Claudia Zimmermann: Geschädigte von Online Brokern – Zehn Punkteplan

Claudia Zimmerman und ihre Bücher über die Terroristen der Finanzmärkte

Claudia Zimmermann und ihr Buch Terroristen der FinanzmärkteWir freuen uns folgenden Beitrag von Claudia Zimmermann: Geschädigte von Online Brokern – Zehn Punkteplan auf unserer Plattform veröffentlichen zu dürfen und bedanken uns herzlich.

Zur Autorin Claudia Zimmermann

Caudia Zimmermann ist selbst Geschädigte von betrügerischen Online Brokern. Sie hat ihre Erfahrung und ihren Kampf gegen diese „Terroristen der Finanzmärkte“ in Buchform zusammengefasst. Das FinTelegram-Team hat alle drei Bände gelesen und kann Investoren diese nur wärmstens empfehlen.

Die Chance der Finanzterroristen

Die Zinsen sind nach wie vor historisch niedrig und es sieht nicht danach aus, als würde sich das schnell ändern. Sie werden auch künstlich niedrig gehalten unter anderem mit Hilfe der Europäischen und anderen Zentralbanken. Der Zinsverfall als Ergebnis einer Zentralbankpolitik die, um die Folgen der Finanzkrise zu mildern die Zinsen praktisch zerstört hat. Viele Bürger machen sich zurecht Sorgen um ihr Ersparnisse. Eine schleichende Enteignung ist im Gange. Viele private Kleinanleger haben in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit ihren Banken gemacht, in Fonds angelegt die im Wert sanken statt zu steigen und das nur, weil sie falsch beraten wurden. Dennoch, Aktien und Immobilien steigen besonders im Wert. Im World Wide Web findet man hunderte sogenannte Online Brokerwebseiten. Diese bieten Aktien, Rohstoffe, Forex oder auch den sogenannten CFD Handel an und inzwischen auch ICOs –  Initial Coin Offerings, dabei kann man in neue Kryptowährungen investieren. Die Webseiten sind professionell, die meisten Online Broker in Europa registriert. Wer einen Telefontermin mit einem Mitarbeiter vereinbart bekommt einen sogenannten Finanzanalysten als Gesprächspartner – seine Ausführungen und Erklärungen klingen seriös, alle Fragen werden beantwortet und für den Kleinanleger ist in der Regel nicht erkennbar, dass es sich womöglich um ein kriminelles Unternehmen handelt. Sehr viele dieser Online Broker sogar  diejenigen die in Europa von den Finanzaufsichtsbehörden kontrolliert werden müssten und also ganz legal ihre Dienste anbieten, sind in Wirklichkeit kriminelle Unternehmen, die einzig und alleine den Totalverlust ihrer Kunden zum Ziel haben.

Was kann ich tun, wenn ich von einem solchen Broker geschädigt wurde. Hier der zehn Punkteplan:

1. Den Betrug durchschauen

Der Betrug läuft immer nach der gleichen Masche ab. Am Anfang machen die Kleinanleger Gewinne, manchmal schaffen Sie es sogar, sich kleinere Gewinne über ihr Konto auszahlen zu lassen. Das beruhigt. Man wird Sie überreden mehr zu investieren. So schnell Sie einen größeren Betrag eingezahlt haben, werden ihre Gewinne schrumpfen. Beachten Sie bitte, dass diese Firmen ganz genau wissen wer Sie sind. In dem Augenblick in dem Sie Kunde geworden sind, recherchieren die Broker wo und wie Sie wohnen, was Sie machen, teilweise auch im Gespräch. Ihre Adresse wird mit Hilfe von Google Maps und eigener Software kontrolliert und die Firmen wissen deshalb genau wie man Sie finanziell einzuschätzen hat. Ein großes Haus bedeutet, es ist womöglich viel zu holen. Sie informieren sich ähnlich wie Einbrecher. Für jeden Kunden wird ein Ziel aufgestellt. Dies ist eine ältere Witwe, sie hat ein freistehendes Einfamilienhaus in Süddeutschland. Ziel: 50.000 Euro. Das hier ist ein Lastwagenfahrer. Er hat ein Reihenhaus. Verheiratet. Ziel: 20.000 Euro. Anfangs werden Sie überredet immer größere Beträge zu investieren, man versucht ihnen  zu erklären, dass ihre Investitionen hervorragend laufen und Sie dringend mehr investieren müssen, damit Sie höhere Gewinne machen können. Oft werden die Beträge nicht einmal investiert und die Tradingergebnisse die man ihnen zeigt oder die sie auf ihrer Plattform sehen, existieren nicht einmal.  Wenn das Ziel der korrupten Online Broker in etwa erreicht ist, dann haben sie keinerlei Chance mehr ihr Geld zurück zu bekommen. Plötzlich ist ein großer oder gar Gesamtverlust da. Sie sind schockiert. Wie ist das möglich ? Wie konnte das passieren, es sah doch alles so gut aus. Ihre Hände zittern, ihr Verstand setzt aus, sie sind verzweifelt. Was ist jetzt zu tun ?

