COINTED: WO SIND DIE 11,5 MILLIONEN EURO TEUREN KRYPTOMINING-SERVER?

Cointed Shareholders and their investment schemes

Das österreichisches Unternehmen COINTED hat neben Bitcoin-Automaten und einer Wechselbörse für Kryptowährungen auch Kryptomining betrieben. Über diverse Unternehmen rund um Cointed wurde für 11,5 Millionen Euro Mining-Equipment angeschafft und (angeblich?) hauptsächlich in Schweden betrieben. Im Zuge des Cointed / Optioment-Skandals sind nicht nur die Cointed-Gründer verschwunden, sondern auch das Mining Equipment und die Gewinne aus dem Mining. Fintelegram begibt sich auf Spurensuche.

Der Cointed / Optioment-Skandal im Schnelldurchlauf

  • Im Oktober 2017 wurden im Zuge des Cointed ICOs erste Betrugsvorwürfe laut
  • Der ICO wurde im Februar 2018 mit nur 4 statt 100 Millionen Dollar abgeschlossen
  • Bereits im Dezember 2017 stoppte das Krypto-MLM Unternehmen Optioment die Auszahlungen an seine Kunden/Investoren
  • Cointed Gründer Christopher Rieder tauchte unter, nachdem er von Optioment-Anlegern beschuldigt wurde, eine führende Rolle gespielt zu haben
  • Fintelegram deckte Unregelmäßigkeiten in der Cointed Firmentstruktur sowie das Verschwinden von Cointed Assets auf
  • Tausende Investoren bei Cointed / Optioment verloren ihre Einlage, ein Insolvenzantrag wurde eingebracht

Die gesamte Cointed / Optioment Recherche finden Sie hier.


Die Fintelegram Spur beginnt im Frühjahr 2016, als der Techniker CHARLI AHO und der Investor ALFRED DOBIAS die Crypto Unity OG gründeten und – bis heute – je 50 Prozent daran besitzen. Ihr Geschäftsmodell im Umfeld ständig steigender Krypto-Kurse ist einfach und bestechend: Mining-Server sollten an Investoren verkauft und damit die fixen Initialkosten (ca. 3.000 Euro pro Gerät) auf diese überwälzt werden. Die verkauften Server werden von Crypto Unity OG betrieben. Die laufenden Kosten werden von den laufenden Mining-Erträge gedeckt. Das Investitionsrisiko tragen die Investoren, die Upside hat die Crypto Unity OG:

Crypto Unity OG möchte Miningserver in Container verpacken und bei Kraftwerken mit erneuerbaren Energien aufstellen. Diese Kraftwerke haben zu gewissen Zeiten Überkapazitäten, die sie günstig verkaufen können. So wollte das Unternehmen den größten Kostenpunkt – die Stromkosten – niedriger halten, als die europäische Konkurrenz. Das einzige was noch fehlte, waren Investoren.

Wachsende Werte bei Crypto Unity

Wie Fintelegram den Buchhaltungs-Unterlagen von Crypto Unity entnehmen konnte, besorgte das Linzer Unternehmen Wachsende Werte jede Menge Investoren für die Crypto Unity OG.


Lesen Sie hier die Recherchen zu Wachsende Werte – eine eigene Geschichte


Der Deal schien zumindest für die Betreiber bestechend: Für einige tausend Euro kauft ein Investor bei Wachsende Werte einen Miningserver. Da die Investoren diese Server ob des zu hohen Strompreises und mangelnder Expertise nicht selbst gewinnbringend betreiben können, übernimmt Crypto Unity die Server und betreibt sie im Auftrag. Dafür erhält das Unternehmen 40% der Einkünfte, 60% gehen an die Investoren die das volle Investitionsrisiko tragen. Wachsende Werte verkauft die Miningpakete, Crypto Unity betreibt sie.

Auch der Cointed-Gründer CHRISTOPHER RIEDER vermittelte angeblich immer wieder Kunden an die Crypto Unity OG. Über diese Vermittlung lernten sich Rieder und Charli Aho kennen.

