FORENSISCHE ENVION ANALYSE (TEIL1): DIE VORWÜRFE AN TRADO UND MICHAEL LUCKOW

Cause Envion - Urteil im Namen des Volkes

Investoren sollten sich nicht von der relativen Ruhe rund um die Causa ENVION täuschen lassen. Dieser ICO der ENVION ist für die Behörden und Gerichte noch lange nicht vorbei. Im Gegenteil! FinTelegram hat in den letzten Tagen mit einer Reihe von Investoren und involvierten Rechtsanwälten ausführliche Gespräche geführt. Die Causa ENVION beschäftigt in Berlin mehrere Gerichte und füllt bei der Staatsanwaltschaft bereits 6 Bände. Dabei stehen wir erst am Anfang dieses Präzedenzfalles für die Krypto-Szene. Auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen werden wir daher wieder laufend berichten. Die entscheidende Frage dabei ist die Stellung der ICO-Investoren und deren rechtliche Ansprüche gegen ENVION und die handelnden Personen.

DISCLAIMER: Weder FinTelegram noch deren Mitarbeiter und Redakteuer sind ENVION oder Akteuren derselben persönlich oder wirtschaftlich mittelbar oder unmittelbar verbunden. Es gibt keine über ein journalistisches Interesse hinausgehende Beziehungen.

Die Akteure

Die Schlüsselakteure dieses ICO Dramas sind bekanntlich Michael LUCKOW und sein Kommunikationsmanager Martin LAURENT auf der einen Seite und Matthias WOESTMANN mit seinen Rechtanwälten und Partnern Thomas VAN AUBEL und Jutta FALKENHAUSEN auf der anderen Seite. WOESTMANN hat in seiner Funktion als Vorstand der Schweizer ENVION AG gegen LUCKOW et al Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Berlin (AZ 257 Js 305/18) wegen Untreue und Betrug eingebracht und laut den involvierten Rechtsvertretern ermitteln die Behörden tatsächlich intensiv. Mittlerweile hat auch LUCKOW gegen WOESTMANN eine Anzeige eingebracht. Diese Situation der wechselseitigen Klagen und Anzeigen kann für die Investoren der ENVION nur von Vorteil sein. Damit ergibt sich zumindest die Chance, dass zusätzliche Informationen für Investorenklagen zu Tage treten.

In den nächsten Tagen, Wochen und Monaten werden wir als eine Art Prozessberichterstatter die einzelnen Positionen der Akteure und die ihnen zugerechneten Rollen und Verantwortlichkeiten beschreiben. Heute beginnen wir mit dem ENVION-Mastermind Michael LUCKOW.

Die unsichtbare Verantwortung

Envion MItgründer Michael Luckow
ENVION Mastermind Michael LUCKOW

Bis zum Ausbruch der Streitigkeiten zwischen den beiden Parteien waren der Berliner Unternehmer Michael LUCKOW und seine TRADO GmbH unsichtbar. Keine Spuren ihres Wirkens finden sich ENVION-Umfeld. Nicht im White Paper, im Prospekt oder in den sozialen Medien.

Aus den Schriftsätzen und Protokollen der anhängigen Klagen und Strafanzeigen lässt sich jedoch zweifelsfrei feststellen, dass Michael LUCKOW der Mastermind hinter ENVION war. Das stellt er jetzt auch eindeutig in seinen persönlichen Aussagen und Stellungnahmen  klar (z.B. Landesgericht Berlin, Az.: 91 O 37/18). WOESTMANN wurde von ihm bzw. seiner TRADO GmbH aus marketingtechnischen Gründen als Frontmann eingesetzt, mit der Aufgabenstellung Kontakte zu knüpfen und Investoren zu bringen. Laut den diversen Aussagen von LUCKOW hat WOESTMANN diese Erwartungshaltung aber nicht erfüllt.

Hier ein Auszug aus einer eidesstattlichen Erklärung des Michael LUCKOW zur Positionierung des Matthias WOESTMANN, die er im Zuge des einstweiligen Verfügungsverfahrens vor dem Gericht in Berlin (Aktenzeichen: 91 O 37/18) tätigte:

„Das Ziel der Beteiligung von Herrn Woestmann – knüpfen von Kontakten in die Energiebranche sowie Gewinnen von Investoren und Koorperationspartnern – ist aus meiner Sicht verfehlt worden. Auch sonst konnte er aufgrund seiner mangelnden Fachkenntnisse keinen relevanten Mehrwert für das Projekt erzielen.

Herr Woestmann hat auch in der Folgezeit keine nennenswerten operativen Tätigkeiten ausgeführt. (…) Seine Beiträge waren eher als eine Art allgemeines Feedback zu verstehen.


Die Umsetzung des Projekts erfordert eine komplexe Softwarearchitektur, mit deren Gestaltung wie uns monatelang befasst haben. Es ist nicht ersichtlich, dass Envion auch nur ansatzweise in der Lage gewesen wäre, dem nachzukommen, da die entsprechenden Strukturen nicht geschaffen wurden.

