FIU Bericht 2018: Wer braucht Panama? Deutschland ist das Geldwäsche-Paradies für Cybercrime!

Deutschland als Paradies für Geldwäscher

Vor einigen Tagen hat die deutsche Financial Intelligence Unit (FIU) ihren Jahresbericht 2018 präsentiert. Laut der Aussage des Leiters der Organisation, Christof Schulte, bei der Pressekonferenz,  hat Deutschland  ein massives Problem mit Geldwäsche. Dem können wir auf Basis der Daten vieler Geschädigter in unseren EFRI-Kampagnen nur zustimmen.


Hunderte Millionen gewaschen in Deutschland

Das Ausmaß des Diebstahls von Scammern über Online-Broker-Plattformen wie Option888, XTraderFX, SafeMarkets, OptionStarsGlobal oder Blue Trading und die daraufhin in Europa stattgefundene Geldwäsche im Jahr 2018 beträgt wahrscheinlich mehrere hunderte Millionen von Euros. Dabei wird das gestohlene Geld unter Einbindung von

  • illegalen (nicht autorisierten) deutschen Zahlungsverkehrsleistungsunternehmen wie B2G GmbH oder StronIT GmbH (siehe dazu im Detail FinTelegram-Artikel hier),
  • illegalen ausländischen Zahlungsverkehrsdienstleistern mit deutschen Kontoverbindungenen sowie
  • deutschen Bankkonten lizenzierter deutscher und ausländischer Zahlungverkehrsdienstleister

an Offshore-Konten der Betrüger weiterüberwiesen. Lebensersparnisse von tausenden Kleinanlegern, großteils aus Europa. Gewaschen über deutsche Firmen.

Die Aufdeckung, der an der Geldwäsche mitwirkenden deutschen rechtlichen Einheiten erreicht durchaus „Panama-Qualität“. Die Betrüger haben dabei ausgeklügelte Systeme entworfen, um ihre Gelder zu waschen. Viel wird über Zahlungsverkehrsaggregatoren und deren technischen Lösungen abgewickelt.

Deutschland und sein Finanzplatz haben grundsätzlich einen exzellenten Ruf in der Welt, wenn es um Seriosität und Vertrauen geht. Kleinanleger auf der ganzen Welt setzen diesbezüglich auf die deutsche Finanzmarktaufsicht.

Die Zahlen zum FIU Bericht 2018

Die FIU Deutschland untersteht dem Bundesfinanzministerium und hat ihren Sitz in Köln wo auch die Pressekonferenz zum FIU Bericht 2018 abgehalten wurde. Der Bericht belegt, dass die Verdachtshinweise auf Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung mit 77.252 Meldungen 2018 so hoch wie noch nie waren. Die Zahl der Meldungen stieg damit um beeindruckende 30% von 59.845 im Jahr 2017. Rund 44.800 also 58 Prozent wurden von der FIU als begründet eingestuft und an die Strafverfolgungsbehörden zur Bearbeitung weitergereicht.

Das ist international gesehen eine hohe Quote und lässt erahnen wie groß das Geldwäsche-Problem in Deutschland tatsächlich ist. Laut FIU hält der Trend an. Bis Mai 2019 gingen bereits rund 47.000 Meldungen ein. Gründe für den starken Anstieg seien insbesondere die Absenkung der Hemmschwelle für die Abgabe einer Meldung und die rechtliche Veränderung der vormaligen „Verdachtsanzeige“ in eine berufsrechtliche Meldeverpflichtung. Darüber hinaus sei auch die Sensibilisierung der Meldeverpflichteten für das starke Wachstum der Meldungen verantwortlich.

„Ins Auge stechen die Fälle von Clan-Kriminalität und die Immobilienfinanzierung mit Geldern aus dem Ausland, wie zum Beispiel über Offshore-Firmen“ (Christof Schulte, FIU Chef)

Alarmierend sind laut Schulte auch die vielen Strohmanngeschäfte wobei Konten von Individuen und Firmen von ausländischen Überweisern für Geldwäschezwecke verwendet werden.

