DAS „FUNDS RECOVERY“-PROBLEM DER ANLEGER MIT INTERNET-BETRUG UND SCAMS

The SafeMarkets global scam scheme

Wir bekommen häufig Anfragen von betrogenen Anlegern mit der Bitte um Unterstützung. Das betrifft Binäre Optionen und FOREX-Anbieter ebenso wie Krypto-Betrugsfälle. Das Problem mit den Online Scams ist aber leider etwas komplexer als in der Offline-Welt. Anleger, die sich von einer Online-Plattform wie SafeMarkets, Option888 oder LottoPalace betrogen fühlen, erstatten häufig bei den lokalen Polizeibehörden Anzeigen. In den meisten Fällen können sie den Behörden aber lediglich ihre persönlichen Daten und die Daten in ihrem Account auf der betreffenden Plattform übergeben. Sie können der Polizei auch noch die Domain mitteilen und – in manchen Fällen – die Bankverbindung des Anbieters an welche sie das Geld überwiesen haben. Im Falle von Krypto-Scams gibt es oft nur eine pseudonyme Wallet-Adresse.

In kurzen Worten – es ist schwierig bis unmöglich, sein Geld von Scams und Betrugs-Netzwerken zurückzubekommen. Wir erklären die Hintergründe.


Hilflose Behörden

Die Polizei nimmt die Anzeige entgegen ist aber in 9 von 10 Fällen hilflos, weil zwar der Geschädigte in ihren Zuständigkeitsbereich fällt, nicht aber der Schädiger (der Scam-Betreiber). Falls dieser identifizierbar ist, sitzt er regelmäßig irgendwo Offshore hinter vielfach verschachtelten Beteiligungen und Treuhandschaften und ist nicht greifbar für Behörden. Selbst im günstigen Fall, dass der Schädiger (der wirtschaftliche Eigentümer oder tatsächliche Täter) sich in einem EU-Land wie Bulgarien aufhält und dort seine Büros betreibt, ist es schwierig, juristisch an ihn heranzukommen. Länderübergreifende Polizei- und Behördenaktionen sind für die zuständigen europäischen Ermittlungsbehörden mit vielen Hürden versehen und erfordern monatelange Vorbereitung. Dazu braucht es personelle Ressourcen, Budget und Genehmigungen. Sitzt der Schädiger noch dazu in einem Land, mit welchem es keine Auslieferungsabkommen gibt (z.B. in der Türkei), dann winken die Behörden im Regelfall ab.

Angesichts der vielen Hürden und der geringen Erfolgsaussicht weigern sich viele Behörden, entsprechende Ermittlungsverfahren durchzuführen. Die Anzeigen bleiben liegen. Das mag für den Anleger unverständlich sein, ist aber die gelebte Praxis.

Solange der Schädiger in seinem Ansässigkeits/Wohnsitzland  keine Anleger prellt, haben die zuständigen Behörden zunächst nichts gegen ihn in der Hand. Hat der Schädiger darüber hinaus noch offshore-Firmen in anderen Jurisdiktionen in seinen Scam involviert, dann ist es so gut wie unmöglich für die Behörden im Land des Schädigers gegen diesen vorzugehen. Selbst ambitionierte Rechtsanwälte von Geschädigten tun sich da sehr schwer.

Behörden können nur in der eigenen Jurisdiktion handeln. Länderübergreifende Aktionen erfordern komplizierte Behördenwege und Abstimmungen und werden meist nicht durchgeführt. Solange der Anbieter in seinem Land keine Anleger schädigt, ist er relativ sicher vor dem Zugriff aus anderen Jurisdiktionen. Hinzu kommt, dass das Geld der Anleger meist bereits gewaschen und verteilt wurde und für Behörden nicht mehr auffindbar ist. Dieses „Verschwindenlassen des Geldes“ ist im Bereich der Kryptowährungen noch einfacher. Die Nachverfolgbarkeit von Transaktionen in den klassischen Finanzsystemen resultiert manchmal in der Rettung von Kundengeldern (Einfrieren von Konten). Im Bereich der Nachverfolgung von Transaktionen auf den Blockchains (Bitcoin, Ethereum, NEO,…) stehen die Ermittlungsbehörden weltweit erst am Anfang (wobei die USA auch hier wieder einen massiven Informationsvorsprung hat).