Desweiteren wurde auf dem Telegram-Kanal der ENVION-Gründer festgehalten (Beitrag mittlerweile gelöscht aber aktenkundig):

Nobody gave ever control of envion to Woestmann. It simply meant, he held the shares temporarily. Decisions were still made by Michael Luckow.“

Des Weiteren hat LUCKOW in diesem Gerichtsverfahren bestätigt, dass er und die TRADO GmbH (und nicht etwa ENVION oder WOESTMANN)  die Berliner Rechtsanwaltskanzlei DWF mit der Erstellung der ICO-Struktur beauftragt haben.

Damit scheint unseres Erachtens außer Streit zu stehen, dass LUCKOW für die Konzeption des ENVION-Modells wie auch für die rechtliche Umsetzung bis hin zum White Paper und Prospekt verantwortlich zeichnete.

Warum in der Folge weder die TRADO GmbH noch Michael LUCKOW im White Paper und Prospekt genannt werden ist unverständlich. Es kann sich nach Studium der Akten und der darin enthaltenen Aussagen und Stellungnahmen wohl nicht um eine Fahrlässigkeit, sondern nur um Vorsatz gehandelt haben. Über die Motive dafür kann man nur Vermutungen anstellen.Es wäre darüber auch die involvierte Rechstanwaltskanzlei DWF zu fragen, die nach unserem Dafürhalten insofern einen Interessenskonflikt hat als sie sowohl die TRADO als im Rahmen des ICO auch die ENVION AG vertreten hat und im übrigen auch in den Rechtsverfahren jetzt die TRADO gegen die ENVION vertritt!

Die Vorwürfe an TRADO und LUCKOW

Envion Causa - behauptete Verfehlungen von Michael LUCKOW und seiner TRADO GmbH
ENVION Causa – behauptete Verfehlungen von Michael LUCKOW und seiner TRADO GmbH

Die von Investoren und deren Rechtsvertreter gegen den Mastermind Michael LUCKOW und seine TRADO GmbH erhobenen zivil- und strafrechtlichen Vorwürfe lassen sich wie folgt zusammenfassen (hier unser Analyseartikel aus dem August 2018 und hier eine Zusammenfassung der Klagen per August 2018 auf Juve.de):

  • Bewusste Falschinformation der ICO Investoren in öffentlichen Aussagen;
  • Vereinnahmung der von ICO-Investoren einbezahlten Krypto-Geldern auf den Wallets der TRADO GmbH unter der Verfügungsgewalt des Michael LUCKOW;
  • Manipulationen des Smart Contracts mit dem Zweck die eigenen EVN Token in der den ICO-Investoren zugesagten Sperrfrist zu verkaufen;
  • Generierung von nicht vorgesehenen 12,6 Millionen EVN „Storage Tokens“

 

LUCKOW und seiner TRADO GmbH wird vorgeworfen, irgendwo zwischen 10 – 17 Millionen Dollar an Investorengeldern entweder veruntreut oder missbräuchlich verwendet zu haben und sich über den vereinbarungswidrigem Verkauf der eigenen EVN-Token zum Nachteil der ICO-Investoren bereichert zu haben. Die Berechnung der Höhe ist insofern kompliziert als nicht alle im Zuge des ICO erhaltenen Kryptowährungen sofort in FIAT umgetauscht wurden. Beim LG Berlin ist ein Klage der ENVION AG gegen die TRADO GmbH bzw. LUCKOW zur Herausgabe von EUR 5.299.140,38 anhängig.

Im Wesentlichen hat Michael LUCKOW die Vorwürfe in der Substanz in zahlreichen Aussagen und Stellungnahmen bereits bestätigt wobei er versucht, seine Handlungen durch entsprechende Erklärungen zu legitimieren. So verweist er auf die von ihm und TRADO erbrachten Leistungen, die ihn zur Einbehaltung von Millionen aus dem ICO berechtigen würden. Rechtsvertreter von Investoren bezweifeln, ob dieser Standpunkt rechtlich halten kann.

LUCKOW hat vor dem Gericht in Berlin (Aktenzeichen.: 91 O 37/18) zugestanden, dass ICO-Erlöse von umgerechnet EUR 10 Millionen auf sein privates Wallet gegangen sind. Die Tatsache, dass sich die Erlöse aus dem ICO unter der Kontrolle der „Unsichtbaren“ – also Michael LUCKOW und seiner TRADO GmbH – befanden, erklärt LUCKOW in einem Interview mit dem Handelsblatt im Mai 2018 wie folgt:

Ab Februar habe sich gezeigt, dass die Envion-Geschäftsführung „nicht im nötigen Umfang die Maßnahmen mitträgt, die von der Trado GmbH für das operative Geschäft vorgeschlagen werden. Dies betrifft zum Beispiel die Hardwarebeschaffung,“ erklärt Luckow. Die Trado müsse sich daher „einen finanziellen Spielraum bewahren für gemeinsame Ziele, unabhängig von der jetzigen Geschäftsführung der Envion AG“, sagt Luckow.

 

Auch den Verkauf von EVN Token während der Sperrfrist hat LUCKOW schon eingestanden und damit gerechtfertigt, dass der Betrieb aufrechterhalten werden musste. Im besten Interesse der ICO-Investoren selbstverständlich. Insofern geht es in den Ermittlungs- und Gerichtsverfahren wohl weniger um die Feststellungen der gesetzten Taten, sondern um deren rechtliche Qualifikation.

Fortsetzung mit Teil 2 folgt bald: Behauptete Verfehlungen von Matthias WOESTMANN und QUADRAT CAPITAL.

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