COINTED INSOLVENZ, VERMÖGENSVERBRINGUNG UND DAS NACHLEBEN

Cryptocrime case Cointed and its vast network of companies

FinTelegram Leser wissen, dass wir die Entwicklung des österreichischen Krypto-Startups COINTED rund um Christopher RIEDER, Wolfgang THALER, Charli AHO und Daniil ORLOV von Beginn weg verfolgt haben. Wir haben vielfach die Widersprüche und offensichtlich falschen Informationen an die Kunden und Investoren aufgezeigt und vor Cointed gewarnt. Die Nähe der handelnden Personen wie auch des Unternehmens selbst zum Krypto-Scam OPTIOMENT hätte ohnehin die Alarmglocken läuten lassen müssen. Nach dem nun endlich erfolgten Insolvenzantrag durch das Management selbst bleiben einige Fragen offen:

  • was ist mit den Krypto-ATM’s passiert?
  • wie sind die Mining-Server?
  • wo ist das Geld?
  • was machen die Behörden?

Nach den uns vorliegenden Unterlagen sind zumindest EUR 14 Millionen an Investorengeldern über die verschiedensten „Vertriebskanäle“ an die COINTED geflossen. Der größte Teil sicherlich in das Krypto-Mining aber auch in das Initial Coin Offering (ICO), das Krypto-ATM-Geschäft und die Wechselstube. Über einen der Gründungsinvestoren des Geschäftsbereiches Krypto-Mining haben wir detaillierten Einblick in die Abläufe erhalten und können unsere Schlussfolgerungen auf Grundlage dieser Fakten ziehen.

Insolvenzantrag eingebracht

Ende September 2018 ist bekanntgeworden, dass COINTED in Innsbruck einen Insolvenzantrag eingebracht hat, der aber mangels Kostenerlag bis zum 30. September 2018 nicht erledigt war. Offenbar fehlen dem Unternehmen selbst diese paar tausend Euro, um die Insolvenz des Unternehmens mit Unterstützung eines Insolvenzverwalters ordentlich abwickeln und aufarbeiten zu können. Oder es fehlt schlicht am Willen, diese ordentliche Aufarbeitung im Zuge einer Insolvenz durchzuführen. Für letzteres sprechen einige Vorkommnisse die zuletzt bekannt geworden sind.

Vermögensverbringung Teil 1: Krypto-ATM‘s

In den Wochen und Monaten vor der Einbringung des Insolvenzantrages hat COINTED eine Reihe hinterfragenswerter Transaktionen durchgeführt hat. So wurden insgesamt 85 seiner Krypto-ATM’s an die österreichische AVATAR Technology GmbH zum kolportierten Kaufpreis von EUR 285.000 verkauft. Die Zahlung des Geldes erfolgte auf das Firmenkonto von COINTED bei der Unicredit in der Tschechei und hätte damit den Gläubigern des Unternehmens zur Verfügung stehen sollen.

AVATAR Technology kauft Krypto-ATM's der COINTED
AVATAR Technology kauft Krypto-ATM’s der COINTED

Der CEO Wolfgang THALER hat in seinem Abschiedsvideo im Juni 2018 angekündigt, die Wechselstube verkaufen und mit dem Erlös ebenfalls Gläubiger befriedigen zu wollen. Offenbar ist das nicht passiert – oder vielleicht doch? Gerüchte gibt es jede Menge diesbezüglich!

Jedenfalls ist aus den obigen 250.000 bzw. auch aus allfälligen Erlösen aus dem Verkauf der Wechselstube (?) an jene Kunden, die sich bei uns gemeldet haben weil sie ihr Geld nicht zurückerhalten haben, von diesem Geld nichts geflossen. Ganz im Gegenteil, es melden sich immer mehr frustrierte Kunden bzw. Investoren.

Interessant in diesem Zusammenhang ist ebenfalls die Verbindung der AVATAR-Gruppe zur 21Coinworld, einem anderen österreichischem Krypto-MLM, das sich auf Krypto-Mining spezialisiert hat. Die Verbindung lässt sich über den MLM-Strukturvertriebler Albert HINTERDORFER herstellen, der sowohl CEO der Schweizer AVATAR Bitbyte AG als auch jener der 21Coinworld ist (hier unser Bericht zu 21Coinworld).