Krypto-Mining ist ein Geschäft mit großen Beträgen. Die Journalistin BARBARA DURAS vom Medium DER BRUTKASTEN bestätigte nach Einsicht in Cointeds Geschäftsunterlagen den im Zuge des ICOs veröffentlichten Transparenzbericht (im mittlerweile gelöschten Artikel Die ganze Wahrheit über Cointed„). Angeblich hätte auch DELOITTE diesen Bericht bzw. die Ziffern dahinter bestätigt. Demnach hat Crypto Unity und/oder deren Gesellschafter im Dezember 2017 für 11,5 Millionen Euro Mining Equipment an Investoren verkauft und betrieben. Das waren einige tausend Server.

Meines, deines, unseres

Im Frühjahr 2017 begann die Geschichte unübersichtlich zu werden. Plötzlich wechselte der Crypto Unity-Gesellschafter und CEO Charlie Aho als CTO zu Cointed und leitete dort das „Green Mining“. Verstärkt mit diesem Mining-Geschäftsbereich startete Cointed im Oktober 2017 ein Initial Coin Offering (ICO) und wollte USD 100 Millionen von weltweiten Investoren. In ihrem Whitepaper behauptete das Unternehmen, dass Crypto Unity OG mit Cointed fusioniert sei, damit eine Tochterfirma und der Mining-Geschäftsbereich somit von Cointed betrieben wurde. Da Aho und sein Geschäftspartner Daniil Orlov (stiller Teilhaber bei Crypto Unity OG) bei Cointed mit 50 Prozent beteiligt waren, kann man daraus schließen, dass der Mining-Geschäftsbereich der Crypto Unity OG als Gegenleistung eingebracht wurde oder hätte werden sollen. Zu dumm nur, dass der zweite Crypto Unity Anteilseigner davon nichts wusste und es auch keine entsprechenden Verträge gab. Aber macht ja alles gar nichts, weil lt. endgültigem White Paper ja das Mining in der Swiss Crypto Group AG betrieben wurde, zumindest im 2. Halbjahr 2017. Oder auch nicht?

Die Cointed schloss dann gegen Ende des 2. Quartals 2017 mit der Mining-Farm des schwedischen Unternehmens BLOCKBASE  (geführt von Österreichern) eine Hosting-Vereinbarung für den von der Crypto Unity übernommenen Mining-Geschäftsbereich ab. Die Geschäftsbeziehung war nur von kurzer Dauer und wurde im Oktober 2017 wieder beendet. Danach ist Cointed in ein anderes schwedisches Rechenzentrum umgesiedelt und hatte die Mining-Kapazitäten nochmals kräftig aufgestockt. Das bestätigte der Geschäftsführer von Blockbase auf Anfrage von FinTelegram. Er bestätigte ebenfalls, dass die Hosting-Verträge mit Cointed abgeschlossen wurden und Charli AHO der verantwortliche Cointed-Manager war.

Im Sinne der Gläubiger und Investoren des Unternehmens sollte festgehalten werden, dass mehrere tausend Miningserver jeden Tag neues Kryptogeld produzierten und dies wahrscheinlich noch immer irgendwo tun. Im Krypto-Hype des Jahres 2017 war das viel Geld. Cointed behauptete im Transparenzbericht, im Rumpfjahr 2017 rund 3 Millionen Euro für die Investoren erwirtschaften zu haben. Damit hätte in diesem Rumpfjahr 2017 auch die Cointed und/oder Crypto Unity rund EUR 1,2 Millionen an Einnahmen verbucht. Beeindruckend für ein Startup, oder? Hochgerechnet auf ein volles Geschäftsjahr würden bei diesem Installationswert Einnahmen von zumindest rund 4,6 Millionen p.a. zu verbuchen sein. Dies deckt sich ungefähr mit der Fintelegram Kalkulation: wenn es sich um Ether-Miner handelt, kann jedes Gerät ca. 4 Ether pro Jahr erwirtschaften. Bei einem Durchschnittspreis von 400 Euro pro Ether und 3.000 Geräten käme man auf 5,6 Millionen Euro.

