FMA INVESTORENWARNUNG FÜR ARBITRACOIN: NUR DIE SPITZE EINES BETRUGSSYSTEMS

ArbiTraCoin und der Lebenszyklus eines Abzocker-Systems

Update as of Nov 14, 2018: on our english Version we reported about the new ICO of the people behind ArbiTraCoin, XIN and so on pls read this: ICO-SCAM ALERT! DO NOT INVEST IN THE SMART TRADE COIN ICO!

Wie oft kann man einem Kundenstock  abzocken? Zumindest dreimal wie das Beispiel ArbiTraCoin beweist. Die österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA hat Ende September 2018 eine Investorenwarnung zur ArbitraCoin herausgegeben und setzt damit einen vorläufigen Schlussstrich. Unsere Recherchen ergaben, dass viele der betrogenen ArbitraCoinbesitzer wohl auch auf wertlosen XIN-Token sitzen. Die Suche nach den Hintermännern und Verantwortlichen läuft.


Die österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA ist momentan sehr aktiv und viel beschäftigt in Sachen Krypto. Am 20. September 2018 hat sie eine Investorenwarnung zur – von uns bereits im Juli als potenzieller Betrugsfall identifizierten – Arbitracoin ausgesprochen: ArbiTracoin sei nicht berechtigt, konzessionspflichtige Bankgeschäfte in Österreich zu erbringen. Es ist dem Anbieter, die gewerbliche Entgegennahme fremder Gelder zur Verwaltung oder als Einlage (§ 1 Abs 1 Z 1 BWG) nicht gestattet.

Nicht wirklich überraschend, denn auch wenn die Webseite www.arbitracoin.com, die im August offline ging (Fintelegram berichtete), inzwischen mit geringfügigen Änderungen wieder online gestellt wurde, tut sich doch so gar nichts bei dieser Coin. Laut Statements verschiedener Distributoren wird noch an der Übersetzung der Webseite und der Wallets (?) gearbeitet um auch den russischen und US-Markt (kann sich nur um einen Scherz handeln!) entsprechend ansprechen zu können. Die Telegram- und Twitter-Kanäle des Krypto-Projekts jedenfalls sind seit Monaten nur mehr eine kommunikative Wüste. Der Wert von ArbiTraCoin ist dementsprechend niedrig bzw. nicht mehr existent:

ArbittraCoin 11102018
Arbitracoin 11102018

Die ArbiTraCoin ist insofern interessant, da sie nur das vorläufig letzte Hochglanzprodukt (soweit wir wissen!) aus einem schon seit 2015 bestehenden Krypto MLM-System ist. Nachfolgend ein kurzer Abriss aus der Geschichte dieses langjährigen Abzocksystems.

2015 – Frühjahr 2017: das MyCryptoWorld Projekt

Begonnen hat alles mit dem MyCryptoWorld Projekt. Die damaligen Domains dieses Projektes lauteten auf mycryptoworld.com und mycryptoworld.net (beide am 15. September 2015 registriert) und www.mycryptocoins20.com (registriert am 26. November 2016). Inzwischen ist keine dieser Webseiten mehr erreichbar.

myCryptoWorld LOGO
myCryptoWorld LOGO
website mycryptocoin20
Website mycryptocoin20

Die damaligen Ideengeber für das Netzwerk sind inzwischen schwer zu identifizieren,  viele der Werbebeiträge wurden inzwishen gelöscht. Identifizierbar ist der Amerikaner Thomas Prendergast, ein offensichtlicher Marketingprofi, der 2016 aktiv Marketing für MyCryptoCoin betrieb. Inzwischen wurden die meisten Beiträge zu MyCryptoCoin von seiner Webseite entfernt und er widmet sich seinem neuen Projekt: Markethive soll zum neuen Facebook werden! Die stets um Aufklärung bemühte Seite Behindmlm.com hat in einem frühen Beitrag (Dez. 2016) festgestellt, das es sich dem MyCryptoWorld wohl um ein deutsch-US Projekt handeln dürfte, da laut Alexa der Webseiten Traffic schwerpunktmäßig aus den USA (37%) und aus Deutschland (32%) kommen würde. Die deutsche Beteiligung lässt sich auch an einer deutschen IP-Adresse der Domain www.mycryptocoins20.com erkennen.