Die Verbindungen und Zusammenhänge in diesem österreichischen Krypto-Netzwerk sind dicht und weitgehend intransparent für Behörden und Investoren. Tatsache ist aber, dass man immer wieder auf nur rund ein dutzend Personen stößt, die hinter diesen Systemen stehen und mit den Geldern von Investoren jonglieren. Die COINTED-Leute waren bis zu ihrem Verschwinden ein integrierter Bestandteil dieses Netzwerkes.

Vermögensverbringung Teil 2: Krypto-Mining-Server

Die Vermögensverbringung hat nicht bei den Krypto-ATM’s halt gemacht. Auch erhebliche Teile der Krypto-Mining-Server sind dem Vermögen der COINTED absichtlich entzogen worden. Tatsache ist ebenso, dass Charli AHO in den Wochen und Monaten vor der Insolvenz nachweislich versucht hat, die Krypto-Mining-Server anderweitig zu parken. Über die Details lassen sich derzeit angesichts der komplexen Firmenstruktur nur Vermutungen anstellen:

Über den Tipp eines ehemaligen Partners von COINTED haben wir erfahren, dass Charli AHO und Christopher RIEDER seit Herbst 2017 das in Hong Kong sitzende Krypto-Mining-Unternehmen QUANTUMBIT LTD betreiben (registriert im September 2017). Auf der Seite der österreichischen Vertriebsstruktur-Organisation Krypto GmbH kann man dazu einen netten Bericht lesen. Dieser ist voll des Lobes für die tüchtigen Krypto-Unternehmer Charli AHO und Christopher RIEDER. Demgemäß stehen RIEDER und AHO mit ihrer QUANTUMBIT LTD hinter dem „seriösen“ Krypto-Mining-Projekt MINETED (Anmerkung: das Appendix „TED“ und die damit verbundene Namensähnlichkeit mit COINTED war wohl Absicht und auch der Slogan „The Future of Money“ ist gleich geblieben).

Der wohlmeinende Ton der Besprechung ist wohl auch dem Umstand geschuldet, dass die DOPPLER-Brüder an dem MLM-System beteiligt sind. Laut Domain-Information wurde www.minted.com im Oktober 2017 von Karl DOPPLER registriert bzw. ist dieser als Administrator eingetragen. Übernommen wurde die Domain dann von einer Gold Digger Capital Ltd in Hong Kong.

Das Netzwerk von Christopher RIEDER und Charli AHO
Das Netzwerk von Christopher RIEDER und Charli AHO

MINTED ist als Krypto-MLM konzipiert. Man benötigt zunächst einmal einen Sponsor für einen Referral-Link bevor man loslegt. Diesmal wollte man offenbar nicht nur beim Mining verdienen (falls das überhaupt möglich ist), sondern auch gleich über ein MLM-System so richtig abzocken. Ähnlichkeiten mit NEXUS GLOBAL sind nicht ausgeschlossen. Die Meetings mit dem NEXUS GLOBAL Mitgründer Christian Michel SCHEIBENER und den COINTED-Leuten in Wien Anfang des Jahres waren offenbar fruchtbringend.

  1. Besonders erfolgreich dürfte das MINETED-System allerdings nicht sein, nimmt man die 9 Likes auf Facebook oder das Webranking heranzieht. Gestartet ist das Ding im Dezember 2017 und es wird offenbar über die DOPPLER-Brüder der Krypto GmbH vermarket, die auch schon in Verbindung mit ArbiTraCoin und anderen Scams auffällig wurden. Es gibt auch eine Webinar-Aufzeichnung vom 22. März 2018 in der Karl DOPPLER die Zusammenhänge und die Genialität dieses neuen MLM-Schemes näher beschreibt.
Quantumbit Ltd
Quantumbit Ltd

Über MINETED und die Hintergründe bringen wir in Kürze einen umfassenden Bericht. Heute wollen wir einmal das große Bild in Verbindung mit der Pleite von COINTED malen.

