattformen hoch unseriös sind:

  • Anlegergelder – ob mit oder ohne Gewinn- werden trotz Kündigung des Kontos nicht zurückgezahlt.
  • Rechtsdurchsetzung, ist meist sehr schwierig, weil meist mit undurchsichtigen Konzernstruktuen der tatsächliche Vertragspartner nicht eruierbar ist.
  • Es wird Seriösität mit unlauteren Mitteln vorgegaukelt. Falsche Forenbeiträge und vermeintliche Nachrichtenartikel im Design renommierter Nachrichtenportale werden erstellt.
  • Unerlaubte Werbeanrufe (Cold Calls) werden durchgeführt.
  • Sitz im Ausland wird bei Konflikten zum Problem
  • Die Risikohinweise sind zwar auf den meisten Webseiten zu finden, jedoch nur kleingedruckt in der Fußzeile der Webseiten.
  • Von Anlegern wurden zudem Nutzungsgebühren verlangt – unabhängig von der tatsächlichen Nutzung irgendeiner Leistung

Seit 2012 wird der Handel mit binären Optionen auf Zypern (wo sich sehr viele dieser Handelsplattformen befinden) durch die Cyprus Securities and Exchange Commission (CySEC) reguliert. 2013 zog auch Malta nach, wo binäre Optionen bisher von der Glücksspielbehörde verwaltet wurden.  Die beiden Länder waren damit die ersten, die binäre Optionen als Finanzinstrumente im Sinne der EU-Richtlinie MiFiD gesetzlich regeln.

Eklatanter Missbrauch wurde offensichtlich!

Die Kundenbeschwerden bei den Verbraucherschutzzentralen und Finanzaufsichtsbehörden über Missbrauch und Betrug auf den ninären Optionsonlineplattformen begannen massiv anzusteigen. Im Jahr 2013 verbot die Vereinigten Staaten unregulierten Plattformen die Vermarktung von binären Optionen an ihre Bürger. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC), eine unabhängige US-Regierungsbehörde, warnt auf ihrer Website Investoren vor „betrügerischen Programmen mit binären Optionen und ihren Handelsplattformen„. Identifizierte Missbrauchstatbestände inkludierten die Verweigerung von Gutschriften auf Kundenkonten, die Verweigerung der Rückerstattung von Investitionsbeträgen, Identitätsdiebstahl und Softwaremanipulation.

Im November 2014  adressiert Ariel MAROM, ein ehemaliger Mitarbeiter einer solchen unregulierten Handelsplattform, diese Missbrauchstatbestände auch in einem  Brief an die Finanz- und Ethikkommission der isralischen Knesset (lt. Bericht der Finanzzeitung Globes):

„Ich fordere die für Bankdienstleistungen zuständige Regulierungsbehörde und den Finanzausschuss der Knesset auf, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um die Welle von Plünderungen, Diebstahl, Betrug, Geldwäsche und Kriminalität auf internationaler Ebene zu stoppen, die in Israel verwaltet und betrieben wird und Tausende von Kunden auf der ganzen Welt verletzt.[1]

Erstmals wird dokumentiert, dass viele der Unternehmen, die diese unseriösen Handelsplattformen reguliert oder unreguliert betreiben, ihre Zentralen bzw. ihre CallCenter (Boiler Rooms) in Israel haben.

Israel, als Hotspot der binären Optionsplattform-betreiber

Im März 2016 dokumentierte Simona WEINGLASS in ihren Beitrag „The Wolves of Tel Aviv,”  in der Times of Israel erstmals das immense Ausmaß der der Binären Options-Industrie in Israel, wobei sie von über 100 Unternehmen mit einem Umsatzvolumen von einigen Milliarden Umsätzen und einigen Tausenden Mitarbeitern (v.a. Callcenter) ausgeht. Laut Simona WEINGLASS sind die Opfer der missbräuchlichen Tätigkeiten der israelischen Firmen vor allem in Europa zu finden. Israel war der Produzent und Exporteur dieser gigantischen Online-Betrugsmaschine.

In der Folge prangert Simone Weinglass in einer Reihe von akribisch recherchierten Artikeln vor allem die betrügerischen Aktivitäten der Plattformen aber auch die  offensichtliche Untätigkeit der isrealischen Behörden an.

Die Behörden agieren

Belgien verbietet das elektronische Marketing missbräuchlicher binärer Optionsmodelle und FOREX Geschäfte bereits im August 2016, Frankreich folgte ebenfalls mit einem Verbot im Jänner 2017. Die FCA reagierte ebenfalls im Herbst 2017 mit einem Verbot.

Erst auf den Druck der internationalen Behörden hin, agieren die israelischen Behörden mit einem globalen Verbot des Marketings von binären Optionsmodellen im Herbst 2017.

Am 24. Juli 2018 veröffentlichte die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) ihren Beschluss, indem das Verbot für Marketing, Vertrieb oder Verkauf von binären Optionen an Privatkunden um weitere drei Monate verlängert wird. Das Verbot ist seit dem 2. Juli 2018 in Kraft und wurde mit  Oktober 2018 auf weitere drei Monate verlängert.

Aber nicht nur die Aufsichtsbehörden agieren, auch immer mehr Pressemeldungen über Festnahmen, Hausdurchsuchungen und sonstige Massnahmen der Exekutivbehörden im Zusammenhang mit Betreibern von solchen Onlineplattformen werden bekannt.

Exodus für die binären Optionsmodelle, Kryptowelt  wir kommen!

Mit Beginn des Tätigwerdens der Aufsichtsbehörden 2016, wurde den Betreibern der Handelsplattformen bewusst, dass sie sich neue Geschäftsbereiche suchen müssen, wo ebenfalls viel Geld zu holen sein wird. Der Hype im Kryptobereich kam gerade zur rechten Zeit. Die vorhandene Tradingsoftware kann auch gut eingesetzt werden für den Handel von Kryptowährungen und die riesigen Kundenstöcke sind potentielle Investoren in Token Sales. Auch die Call Center für die Marketingmassnahmen (im Zusammenhang mit den ICOs) sind vorhanden und agressive Werbung und geniales SEO Marketing war schon immer ein Herzstück der betrügerischen Aktivitäten der früheren Plattformbetreiber für binären Optionen und jetztige Blockchainunternehmer.


[1] Artikel von Simone Weinglass „The Wolf of TelAviv” vom März 2016.

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