Die Envion Causa – Schweizer FINMA Bestätigt Illegalität des ICO

Finma press release regarding Envion

Im Juli 2018 hatte Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA ein Enforcement-Verfahren gegen Envion eröffnet. Die Untersuchung wurde im März 2019 abgeschlossen. Laut der FINMA Pressemitteilung wurde festgestellt wurde, dass Envion im Rahmen ihres Anfang 2018 abgeschlossenen Initial Coin Offerings (ICO) von mindestens 37 000 Anlegern unerlaubt Publikumseinlagen in der Höhe von über 90 Millionen Franken ohne finanzmarktrechtliche Bewilligung entgegengenommen habe. Von den Investoren, die nun um ihr Geld bangen, soll rund ein Drittel aus der Schweiz stammen. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Envion illegal agiert hat.

Envion ICO Set-p
Das Envion ICO Set-Up

Laut FINMA wären die Bedingungen der in einer anleiheähnlichen Form ausgestalteten Tokennicht für alle Investoren einheitlich gewesen. Überhaupt hätten die Emissionsprospekte die gesetzlichen Mindestanforderungen nicht erfüllt, und es habe zudem die gesetzlich vorgeschriebene Revisionsstelle gefehlt. Die Entgegennahme von US-Dollar sowie der Kryptowährungen Ethereum und Bitcoin wäre nur als lizenzierte Bank erlaubt gewesen, hält die Finma weiter fest.

Schuld sind die Rechtsberater

Der Verwaltungsrat von Envion sieht sich vom Finma-Bericht entlastet, wie der Envion-Mitgründer Matthias Woestmann gestern in einer Reaktion schrieb. Der Verwaltungsrat habe sich bei der Entgegennahme von Publikumseinlagen auf die Beratung von Anwaltskanzleien verlassen, insbesondere was die korrekte Erstellung der Emissionsunterlagen anbetrifft, so Woestmann weiter. Eine Zweckentfremdung von Vermögenswerten liege daher nicht vor. Eine seltsame Stellungnahmen, der man nicht folgen kann.

Bekanntlich haben die beiden Gründer-Teams mit Michael Luckow und Trado GmbH einerseits und Matthias Woestmann und seine Quadrat Capital GmbH noch während des erfolgreich laufenden ICOs zu streiten begonnen. Das hat in einem Kollaps und letztlich in der Liquidation der Envion AG resultiert. Während die Gründer sich die Millionen aus dem ICO behielten, müssen die Investoren bis heute um ihr Geld fürchten. Einen Überblick über die laufenden Gerichtsverfahren per Ende 2018 hat FinTelegram hier publiziert.

Die Gelder wurden zweckentfremdet

FinTelegram beschäftigt sich mittlerweile seit einem Jahr mit der Cause Envion. Darüber hinaus wurde über die European Funds Recovery Initiative (EFRI) eine Kampagne zur Entschädigung der teilnehmenden Envion-Investoren aufgesetzt. FinTelegram ist insofern mit der Sachlage bestens vertraut und erlaubt sich die Feststellung, dass die Mittel der Envion-Investoren selbstverständlich zweckentfremdet wurden:

  • Da wären zum Einen die Gelder, die sich die Gründer rund um Michael Luckow und seine Trado GmbH aus dem ICO einbehalten haben;
  • Dabei handelt es sich nicht um Kleingeld, sondern um viele Millionen, die nicht der Trado GmbH gehören, sondern der Envion AG in Liquidation;
  • Die Verfügungsgewalt über die ICO Wallets lag nachweislich bei Michael Luckow und seiner Trado GmbH der somit als nicht authorisierte Person über die ICO-Mittel disponieren konnte;
  • Die Tatsache, dass die Existenz der Trado GmbH und Michael Luckow im Börsenprospekt verschwiegen hat, stützt die Erkenntnisse der FINMA, dass die Envion mit illegalen Methoden gearbeitet hat.

Diesbezüglich stellt sich aus Sicht von FinTelegram neben den zivilrechtlichen Ansprüchen der Investoren auch die Frage der strafrechtlichen Konsequenzen für den Verwaltungsrat der Envion AG und die handelnden Personen bei der Trado GmbH. Beide Parteien haben diesbezüglich klare zivil-, aufsichts- und strafrechtliche Verfehlungen begangen.

Angesichts der offenbar vorsätzlichen Vorgangsweise muss auch die von Woestmann angesprochene Schuld der involvierten Rechtsberater hinterfragt werden. Geht man davon aus, dass diesen die wahren wirtschaftlichen Verhältnisse verschwiegen wurden, kann man sie jetzt nur schwerlich verantwortlich machen.

Die Envion ist und bleibt ein Krypto-Krimi der die Gerichte noch einige Zeit beschäftigen wird.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here