2. Keine weitere Investition

Sie nehmen Kontakt auf mit ihrem Broker, mit ihrem persönlichen Finanzanalysten. Der teilt ihnen mit, dass sich leider alles anders entwickelt hat, dass er auch nichts ändern konnte, es lag an der allgemeinen Lage an der Börse, der Krise, Trump, China, Venezuela, dem Euro etc. etc. Er versucht Sie zu beruhigen und vor allem versucht er dafür zu sorgen, dass Sie als Kleinanleger nochmal Geld nachschieben. Nur so könnten Sie ihre Investition zurückbekommen. Er wird ihnen dann auch noch einen saftigen Bonus versprechen, manchmal sogar höher als ihre investierte Summe. Tun Sie dies auf gar keinen Fall. Absolut kein Geld mehr überweisen. Nichts ! So schön seine Worte auch klingen, so verzweifelt Sie sind, so gerne Sie ihm glauben möchten, ich garantiere ihnen, dass auch dieses Geld weg sein wird. Reicht ihr Verlust nicht schon aus  ? Lassen Sie es bleiben. Lassen Sie sich nicht überreden, was auch immer ihr Finanzanalyst ihnen verspricht. Investieren Sie keinen weiteren Cent. Wenn für den Broker klar ist, dass Sie nicht darauf eingehen wird er den Kontakt unterbrechen. Weder telefonisch noch per Mail wird er für Sie erreichbar sein. Sie versuchen ihn zu drohen mit Anwälten, Behörden, Polizei. Das prallt an ihm ab, denn das erlebt er täglich hundertfach und er weiß ganz genau, wie klein ihre Chancen sind.

3. Nicht Schämen

Wie konnte gerade ihnen das passieren ? Sie sind intelligent, Sie investieren nicht das erste Mal, Sie haben sich das Unternehmen sehr genau angeschaut. Nur gute Bewertungen im Internet. Eine Registrierungsnummer. Alles korrekt und legal, ähnlich wie bei einer Bank. Ihr Finanzanalyst beim Broker hat sie gut beraten, er war sympathisch, sie haben Smalltalk mit ihm geführt. Er hat Sie um den Finger gewickelt. Im Nachhinein erkennen Sie vielleicht die Strategie. Sie schämen sich. Lassen sie das. Sie hatten keine Chance, glauben sie mir. Sie sind nicht das erste Opfer und werden nicht das letzte sein. Die Mitarbeiter der Broker sind psychologisch bis ins letzte Detail geschult. Viele Broker kommen aus Israel, sind in Europa aktiv und nutzen psychologische Tricks die weltweit von Geheimdiensten eingesetzt werden um Menschen zu beeinflussen. Teilweise arbeiten Sie mit Professoren und Psychologen zum Beispiel der namhafter Unis zusammen. Die guten Ratings im Internet gibt es nur  deshalb weil sie sich selbst bewerten in unterschiedlichen Online Magazinen, die teilweise zum System gehören. Schlechte Ratings werden mit Hilfe von Softwareprogrammen gelöscht oder ganz nach hinten verschoben. Bei vielen Bewertungen in Online Magazinen handelt es sich außerdem um bezahlte Werbung.

4. Zuhause alle Karten offen auf den Tisch legen

Erzählen Sie ihren Angehörigen was geschehen ist. Die meisten Geschädigten schämen sich so sehr, dass sie sich das kaum trauen. Manche haben nicht einmal ihrer Familie von ihrer Investition bei einem Broker erzählt. Spätestens jetzt sollten sie Zuhause alle Karten offen auf den Tisch legen, das ist wichtig, denn gemeinsam kann man klar denken und sich unterstützen. Gleichzeitig sollten andere gewarnt werden. Viele Broker versuchen sogar im Vorfeld, die Kunden von ihrer Familie zu trennen. Mit Geschichten spalten sie: „Na, das brauchen sie doch nicht ihrer Frau erzählen, wenn sie jetzt mehr investieren, sie erzählen das erst, wenn sie richtig Gewinn gemacht haben, was denken sie wie sie sich freut, wenn sie einen tollen Urlaub buchen“. Das gehört mit zum psychologischen Spiel. Ähnlich wie bei sogenannten Lover Boys, wo junge Frauen mit Geschichten nach und nach von der eigenen Familie getrennt werden, um dann in die Fänge der Zuhälter zu geraten, so arbeiten auch die Broker mit diesem Psychoterror. Sie versuchen die Kunden vollständig in ihre Macht zu bekommen. Je mehr Geheimnisse der Kunde vor seinen Angehörigen hat, desto einfacher können sie ihn beeinflussen. Jetzt hilft das alles nichts mehr. Sie müssen offen und ehrlich mit ihren Angehörigen reden, nur so durchstehen sie diese schwierige Phase und können gemeinsam handeln.