Jedenfalls waren die Projektbetreiber bereits ab Herbst 2015 mit dem Vertrieb von Token-Paketen (als Zahlungsmittel wurden EUR, USD und BTC akzeptiert), wobei die verkaufte 1 Milliarde MyCryptoCoins (Tokens eines dezentralen und  führungsloser DAO usw)  erst im Jänner 2017 begeben werden sollten.  Gleichzeitig gab es ein ausgefeiltes Provisionssystem für die Vermittlung von weiteren Tokenerwerbern,  die Provisionen wurden dabei übrigens nicht in MyCryptoCoins (MCC) sondern in Bitcoins ausbezahlt. Es handelte es sich bei diesem MyCryptoCoin Projekt wohl weltweit um einen der ersten Krypto-MLM-ICOs mit einer SAFT-ähnlichen Ausgestaltung. (Da soll nochmal wer sagen, die MLM-Künstler seien nicht kreativ und der Welt weit voraus :).

MyCryptoCoin
MyCryptoCoin.

Frühjahr 2017: Aus MCC wird der XIN TOKEN

Ausgegeben wurden im Jänner 2017 dann 9 Mrd. XIN-Token auf der Infinity Economics (IE) Blockchain, diese Tokens wurden an die Mitglieder des Crypto MLM-Systems der MyCryptoWorld entsprechend verteilt. Vom MCC Token war keine Rede mehr. Bei der (IE) Plattform, handelte es sich laut den damaligen Werbeaussagen um eine vollständig dezentralisierte, führungslose DAO* und vollständig verteilte Finanz-Plattform, die im EIGENTUM DER MENSCHEN, WELCHE SIE BENUTZEN, STEHT. Laut vereinzelter Aussagen sah sich IE dabei als Dienstleister mit einer „Software Plattform“ auf Blockchain Basis.

Die IE-Plattform wurde Anfang 2017 als das „Schweizermesser“ unter den Kryptowährungen angespriesen:  die IE- Plattform soll für Konsumenten wie Händlern, Investoren und Finanzinstituten weltweit einen alternativen Marktzugang schaffen, indem sie alltagstaugliche Komplettdienstleistungen samt Zahlungssystem kreiert und anbietet.  Durch die umfangreichen Zusatzfeatures (z.B. Smart Contracts, Assets, Digital Goods Store, Distributed Hosting, Rating Agency oder Digital Notary) soll die Plattform mit einem Betriebssystem vergleichbar sein, das alle Tools bereitstellt, ohne dabei überladen zu wirken. IE ist die weltweit fortgeschrittenste und umfassendste Krypto-Plattform ihrer Art.

Insgesamt soll es rund um dieses Crypto-MLM System stolze 30.000 Teilnehmer gegeben, mit 40.000 XIN Wallets und 9 Milliarden ausgegebenen XIN Token. Neben den XIN-Token haben die Gründungsmitglieder des IE-DAOs auch Shares (?) an der IE Plattform erhalten, die ebenfalls auf der IE-Plattform gehandelt werden konnten und die Anteilsinhabern zu Anteilen an den Gebühreneinnahmen der IE Plattform berechtigen. Ein wenig verständliches und schon gar nicht transparentes Konstrukt.

Das Infinity Economics Forum zum Informations- und Erfahrungsaustausch (inzwischen eher lau) ging im Februar 2017 online.  Die Webseite der Infinity Economics Coin Exchange ist seit Juli 2017 online. Gemäß diverser Aussagen wurde bereits im Frühjahr 2017 – kurz nach Tokenausgabe – jede maßgebliche Entwicklungstätigkeit an der Blockchain eingestellt. An der Infinity Economics Coin Exchange werden ausschließlich XIN gehandelt – mit beachtlichen Handelsvolumen. Ansonsten gelang es der Community noch ein Listing auf fragwürdigen Börsen wie coingather.com, (offline seit Nov. 2017) und vobit.net zu bekommen. Auch auf www.coinmarketcap.com werden die Coins geführt, es wird allerdings derzeit keine Marktkapitalisierung angegeben. Das Handelsvolumen der letzten 24 Stunden (15. Oktober 2018, 16.45h) war hingegen mit mehr als US-$ 36 Millionen beachtlich, wobei es sich hier gerüchteweise vor allem um Fake-Umsätze handeln soll. Der Wert der Tokens ist inzwischen massiv gesunken und beträgt per gestern USD 0,00383.

