BINÄRE OPTIONEN – WARUM SIE FÜR ANLEGER SO GEFÄHRLICH SIND!

Binäre Optionen werden von BaFin verboten

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat am 29. November 2018 eine Anhörung zum geplanten Verbot der Vermarktung, des Vertriebs und des Verkaufs von binären Optionen an Kleinanleger veröffentlicht. Dieses Verbot soll mit Auslaufen der Geltung des bereits 2018 gesetzten Vertriebsverbots für derartige Geschäftsmodelle der ESMA gültig werden. Eine uE nach sehr dringende Maßnahme der BaFin, denn die SEC hat bereits 2013 den unregulierten Vertrieb von binären Optionsmodellen an Kleinanleger verboten.

Was sind Binäre Optionen?

Eine binäre Option (auch: digitale Option) ist ein Finanzderivat, das von Optionen abgeleitet ist, zu den exotischen Optionen zählt und zur Kategorie der Termingeschäfte gehört. Bei einem binären Optionsgeschäftsabschluss wird eine Wette auf den Eintritt eines bestimmten Ereignisses – steigender Kurs (Call Option) oder fallender Kurs (Put Option) – zwischen einem Investor (Trader) und einem Broker abgeschlossen.  Dazu wird die Option an einen Basiswert (Underlying) gekoppelt. Basiswerte für binäre Optionen können Währungen, Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle oder Indizes sein.

Die Kurse oder Preise der Basiswerte werden zum größten Teil durch reelle Marktbewegungen (Angebot und Nachfrage) an geregelten Märkten gebildet. Um einen Gewinn zu realisieren, muss das gewünschte Ereignis – etwa ein Anstieg des ATX auf 2.450 Punkte im Zeitraum X – eintreten. Andernfalls verfällt die Option und der Anleger verliert seinen Einsatz zur Gänze.  Ob dieses möglichen Totalverlustes werden binäre Optionen auch häufig als ein Alles oder Nichts-Glücksspiel eingestuft.

Anbieter solcher binären Optionsmodelle

Anzogen von einer Vielzahl von Privatinvestoren, die glauben in kurzer Zeit hohe Gewinne realisieren zu können, hat sich speziell in den Jahren nach der Finanzkrise 2007/2008  eine große Anzahl von agressiven Online-Brokerwebseiten für solche Angebote entwickelt.

Die vermeintlichen Vorteile einer Teilnahme an Online-Binären Optionsmodellen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Einfache Bedienbarkeit der Onlineplattformen.
  • die potentielle Gewinnspanne pro Trade liegt je nach Broker  zwischen 70% und 95%, ist also sehr hoch (im Vergleich zu den geringen möglichen Zinseinkünften in der realen Welt);
  • eine breite Handelsbasis über verschiedene Werte ist möglich;
  • der Optionshandel ist bereits mit niedrigen Summen möglich;
  • es besteht keine Nachschusspflicht;
  • Die Laufzeit solcher binären Optionsgeschäfte beträgt zwischen mehreren Sekunden bis zu mehreren Monaten.

Massiver Betrug bei diesen binären Optionswebseiten

In den letzten Jahren wurden durch zahllose Beschwerden von Investoren offensichtlich, dass die Geschäftspraktiken von vielen dieser Onlineplattformen hoch unseriös sind:

  • Verwendete Tradingsoftware ist manipuliert, wodurch hohe Gewinne am Beginn der Geschäftsbeziehung und hohe Verluste nach hohem Kapitaleinsatz vorgegaukelt wird.
  • Unter Einsatz von Direktmarketingdienstleistern – CallCenter – wird agressiv Kundenwerbung betrieben und Privatanleger werden zu massiven Investitionen verleitet.
  • Anlegergelder – ob mit oder ohne Gewinn- werden trotz Kündigung des Kontos nicht zurückgezahlt.
  • Rechtsdurchsetzung, ist meist sehr schwierig, weil meist mit undurchsichtigen Konzernstrukturen der tatsächliche Vertragspartner nicht eruierbar ist.
  • Es wird Seriösität mit unlauteren Mitteln vorgegaukelt. Gefälschte Forenbeiträge und vermeintliche Nachrichtenartikel im Design renommierter Nachrichtenportale werden zur Täuschung der Privatanleger erstellt.
  • Unerlaubte Werbeanrufe (Cold Calls) werden durchgeführt.
  • Kundendatenbanken werden verkauft
  • Von Anlegern werden zudem meist Nutzungsgebühren verlangt – unabhängig von der tatsächlichen Nutzung irgendeiner Leistung.