Die EFRI-Zahlen und Erfahrungen

Viele der Geschädigten von Online-Broker Scams haben an deutsche Banken überwiesen. Dabei vertrauten sie auf die deutsche Gründlichkeit: Niemals hätte ich gedacht, das eine deutsche Bank gemeinsame Sache macht mit solchen Betrügern, und zulässt, das ein solches Unternehmen (gemeint ist B2G GmbH) über Jahre Geld von mir ganz einfach durchschleust“  so eine Schweizer Geschädigte, die über 150.000 € in mehreren Tranchen in den Jahren 2017 und 2018 an die Sparkasse Koblenz überwies.

Rund 85% der Einmeldungen der bei EFRI registrierten Geschädigten haben ihr Geld mittels Überweisungen an (illegale und legale) deutsche Zahlungsdiensteanbieter in Deutschland verloren.

Der Betrug an Kleinanlegern wäre ohne die bereitwillige Mitwirkung von Zahlungsverkehrsdienstleistern an der Geldwäsche gar nicht möglich. HIer müssen die behörden viel konsequenter agieren (Elfriede Sixt, EFRI Partner)

Deutsche Mantelgesellschaftern, mit osteuropäischen Geschäftsführern als Strohmänner

Viele der Mantelgesellschaften sind im deutschen Firmenbuch eingetragen und haben Geschäftsführer (Strohmänner), die in Osteuropa wohnhaft sind. Der eingetragene Geschäftszweck im Firmenbuch reicht dabei von Unternehmensberatung, Immobilien,  Erbringung von IT-Dienstleistungen und dem Verkauf von Werbemitteln. In der Realität ist der einzige Zweck des Unternehmens als Zahlungsabwickler der betrügerischen Systeme wie Blue Trading, xTrader, safemarkets,… usw. zu dienen. Kleinanleger bekommen Anweisung ihr Geld an diese Unternehmen zu überweisen, nach Eingang auf den Bankkonten wird das Geld umgehend auf Konten nach Russland, Serbien, Bulgarien, Curacao, …. weiterüberwiesen. Dieses Geschäftsmodell und die zur Verfügung gestellten Mantelgesellschaften und ihre Bankkonten werden als Dienstleistung professionell vertrieben, offensichtlich gibt es hunderte davon in Deutschland.

Für manche dieser illegalen Zahlungsverkehrsdienstleister wurden – nach Beschwerden von betrogenen Kleinanlegern bei der Aufsichtsbehörde – Warnungen der BAFIN herausgegeben. Das stellt für die deutschen Banken dieser Firmen aber offenbar kein Hindernis dar, die Kontoverbindung aufrecht zu erhalten und weiterhin gestohlene Gelder auf den Konten zu akzeptieren. So geschehen in Deutschland im Jahr 2018/2019.

 

Blue Trading and unauthorized German payment schemes
Rainer Treuer, Geschäftsführer der B2G GmbH

Bei der deutschen B2G GmbH gibt es beispielsweise bereits seit 2017 strafrechtliche Ermittlungen. Im Frühar 2018 erfolgte sogar eine Hausdurchsuchung und die Polizei hat entsprechende Beweise gefunden. Seither werden die Geschäftsführer – der Russe Oleg Shvartsman und der Deutsche Rainer Treuer – als Beschuldigte im diesbezüglichen Strafverfahren geführt. Auch das hinderte die Finanzinstitute aber nicht mit der B2G GmbH und den Leuten Geschäfte zu machen. Damit wurde weiterhin gestohlenes Geld von Kleinanlegern über die Konten der B2G GmbH ins Ausland geschleust. Die offensichtliche Betriebsamkeit dieses Unternehmens in diesem Geschäftsfeld spiegelt sich in einem Millionenbetrag an gestohlenen Finanzmittel, die über die B2G und ihre diversen Bankkonten (mehrere Banken waren involviert) flossen.

Die deutschen Behörden haben hier Aufholbedarf. Soviel ist sicher!

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