HYDROMINER & COINTED: WIE INVESTOREN MANIPULIERT WERDEN

Hydrominer, Cointed und Philipp Dimitrov – fake it till you make it.
Hydrominer, Cointed und Philipp Dimitrov – fake it till you make it.

In dieser Untersuchung zeigt Fintelegram, wie Investoren von ICOs durch unethische Marketingaktivitäten im Falle von Cointed und Hydrominer manipuliert wurden.

Die Branchenplattform ICOBench hat 1.394 Projekte in ihrer Datenbank, die derzeit ein Initial Coin Offering (ICO) durchführen. Alle diese Unternehmen konkurrieren um die Gunst einer begrenzten Anzahl von Kryptoinvestoren. Die Projekte stehen vor der Herausforderung, genügend Investoren gewinnen und überzeugen zu können. Für Investoren stellt sich die Frage: Welche Anlagen lohnen sich? Die Antwort liegt in der öffentlichen Wahrnehmung für beide Seiten: Seriöse Meinungsbildner, deren Meinungen gefolgt werden; unabhängige Rating-Agenturen, die Projekte auf Herz und Nieren prüfen und Medien, die über Projekte berichten.

In einem funktionierenden System dienen Ratingagenturen und Medien der Öffentlichkeit. Sie engagieren sich für Wahrheit und gewissenhafte Recherche. Mit dem betrugsverdächtigen ICO des österreichischen Kryptokonzerns Cointed und des ebenfalls in den Schlagzeilen befindlichen Unternehmens Hydrominer wollen wir zeigen, wie Investoren von Medien, Ratingagenturen und Meinungsbildnern manipuliert werden.

Cointed ICO und die Medien

Cointed führte zwischen Oktober 2017 und Februar 2018 ein ICO durch, um seine Expansion mit Bitcoin-Automaten und Kryptomining zu finanzieren. Während 100 Millionen Dollar Umsatz angestrebt wurden, musste sich das Unternehmen mit 4 Millionen Dollar begnügen. Schon während der ICO bestand der Verdacht auf Betrug. Ehemalige Partnerfirmen erhoben Vorwürfe, und die ICO-Dokumente belegten, dass das Eigentum des Unternehmens falsch angegeben wurde.

Cointed’s ICO wurde mit einem Artikel in DerBrutkasten angekündigt, der das ICO in einer Form bewirbt, die in etwa wie ungekennzeichnete PR aussieht. Ende Februar berichtete die Tageszeitung DerStandard unkritisch über die Pläne des Unternehmens, als die Vorwürfe bereits bekannt waren. Man kann beiden Medien nur vorwerfen, dass sie sich in die PR von Cointed verliebt haben. Ganz anders sieht es jedoch beim unabhängigen Kryptomedium Cointstaker aus.

Coinstaker wird von Cointed bezahlt

Coinstaker berichtet mehrmals täglich aus der Krypto-Welt. Die Nachrichtenseite wurde unter anderem von dem österreichischen Unternehmer Philipp Dimitrov gegründet. Zwischen Oktober 2017 und Februar 2018 berichtete Coinstaker 22 Mal über den Cointed ICO. Einige Artikel haben einen sehr kleinen Verweis „Pressemitteilung“, aber die Mehrheit wird als redaktioneller Inhalt präsentiert. Diese Artikel werben deutlich für das ICO und ermutigen die Leser zu Investitionen: Cointed ICO Nur Noch 48 Stunden (dieser ist nach dem Text klein mit PR bezeichnet)

So weit so schlimm, aber das ist noch nicht alles. Denn nirgendwo liest man, dass Coinstaker-Gründer Philipp Dimitrov laut seiner ICO-Agentur coinmarketlaunch.com Cointed als Marketingkunden hatte. Daraus lässt sich schließen, dass Coinstaker seinen Lesern bewusst verschwiegen hat, dass es sich bei den redaktionellen Berichten um reine Werbung handelt. Und das geschah zugunsten eines Unternehmens, das an einem der größten europäischen Kryptobetrugsfälle beteiligt war.

Der Coinstaker wird von HydroMiner bezahlt.

Die PR-Maschine wurde nicht nur für Cointed eingesetzt, sondern auch für einen zweiten österreichischen ICO, HydroMiner, der im Fokus von Fintelegram steht. Hier tritt Dimitrov auch als Coinstaker -Autor auf und schreibt zu Beginn des HydroMiner ICO: „Wir von CoinStaker.com glauben, dass der HydroMiner bereits ein erfolgreiches Startup ist, umgeben von einem großartigen Team. Sie erzielen bereits Gewinne aus ihren beiden Wasserkraftwerken. Dieses ICO wird sie noch mehr skalieren lassen.“ Nirgendwo in diesem Artikel scheint es, dass Dimitrov zum Zeitpunkt des Schreibens der Chief Marketing Officer von HydroMiner (gemäß seinem LinkedIn-Profil) war.