Irreführung durch White Paper und Transparenzbericht

Es ist nicht unbedeutend, sich im Gesamtzusammenhang der Konstruktionen von RIEDER und AHO die Zeitachse näher zu betrachten. Wie bereits erwähnt, wurde das Projekt MINETED bereits im Herbst 2017 gestartet und damit beinahe zeitglich zum ICO der COINTED. Weder findet sich ein entsprechender Hinweis im White Paper der COINTED noch im Transparenzbericht der von der 21 Group erstellt wurde. Das mag auch damit zusammenhängen, dass die 21 Group sowohl ein Naheverhältnis zur COINTED als auch zur AVATAR-Gruppe hatte bzw. hat. Es ist seitens der Behörden im Sinne der Investoren und der Kunden beider Unternehmensgruppen jedenfalls zu prüfen, welche Rolle die 21 Group bei den Kapitalbeschaffungs-maßnahmen der beiden Firmengruppen hatte.

Wo sind Geld und Vermögen?

Halten wir also fest: einerseits hat COINTED die Krypto-ATM’s verkauft und dabei EUR 285.000 einkassiert und andererseits betreiben Charli AHO und Christopher RIEDER offenbar weiterhin Krypto-Mining betrieben mit Geräten, die nach den uns vorliegenden Unterlagen zumindest teilweise der COINTED und somit der Masse des Unternehmens zuzurechnen ist. Gemeinhin bezeichnet man diese Aktiva eines Unternehmens als den Haftungsstock, auf den die Gläubiger im Fall einer Insolvenz zugreifen können.

Die Entziehung dieses Haftungsstockes erfüllt üblicherweise zumindest den strafrechtlichen Tatbestand der Untreue und beeinträchtigt die Gläubigerinteressen. Auf Grund der komplexen Struktur rund um die COINTED-Betreiber RIEDER, THALER, AHO und ORLOV muss man davon ausgehen, dass es eine umfassende Untersuchung benötigt, um festzustellen wohin das Geld und das Vermögen der COINTED tatsächlich verbracht wurden.

Wie sollte es weitergehen?

Mineted sponsert Event in der Türkei
Mineted sponsert Event in der Türkei

Nach den letzten Berichten halten sich Christopher RIEDER wie auch Wolfgang THALER in der Türkei auf – mit der kein Auslieferungsabkommen besteht. Christopher RIEDER hat zwei Termine bei der Staatsanwaltschaft platzen lassen. Auch das Projekt MINETED hat einen entsprechend starken türkischen Bezug. Zum einen ist die Webseite auch in Türkisch verfügbar und zum anderen finden sich im Web entsprechend offensichtliche Verbindungen von MINETED und der Türkei wie beispielsweise das Sponsering des Blockchain Day in Marmara.

Aus unserer Sicht wäre die Eröffnung einer Insolvenz im besten wirtschaftlichen Interesse der Gläubiger der COINTED. Insofern haben wir über eine Wiener Rechtsanwaltskanzlei eine derartige Vorgangsweise angeregt und unsere Unterstützung angeboten für den Fall, dass das Gericht in Innsbruck mangels Masse die Insolvenz nicht eröffnen kann. Wir sammeln die Gläubigerforderungen und leiten diese entsprechend weiter. Geschädigte Investoren und Gläubiger können sich bei uns melden und erhalten die erforderlichen Daten für die Einmeldung ihrer Forderung.

Jedenfalls sollte die österreichische Staatsanwaltschaft nach den bereits durchgeführten Hausdurchsuchungen bei COINTED und dem nunmehr zu Tage tretenden Fakten die Ermittlungen im Interesse der Investoren und Kunden und des österreichischen Kapitalmarktes beschleunigen. Unter Einbeziehung von OPTIOMENT und den anderen Unternehmen rund um die Betreiber von COINTED kommt man auf eine potenzielle Schadensumme von weit über USD 115 Millionen und das sollte eine international koordinierte Vorgangsweise der Ermittlungsbehörden jedenfalls rechtfertigen.

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