5. Anzeige bei der Bank, Kreditkartenunternehmen und Zahlungsdienstleister

Dies ist der erste wirklich aktive Schritt den Sie gehen sollten. So schnell wie möglich. Hier dürfen sie keine Zeit verlieren. Am Tag an dem Sie feststellen, dass Sie geschädigt wurden müssen sie handeln. Wie haben Sie bezahlt ? Per Banküberweisung ? Online ? Oder per Kreditkarte ? Wenn Sie per Kreditkarte bezahlt haben und keine 90 bis 120 Tage rum sind – je nach Kreditkartenunternehmen –  dann haben Sie Glück. Die Beträge die Sie per Kreditkarte bezahlt haben können Sie innerhalb von 90 bis 120 Tagen per sogenanntes Chargeback Verfahren zurückbeantragen. Das ist aber nicht so einfach wie es klingt. Die meisten Banken weigern sich dieses Verfahren anzuwenden. Sie versuchen den Geschädigten zu benachteiligen. Die Banken schreiben das Kreditkartenunternehmen an, dieses teilt mit, dass es das Chargebackverfahren nicht anwenden möchte und die Bank akzeptiert dies oft. Hier müssen sie hartnäckig bleiben und notfalls damit drohen eine Anzeige bei der Polizei gegen die Bank zu erstatten. Die Bank ist verpflichtet dieses Chargeback Verfahren wegen nicht gelieferter Dienstleistung anzuwenden.  Manchmal bietet ihnen die Bank einen Vergleich an. Gehen Sie nicht darauf ein, bestehen Sie auf Chargeback. Auch wenn Sie selbst den Auftrag erteilt haben und der Online Broker nicht selbstständig abgebucht hat, haben Sie trotzdem das Recht auf Entschädigung. Bleiben Sie hier hartnäckig. Die Banken schieben es auf die Kreditkartenfirmen und die wieder zurück auf die Banken. Begründung wäre im Falle der Broker eine nicht erhaltene Dienstleistung. Juristisch haben Sie einen Anspruch darauf.

6. Anzeige bei der Polizei

Danach gehen Sie zur örtlichen Polizei. Machen Sie einen Termin. Sammeln sie vorher sämtliche Informationen die sie haben, je mehr desto besser. Legen Sie auch hier alles offen auf den Tisch. Sie haben Namen der Mitarbeiter. Leider handelt es sich dabei meistens um Alias Personagen, das heißt die Namen die sie haben, stimmen nicht. Deswegen haben die Mitarbeiter von Brokern je nach Land immer die passenden Namen, auch wenn sie vielleicht sogar einen Akzent haben. Sie erzählen ihnen dann Geschichten, sie hätten Vorfahren aus Deutschland, lange im Ausland gelebt und so weiter. Die Namen der Mitarbeiter nutzen ihnen wenig. Recherchieren sie spätestens jetzt, wenn sie es nicht schon vorher getan haben, wer die Mutterfirma ihrer Plattform ist. Schauen Sie ins Impressum und in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (  das hätten Sie schon vorher tun müssen ) wer tatsächlich dahinter steckt. Meist sind es Holdings, die in Panama, Mauritius, Belize und anderen Offshore Inseln beheimatet sind. Eine einzige Holding betreibt meist bis zu hundert verschiedene Brokerwebseiten. Diese Info braucht die Polizei. Bleiben Sie dort hartnäckig, bestehen Sie auf eine Anzeige. Viele Polizeistationen möchten nämlich keine Anzeige aufnehmen, weil die Täter im Ausland sind. Sie sind in ihrem Land geschädigt worden und haben ein Anrecht auf eine ordentliche Anzeige.