XIN TOKEN CHART
XIN TOKEN CHART

Feber 2017: Auftritt der We Go Crypto

Ab Februar 2017 wurde innerhalb der 30.000 Mitglieder zählenden MyCryptoWorld MLM-Struktur unter dem Projektnamen We Go Crypto mit dem Vertrieb eines neues Projektes begonnen. Vorgestellt wurde We Go Crypto als eine automatische „werde reich im Schlaf“ Arbitrage-Tradingsoftware. Auch hier war wieder ein überproportionales Bonisystem für geworbene Teilnehmer implementiert.

Auf der Webseite www.wgc-worldwide.com findet man mit Dennis Novak, Jörg Gehrmann, Daan v. Koelen und Rudi Neidhardt die Köpfe hinter dem We Go Crypto MLM-System. Die Webseite hat eine IP-Adresse in Deutschland, der Eigentümer sitzt laut Domainbigdata allerdings offshore in Panama. Die Vorgängerseite www.wgc-network.com (Vorgängerwebseite) hatte ebenfalls eine IP-Adresse in München Bayern. Bei Novak, Gehrmann, Neidhardt handelt es sich allesamt um bekannt-berüchtigte MLM-Leute.

Team we go crypto

In welchem Ausmaß dieser Vertrieb von Softwarepaketen funktioniert hat, weiß man nicht. Im x-invest forum wird jedenfalls vor diesem Projekt inzwischen gewarnt: das Programm wurde zu „geschlossene Programme“ verschoben, da es seine Aktivität eingestellt hat und entweder offline ist, gar nicht mehr auszahlt oder nur teilweise/ selektiv auszahlt.

Nachdem 2017 den rd. 30.000 Investoren das  SMART-ARBITRAGE-SOFTWARE Produkt mehr oder weniger erfolgreich verkauft worden war, wurde von den Distributoren des MLM-Systems die letzte Stufe der Abzocker-Rakete gezündet und die ArbitraCoin herausgebracht.

April 2018: Arbitracoin betritt das Parkett

ARbitracoin
Arbitracoin

Hier wollten diese MLM-Distributoren wohl so richtig vom ICO-Hype der ersten Monate im Frühjahr 2018 profitieren. Dabei verstärkte man sich offensichtlich um ein paar wirkliche WebMarketingprofis, denn bei der Arbitracoin handelt es sich um ein Hochglanzprojekt: die Webseite schillert nur so vor sich hin.

ArbiTraCoin
ArbiTraCoin

Auch bei diesem Token gelingt es ein Listing bei www.coinmarketcap.com zu bekommen. Laut Coinmarketcap wurden im Token Sale 131.901.470 Tokens verkauft. Außer jede Menge Hochglanz und leerer Versprechen tut sich bei dieser Coin gar nichts. Ein Coin ist inzwischen um USD 0,001317 zu haben (Ausgangskurs war USD 0,3413) Derzeit wird aber keine Marktkapitalisierung angegeben und das Handelsvolumen ist so gut wie nicht vorhanden. Unseres Erachtens nach handelt es sich bei der ArbitraCoin um einen Exit-Scam also um eine reine Abzocke.

Interessanterweise dürften es sich speziell beim letzten Projekt der ArbiTraCoin vor allem um ein deutsches Projekt gehandelt haben und es dürften vor allem deutsche Landsmänner abgezockt worden sein, da sich der Traffic lt. Similarweb wie folgt verteilt:

Arbitracoin Traffic
Arbitracoin Traffic

Das die selben Leute hinter diesen Systemen stehen, zeigt auch die Umbenennung von Facebookkonten, wie hier schön zu sehen ist.

D.h. die Wahrscheinlichkeit das jetzt viele der Investoren im IE MLM-System auf wertlosen XIN, wertlosen SMART-ARBITRAGE-Softwarepaketen und/oder  ArbitraCoinToken sitzen bleiben, ist sehr hoch.

In der FMA Konferenz vom 4. Oktober 2018 berichtete Herr Kumpfmüller, Vorstand der FMA,  das sich mittlerweile jede zweite Strafanzeige der FMA an die Staatsanwaltschaft um die Krypto-Geldbranche dreht. Na, das können wir uns sehr gut vorstellen.

Nachwort: Für sachdienliche Hinweise im Bezug auf nähere Details zu obigen Systemen und Hintermännern wären wir dankbar.

 

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