Wir haben daher im Cyber- und CryptoCrimebereich im wesentlichen folgende Hürden:

  • Nicht greifbare und/oder identifizierbare Anbieter (natürliche oder juristische Personen)
  • Komplizierte rechtliche Konstruktionen des Scams die meist über mehrere Länder und Jurisdiktionen geführt werden
  • Keine eindeutigen juristischen Zuständigkeiten.
  • Geld wird gewaschen und verschwindet in undurchsichtigen Kanälen.

Komplexe Systeme hinter den Scams

Im Regelfall haben die Betreiber von nicht registrierten / unlizenzierten / illegalen Handelsplattformen im Bereich der Binären Optionen beispielsweise folgende Struktur:

  • Domain: anonymer Inhaber der Domain (Firma 1)sind regelmäßig Offshore-Gesellschaften. Meist werden unterschiedliche Top Level Domains (TLD) verwendet mit .com .net .biz etc.
  • Webseite: die Webseite wird typischerweise von leeren Mantelgesellschaften von Strohmännern betrieben wobei die Mantelgesellschaft oft wieder anderen Mantelgesellschaften in anderen Offshore-Lokationen gehört. Die wirtschaftlichen Eigentümer verstecken sich hinter Treuhandverträgen und sind nur schwer festzustellen. In vielen Fällen nutzen die Betreiber der Webseite die Domain von Firma 1 lediglich über Nutzungsverträge.
  • Payment Service Provider: die Bezahlprozesse werden über verschiedenste Bankverbindungen von Offshore Firmen abgewickelt, die von dem Betreiber der Webseite verschieden sind. Dafür bedient man sich eigener Payment Services Providers (PSP) wieDreamsPay, NetPay oder Payific.
  • Call Center (Boiler Rooms): die „Kundenbetreuer“ im Call Center sind wieder Mitarbeiter einer anderen Firma, die vom Betreiber der Webseite und vom Zahlungsdienstleister verschieden sind. Die provisionsabhängigen „Kundenbetreuer“ (besserer Begriff wäre Kapital-Keiler) nutzen dabei falsche Namen und Firmendaten.

Im Grund verteilt sich der Betrug am Anleger damit auf mehrere Firmen in mehreren Ländern (Jurisdiktionen). Hinzu kommt, dass die rechtliche Einheiten oft nur wenige Monate existieren, verkauft werden oder einfacht stillgelegt werden. Beliebt dafür sind billig und rasch zu gründende Limiteds (Ltd) oder Limited Partnerships (LP) in UK und Bulgarien.

Die Strukturen der diversen Betrugssysteme lassen sich nur durch intensive Recherchen und einer Portion Glück feststellen. Ohne  Insider-Informationen ist die Aufdeckung von derartigen Systemen so gut wie unmöglich. Juristisch den wirtschaftlichen Eigentümer zu belangen, ist für den durchschnittlichen  Anleger und seine Rechtsvertreter im Regelfall nicht möglich.