Die Kundenbeschwerden bei den Verbraucherschutzzentralen und Finanzaufsichtsbehörden über Missbrauch und Betrug auf den binären Optionsonlineplattformen begannen in den letzten Jahren massiv anzusteigen. Im Jahr 2013 verboten die Vereinigten Staaten unregulierten Plattformen die Vermarktung von binären Optionen an ihre Bürger. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC), eine unabhängige US-Regierungsbehörde, warnt auf ihrer Website Investoren vor „betrügerischen Programmen mit binären Optionen und ihren Handelsplattformen„. Identifizierte Missbrauchstatbestände inkludierten die Verweigerung von Gutschriften auf Kundenkonten, die Verweigerung der Rückerstattung von Investitionsbeträgen, Identitätsdiebstahl und Softwaremanipulation.

Israel als Ausgangspunkt der binären Optionsgeschäftsmodelle

Im November 2014 adressierte Ariel MAROM, ein ehemaliger Mitarbeiter einer solchen unregulierten Handelsplattform, die Missbrauchstatbestände rund um die binären Optionsgeschäftsmodelle  in einem  Brief an die Finanz- und Ethikkommission der israelischen Knesset (lt. Bericht der Finanzzeitung Globes):

„Ich fordere die für Bankdienstleistungen zuständige Regulierungsbehörde und den Finanzausschuss der Knesset auf, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um die Welle von Plünderungen, Diebstahl, Betrug, Geldwäsche und Kriminalität auf internationaler Ebene zu stoppen, die in Israel verwaltet und betrieben wird und Tausende von Kunden auf der ganzen Welt verletzt“.[1]

Erstmals wurde offensichtlich, dass viele der Unternehmen, die diese unseriösen Handelsplattformen reguliert oder unreguliert betreiben, ihre Zentralen bzw. ihre Call Center (Boiler Rooms[1]) in Israel haben.

Im März 2016 dokumentierte Simona WEINGLASS in ihren Beitrag „The Wolves of Tel Aviv,”  in der Times of Israel, erstmals das immense Ausmaß der der Binären Options-Industrie in Israel, wobei sie von über 100 Unternehmen mit einem Umsatzvolumen von einigen Milliarden Umsätzen und einigen Tausenden Mitarbeitern (v.a. Callcenter) ausgeht. Laut Simona WEINGLASS sind die Opfer der missbräuchlichen Tätigkeiten der israelischen Firmen vor allem in Europa zu finden. Israel war der Produzent und Exporteur dieser gigantischen Online-Betrugsmaschine.

In der Folge prangert Simone Weinglass in einer Reihe von akribisch recherchierten Artikeln vor allem die betrügerischen Aktivitäten der Plattformen aber auch die  offensichtliche Untätigkeit der israelischen Behörden an.

Die Behörden agieren

Belgien verbietet das elektronische Marketing missbräuchlicher binärer Optionsmodelle und FOREX Geschäfte bereits im August 2016, Frankreich folgte ebenfalls mit einem Verbot im Jänner 2017. Die FCA reagierte ebenfalls im Herbst 2017 mit einem Verbot.

Erst auf den Druck der internationalen Behörden hin, agieren die israelischen Behörden mit einem globalen Verbot des Marketings von binären Optionsmodellen im Herbst 2017.

Am 24. Juli 2018 veröffentlichte die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) ihren Beschluss, indem das Verbot für Marketing, Vertrieb oder Verkauf von binären Optionen an Privatkunden europaweit rückwirkend mit  2. Juli 2018 verboten wurde. Das Verbot ist seit dem 2. Juli 2018 in Kraft und wurde mit  Oktober 2018 auf weitere drei Monate verlängert.

Aber nicht nur die Aufsichtsbehörden agieren, auch immer mehr Pressemeldungen über Festnahmen, Hausdurchsuchungen und sonstige Maßnahmen der Exekutivbehörden im Zusammenhang mit Betreibern von solchen Onlineplattformen werden bekannt.

Exodus für die binären Optionsmodelle, Kryptowelt  wir kommen!

Mit Beginn des Tätigwerdens der Aufsichtsbehörden 2016, wurde den Betreibern der Handelsplattformen bewusst, dass sie sich neue Geschäftsbereiche suchen müssen. Die vorhandene Tradingsoftware kann auch gut eingesetzt werden für den Handel von Kryptowährungen und die riesigen Kundendatenbanken sind potentielle Investoren in Token Sales. Auch die Call Center für die Marketingmaßnahmen (im Zusammenhang mit den ICOs) sind vorhanden und agressive Werbung und geniales SEO Marketing war schon immer ein Herzstück der betrügerischen Aktivitäten der früheren Plattformbetreiber für binären Optionen und jetzigen Blockchainunternehmer.


[1] Artikel von Simone Weinglass „The Wolf of TelAviv” vom März 2016.

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