Verschwundene Millionen

Es ist also belegt, dass es diese Mining-Kapazitäten tatsächlich gab. Nun sind sie offenbar verschwunden. Zumindest sind diese Kapazitäten laut Aho nicht in der Cointed und laut Buchhaltungsunterlagen auch nicht in der Crypto Unity OG.

Bei einer Bucheinsicht des Crypto Unity-Gesellschafters in den Räumlichkeiten von Unitys Steuerberatungskanzlei wurde festgestellt, dass weder 2016 noch bis Mitte 2017 in der Buchhaltung Einnahmen aus dem Krypto-Mining verbucht waren. Der zuständige Steuerberater reagierte ungehalten auf die entsprechende Nachfrage und meinte, „er wisse nichts von irgendwelchen Ether-Wallets noch von irgendwelchen Hostingverträgen„.

Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass die Einnahmen selbst verschwunden sind. Denn auch Cointed dürfte keinen Zugriff darauf haben. Einerseits fordert CEO Wolfgang Thaler in einem Videointerview seinen Mitgesellschafter Daniil Orlov letztmalig auf ihm die Unterlagen zum Mining-Geschäftsbereich zu übergeben und andererseits scheint Cointed pleite zu sein. Laut Auskunft eines involvierten Rechtsanwaltes wurde bereits ein Insolvenzantrag gestellt.

Wo ist das Geld? Wo ist das Equipment und wer betreibt es weiter? Diese Fragen würde Fintelegram gern Cointed CTO Charli Aho stellen. Dieser hatte zuerst damit geworben (im Zuge des ICO), das Crypto Unity Geschäft in Cointed eingebracht zu haben. Mittlerweile bestreitet er, dass Crypto Unity jemals in Cointed aufgegangen sei. Wo ist das Geld, Charli?

Hintermänner in Hongkong

Die Suche nach den Geldern und Assets erinnert ein wenig an den Film Rat Race mit John Cleese. Alle suchen den versteckten Schatz. Sicher ist, dass Geld der Investoren und Kunden da sein müsste, nur wo es ist und wie es von wem verwendet wurde, das bleibt das Ziel einer globalen Rätselrallye.

Cointed hat seit Mitte 2017 seine Geschäftstätigkeiten in ein international verschachteltes und für Außenstehende schwer durchschaubares Netzwerk eingebracht. Als Holding fungiert die Cointed Ltd in Hong Kong. Nach Hong Kong und China führen auch einige Spuren rund um die handelnden Personen des Cointed-Netzwerkes. Zuletzt hat der Cointed-Geschäftsführer Wolfgang Thaler eine Video-Botschaft aus China gesandt, wo er sich mit Partnern zwecks Erstellung eines Rettungsankers treffen wollte.

Desweiteren fanden sich in der Buchhaltung der Crypto Unity OG Belege für äußerst interessante Geschäftsverbindungen nach Hongkong. Laut Buchhaltung und Bankaufzeichnungen verkaufte die Crypto Unity OG zwei „Mining Software Lizenzen“ im Ausmaß von insgesamt EUR 190.000 an Firmen in Hong Kong und erhielt die entsprechenden Zahlungen.

Dieser Spur nach Hong Kong auf der Suche nach den Krypto-Mining-Geschäft der Crypto Unity OG bzw. der Cointed Ltd sind wir gemeinsam mit Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten nachgegangen – und fündig geworden.

Wir hoffen im Interesse der Cointed- und Crypto Unity OG-Gläubiger, dass Charlie Aho die Ermittlungsbehörden über diese Geschäftsverbindungen informiert. Angeblich will Aho die Wirtschaftspolizei mit Unterlagen und Recherchen betreffend die Involvierung des Cointed-Gründers Wolfgang Rieder im Zusammenhang mit dem Optioment-Betrug unterstützen.

Darüber, wie auch über die damit in Zusammenhang stehenden insolvenzrechtlichen Aspekte der Cointed berichten wir in Kürze. In der Zwischenzeit ersuchen wir Krypto-Mining-Investoren der Cointed, sich bei uns zu melden, um im Interesse der Aufklärung mehr Details zu erhalten. Meldungen mit oder ohne Identitätsangaben bitte hier über unser Whistleblower-System.

 

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