Hier ein paar konkrete Beispiele

Brand Netzwerke dahinter
SafeMarkets
  • Domains: www.safemarkets.biz offshore registriert in Marshall Islands
  • Webseite: Betrieb durch Optiumcommerce OU in Estland, Hosting in Bulgarien
  • Payments: DreamsPay s.r.o.
  • Call Center: E&G Bulgaria mit Call Center in Bulgarien, Serbien, Ukraine und Montenegro
  • Wirtschaftliche Eigentümer: Gal BARAK (Israel/Bulgarien) und Marina ANDREEVA (Bulgaria)
Option888
  • Domains: www.option888.com, Altair Entertainment in Curacao
  • Webseite: Celestial Trading Ltd (UK), Capital Force Ltd (Samoa), Altair Entertainment N.V. (Curacao)
  • Payments: Celtic Pay (UK), Hithcliff Ltd (UK)
  • Call Center: in Serbien und Montenegro
  • Wirtschaftliche Eigentümer: Uwe Lenhoff (Deutschland/Zypern) und Veltyco Group PLC (UK)
LottoPalace
  • Domains: www.lottopalace.com, Softlotto Ltd (Malta)
  • Webseite: Altair Entertainmaint N.V. (Curacao)
  • Payments: Payific Ltd (Malta)
  • Call Center: Serbien und Montenegro
  • Wirtschaftliche Eigentümer: Uwe LENHOFF (Russland) und VELTYCO GROUP PLC (UK)

Systematische Medienmanipulation

Viele potentielle Investoren oder Kunden solcher Systeme erkundigen sich im Internet über Google nach der Qualität und Güter der diversen Anbieter. Dabei finden sie Seiten, die sich auf die Beurteilung der Anbieter spezialisiert haben und oft ausführliche Reviews bzw. Bewertungen der Anbieter zur Verfügung stellen. Das Problem dabei ist, dass viele dieser Review-Webesiten von den Anbietern der Betrugssysteme betrieben werden und gezielt Falschinformationen zur Verfügung stellen. Diese Anbieter sind Experten im Bereich Search Engine Optimization (SEO) und sorgen dafür, dass ihre Review-Webseiten in der Google-Suche weit oben gelistet werden. Insofern ist Vorsicht geboten.

Ab und zu findet man auf diesen Review-Seiten negative Bewertungen und kritische Aussagen zu einzelnen Anbietern. Das verführt Anleger zu glauben, dass das eine qualitativ hochwertige Review-Seite ist und damit Glaubwürdigkeit hat. Das stimmt leider nicht. In vielen uns bekannten Fällen werden diese negativen Reviews sehr bewusst geschreiben, um die Anleger zu täuschen und Glaubwürdigkeit vorzutäuschen.

Nach unserer Erfahrung sind 8 von 10 Review-Seiten nicht unabhängig, sondern direkt mit Anbietern von Scams und Betrugs-Systemen verbunden.

Nur Vorsicht hilft dem Anleger

Die einzig wirklich effiziente Maßnahme gegen Scams und Online-Betrug ist Vorsicht. Anleger sollten ihr Geld erst nach ausführlichen Recherchen und Referenzen investieren. Hier eine kurze Checkliste:

Checkliste Antwort
Ist der Anbieter registriert /lizenziert in einer anerkannten Jurisdiktion (nicht offshore oder Montenegro)? ja
Können die Personen hinter dem Anbieter identifiziert und kontaktiert werden (z.B. über LinkedIn)? ja
Konnten Sie über LinkedIn oder eine andere professionelle Plattform Kontakt mit dem Betreiber aufnehmen? ja
Konnte der Betreiber Referenzen nennen, die ebenfalls auf LinkedIn zu finden sind? ja
Konnten Sie mit den Referenzen Kontakt aufnehmen und die Referenz prüfen ja
Wo sitzt der registrierte Betreiber der Webseite und kann dieser mit der identifizieren Person direkt verknüpft werden? ja
Sind der auf der Webseite angegebene Betreiber und der Lizenzinhaber ident? ja
Ist die Bankverbindung ein seriöses Bankinstitut in einer anerkannten Jurisdiktion? ja

 

Das ist nur eine kurze erste Checkliste. Es mag überzogen klingen aber leider ist eine derartige Prüfung (Due Diligence) unbedingt erforderlich, um Verluste zu vermeiden. Alles andere wäre eine Fahrlässigkeit im Umgang mit Ihrem Geld. Sollte einer dieser Punkte nicht erfüllt werden können, investieren sie nicht.

Jährlich werden Millionen Anleger mittels solcher Online-Betrugssysteme um ihr hart verdientes Geld gebracht.

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