Dimitrov manipuliert ICOBench

Während Dimitrov mit Coinstaker nur sein eigenes Magazin verwendet, sieht sein Ausflug auf ICOBench ganz anders aus. ICOBench ist die führende ICO-Rating-Plattform für die Kryptoindustrie. ICO-Projekte können ihr ICO registrieren und erhalten eine automatisierte Bewertung durch das Portal. Unabhängige Experten können dann einzelne ICOs bewerten, ihre Bewertung begründen und in einen Dialog mit den Projekten treten. Durch eine Vielzahl von Meinungen sollen ICO-Investoren ein Gefühl für die Qualität einzelner Projekte bekommen. Jeder, der sich registriert, kann ein Experte für die ICO-Bench sein. Die unklare und manchmal fragwürdige Herkunft der Experten reduziert automatisch die Qualität der Bewertungen. ICOBench will gefälschte Ratings verhindern, indem es Experten verbietet, ein ICO zu bewerten, mit dem sie eine Geschäftsbeziehung unterhalten.

Der wunderbare Bericht von Alethenas Markus Hartmann zeigt, wie einfach es ist, „Experten“ für gute Bewertungen auf ICOBench zu bestechen.

Philipp Dimitrov ist als Experte für ICOBench registriert. Bis August 2018 hatte er 21 ICO-Projekte bewertet. Unter ihnen befinden sich natürlich auch Cointed und Hydrominer. Die Bewertung von Cointed erfolgte am 5. Februar 2018, kurz vor dem Ende der ICO, lange nach den ersten Betrugsvorwürfen. Kein Wunder, dass Dimitrovs Einschätzung als „unabhängiger Experte“ zu 100% positiv ist. Dimitrov verstößt nicht nur gegen die ICOBench-Regeln, seine Einschätzung zeigt auch, dass er die Wahrheit nur ein wenig verbiegt: „Ich bin auf dieses Projekt gestoßen, da es aus meinem Heimatland kommt.“ Es ist seit langem klar, dass Dimitrov keineswegs ins Straucheln gerät, sondern die PR von Cointed betreibt.

HYDROMINER, COINTED UND PHILIPP DIMITROV – FAKE IT TILL YOU MAKE IT.
HYDROMINER, COINTED UND PHILIPP DIMITROV – FAKE IT TILL YOU MAKE IT.

Übrigens, die Mehrheit der anderen Experten bewertete Cointed sehr schlecht. Nikolay Zvezdin wies sogar auf einige Unstimmigkeiten in Coints Whitepaper hin, welche schließlich der erste Nagel im Sarg des Unternehmens war.

Aber das ist noch nicht alles. Drei Tage nach Dimitrov erhält Cointed eine weitere 100%ige Bewertung auf ICO Bench. Sie wird von einer gewissen Gabriela Hazboun abgegeben. Neben ihrer Bewertungsarbeit für ICOBench ist sie Autorin auf der Coinstaker-Nachrichtenseite von Dimitrov sowie Mitglied der ICO-Agentur von Dimitrov. Die meisten der Werbematerialien über Cointed wurden tatsächlich von ihr geschrieben.

Warum bewerten zwei PR-Mitarbeiter den Cointed ICO? Weil sie damit das Gesamtrating – den Durchschnitt aller Ratings – verbessern. Dieses Gesamtrating ist oft das einzige Entscheidungskriterium für ahnungslose Investoren.

Warum nur einmal, wenn es öfter geht?

Dimitrovs Agentur-Website coinmarketlaunch listet die ICOs seiner Kunden auf. Für fünf von ihnen wiederholt er die zu Unrecht vorgenommenen ICOBench-Bewertungen, die zum Teil von seiner Kollegin Hazboun flankiert werden.

Es ist nicht Aufgabe von Fintelegram, die Rechtmäßigkeit der Pressearbeit von Dimitrov, Hydrominer und Cointed zu beurteilen. Es ist jedoch unsere Aufgabe zu zeigen, mit welchen Mitteln Investoren im Kryptobereich manipuliert werden. Zumindest im Falle von Cointed hat diese Manipulation zu einer Reihe von betrogenen Anlegern geführt.

Die Chuzpe der gefühlten Unantastbarkeit

Fintelegram kontaktierte Dimitrov, um ihm die Möglichkeit zur Klärung zu geben. Während er kein Unrechtsbewusstsein erkennen liess, schrieb er, dass wir über ICO Bench sprechen könnten (was er am Ende nicht tat). So waren wir nicht überrascht, dass er eine Woche nach dem ersten Kontakt das ICOBench-Rating von Hydrominer bearbeitet hatte. Aber anstatt seine Manipulation zu klären, fügte er einfach eine Zeile hinzu: „Das ist keine Anlageberatung. Bitte machen Sie Ihre eigenen Recherchen.“

Fintelegram möchte die eigenen Recherchen von potenziellen Hydrominer-Investoren ergänzen. Lesen Sie dazu dies.

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