Die Causa Wirecard – deutsche BaFin erstattet Strafanzeige wegen Verdachts der Kursmanipulation

Wirecard in Spiegel Online und Financial Times

Die Aktie des deutschen FinTech Giganten Wirecard kommt nicht zur Ruhe. Nach Berichten der Financial Times und anderer Experten über Manipulationen und Geldwäsche im Wirecard-Netzwerk hat die Staatsanwaltschaft in München bereits Ermittlungen aufgenommen. Die Behörden vermuten Marktmanipulation in Verbindung mit Leerverkäufen der Wirecard-Aktie. Daher werden die kritischen Journalisten und Analysten von der deutschen Staatsanwaltschaft als Verdächtige in diesem Zusammenhang geführt. Das deutsche Magazin Spiegel Online berichtet nun, dass die BaFin Anzeige erstattet hat. Laut BaFin sollen Journalisten und Spekulanten konspiriert haben, um den Kurs der Wirecard-Aktie zu drücken.


Financial Times im Verdacht

Die BaFin hatte bereits vor einigen Wochen ein „Leerverkaufs“-Verbot für die Wirecard-Aktie ausgesprochen. Ein einmaliger Vorgang in der Geschichte des europäischen Kapitalmarktes. Die BaFin verdächtigt Journalisten der Financial Times („FT“), mit mehreren Fonds beziehungsweise einzelnen Investoren gemeinsame Sache gemacht zu haben. Ein ungeheuerlicher Vorwurf gegen das renommierte Wirtschaftsmedium.

Die BaFin vermutet, dass Spekulanten jeweils bereits vor dem Erscheinen von Artikeln der Financial Times Leerverkaufspositionen aufgebaut haben. Bei einem Leerverkauf leihen sich Anleger Aktien eines Unternehmens, etwa von einem Fonds oder einer Bank. Sie verkaufen die geliehenen Aktien, um sie später billiger zurückzukaufen und an den Verleiher zurückzugeben. Fallen die Kurse tatsächlich, können sie die Differenz als Gewinn einstreichen.

Die Financial Times weist alle diesbezüglichen Vorwürfe zurück und bekräftigt die Recherche-Ergebnisse ihrer Journalisten:

Any allegation against the FT or any of its reporters or staff of market manipulation or unethical reporting in relation to Wirecard is baseless and false. It is a smokescreen obscuring the serious allegations that were revealed by the FT.

Am 30. Januar 2019 hatte die „Financial Times“ einen Artikel veröffentlicht, in dem schwere Vorwürfe gegen Wirecard erhoben wurden. Mitarbeiter des Münchner Unternehmens in Asien sollen Umsätze vorgetäuscht, Verträge gefälscht und so die Bilanzen frisiert haben. Nach Veröffentlichung verlor die Aktie der Wirecard an der Börse zeitweise mehr als acht Milliarden Euro an Wert. In den Wochen danach veröffentlichte die Financial Times weitere Artikel zu Wirecard, in denen die Vorwürfe teils wiederholt, aber auch präzisiert und ausgeweitet wurden. Es ist derzeit laut Spiegel Online offen, ob es zu einer Anklage kommt.

Wirecard in Binäre Optionen involviert

Unabhängig von den Berichten der Financial Times hat das FinTelegram Recherche Team in den letzten Wochen die Beteiligung der Wirecard in den gigantischen Weltweiten Betrug mit Binären Optionen untersucht. Es konnte dabei bereits festgestellt werden, dass das Management der Wirecard UK & Ireland mit einigen israelischen Masterminds hinter dem Betrugsvehikel GreyMountain Management der israelischen Gebrüder David Cartu und Jonathan Cartu gemeinsame Sache gemacht hat (siehe den Bericht hier). Ein weiterer FinTelegram-Bericht wird in Kürze erscheinen.

Laut dem U.S. FBI wurden über Binäre Optionen bis zum Verbot 2017/2018 Kleinanleger um bis zu 10 Milliarden Dollar jährlich betrogen. Dabei war die GreyMountain Management ein Pionier und hat zahlreiche illegale Binäre Optionen-Plattformen betrieben. Sollte sich der Verdacht der Involvierung der Wirecard in die Binären Optionen-Betrugsindustrie erhärten könnten noch schwierige Zeiten auf die Aktie des deutschen FinTech-Unternehmens zukommen.

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