7. Anzeige bei der Finanzmarktaufsichtsbehörde

Erstatten Sie schriftlich Anzeige bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Das geht auch Online. Erzählen Sie ihre Geschichte so detailliert wie möglich. Schicken Sie eingescannte Unterlagen oder Kopien mit. ( Nie Originale ). Versuchen Sie rational zu bleiben. Vermeiden Sie emotionale Beschimpfungen, auch wenn ihnen vielleicht danach ist. Sie erreichen nur etwas mit Ruhe und Schritt für Schritt. Auch hier gilt: lassen sie sich nicht abwimmeln. Bestehen Sie darauf, dass ihr Fall dokumentiert wird und verlangen Sie eine schriftliche Eingangsbestätigung dessen.

8. Anzeige bei ausländischen Finanzaufsichtsbehörden

Erstatten Sie schriftlich Anzeige bei der Finanzaufsichtsbehörde des Landes, wo ihr Broker registriert ist. Meistens ist das Zypern, Bulgarien, Rumänien, Malta oder Irland. Das können Sie online machen. Gehen Sie genauso vor wie bei der Polizei und BaFin. Bleiben Sie ruhig in ihrer Sprache. Bleiben sie bei den Fakten und schreiben Sie alles auf was Sie wissen. Schicken Sie eine Kopie dieser Anzeige an die ESMA European Securities and Markets Authority in Paris und auch an die BaFin.

9. Selbsthilfegruppe/ Gruppe anderer Geschädigter

Es gibt inzwischen im Internet mehrere Gruppen Geschädigter zum Beispiel bei Facebook „Online Investors Rights“ oder die ForexPeaceArmy. Manche Geschädigte eines einzigen Brokers zum Beispiel von IronFX haben sich ebenfalls zusammengeschlossen. Hier kann man kostenlos und unverbindlich Mitglied werden und sich untereinander austauschen. Das hilft sehr, nicht nur psychologisch oder um Dampf abzulassen, sondern auch bei den praktischen Dingen die jetzt erledigt werden müssen. Gemeinsam kann man womöglich politisch etwas erreichen, zum Beispiel bei EU Behörden.

10. Juristische Hilfe

Dies ist womöglich der schwierigste Punkt. Im Internet gibt es hunderte Firmen, die Ihnen Hilfe anbieten falls Sie von einem Broker geschädigt wurden. Vertrauen Sie diesen Firmen nicht. Bei den meisten handelt es sich um Firmen die keine Leistung erbringen, manche arbeiten sogar mit den Brokern zusammen und nehmen ihnen ihr letztes Geld. Auch viele Rechtsanwälte versprechen Ihnen schnelle Hilfe und versprechen das Geld zurückzuholen oft gegen horrende Honorare oder Vorauszahlungen. Es ist sehr schwierig hier einen guten Rat zu geben. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die meisten es nicht schaffen Geld zurückzuholen. Es gibt einige sehr wenige Rechtsanwälte die das ehrlich kommunizieren. Sie brauchen jedenfalls einen Anwalt der auf korrupte Broker/ Finanzkorruption spezialisiert ist und nicht einen allgemeinen Rechtsanwalt. Vertrauen Sie nicht darauf, dass die Anwälte mit den besten Ratings im Internet auch tatsächlich die besten sind. Das Internet ist geduldig. Informieren Sie sich bei anderen Geschädigten.

 

Es hört nicht auf

Täglich werden weltweit zehntausende Opfer übers Ohr gehauen. Justiz und Finanzaufsichtsbehörden sind offensichtlich überfordert: ein ideales Umfeld für kriminelle Broker. Der Schutz der privaten Investoren in Europa ist niedrig. Viele Geschädigte kämpfen seit Jahren vergeblich darum, ihre Investitionen zurückzubekommen. Doch der Druck wächst von allen Seiten. Immer mehr Geschädigte schließen sich zusammen. Ich habe 2016 mit den Recherchen zu meinen Büchern Terroristen der Finanzmärkte angefangen und bin sehr schnell in einen Sumpf der Finanzkriminalität hinein geraten. Inzwischen gibt es drei Teile „Terroristen der Finanzmärkte“ und ein eigens Buch zu Kryptowährungen: „ICOs, Kryptowährungen und Blockchain: Geldwäsche war noch nie so einfach“. Vielleicht können die Erfahrungen und Recherchen in diesen Büchern Ihnen helfen, falls Sie geschädigt worden sind. Die Broker sind vor allem in Europa aktiver als je zuvor und wenn eine Firma geschlossen wurde, werden viele neue eröffnet. Europa das Paradies für korrupte Broker und Geldwäsche. Doch je mehr Menschen Bescheid wissen, desto schwerer wird das kriminelle Geschäft mit ahnungslosen Kleinanlegern.

Mehr zur Autorin: Claudia Zimmermann betreibt einen Youtube Kanal „Gamesoftruth“ wo sie regelmässig über korrupte Online Broker und ICOs berichtet.

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