INVESTORENWARNUNG: Illegaler Broker XTraderFX, GPay und Geldwäsche (Teil 2)

XTraderFX Perpetrator Scheme

In Teil 1 unserer Reportage haben wir über die Aktivitäten des Netzwerkes hinter den illegalen Broker-Seiten XtraderFX, SafeMarkets oder OptionStars berichtet. Im Zentrum dieser Aktivitäten steht der Betrug an den Kleinanlegern. Das Herzstück dieser Betrugssysteme, die vom Israeli Gal BARAK und seinem Team in der E&G Bulgaria betrieben werden, ist daher das Bezahlsystem. Neben den Bezahldienstleistungen ist die laufende Akquisition neuer Investoren von herausragender Bedeutung für den ständig fließenden illegalen Geldstrom. Für die Akquisition dieser neuen Investitionen wird ein erheblicher Teil des Geldes der bestehenden Investoren verwendet. Insofern finanzieren die Investoren den Betrug selbst.


Das Beispiel XTraderFX

Im Falle von XtraderFX werden die Bezahldienstleistungen von der in UK registrierten Firma GPay Ltd koordiniert. Nach den uns vorliegenden Aufzeichnungen sind allein 2017 über USD 35 Millionen über diese illegale Broker-Seiten und GPay bewegt worden. Dabei arbeitet GPay mit registrierten Payment Services Providern (PSP) wie PayVision zusammen und schleust das Geld über deren System.

Für die Kundenakquisition arbeiten die Betreiber von XTraderFX –Gal BARAK, Marina ANDREEVA und deren E&G Bulgaria – unter anderem mit dem Israeli Simon TETROASHVILI und seinen Unternehmen ONLINE PROSPECT (Hong Kong) und DYISY GROUP (Israel) zusammen.

XTraderFX nur eine von Vielen

Es ist an dieser Stelle festzuhalten, dass XTraderFX nur eine von vielen illegalen Broker-Seiten der E&G Bulgaria ist. Andere illegale Seiten wie SafeMarkets oder OptionStars folgen diesem Muster mit unterschiedlichen Firmen und Domains. In Summe hat die E&G Bulgaria nach den uns vorliegenden Informationen in den letzten Monaten mehr als USD 200 Millionen von Investoren eingesammelt.

Akquisition der Kunden

Für die Akquisition der neuen Kunden werden von den illegalen Broker-Seiten spezialisierte Online Marketingfirmen beauftragt. Diese bringen über sogenannte „Lead Campaigns“ ständig neue potenzielle Kunden an die Broker-Seiten heran und erhalten dafür viel Geld. Die E&G Bulgaria von Gal BARAK beschäftigt für diese Kundenakquisition verschiedenste Firmen. Darunter die in Hong Kong sitzende ONLINE PROSPECT, an welcher Israeli Simon TETROASHVILI beteiligt ist. Dieser Simon TETRASHVILI betreibt seit 2012 auch das israelische Unternehmen DYISY GROUP. 

Die in Hong Kong ansässige ONLINE PROSPECT wird dabei lediglich als Verrechnungs-firma benutzt. Die eigentliche Tätigkeit wird nach den uns vorliegenden Aufzeichnungen von der israelischen DYISY GROUP durchgeführt. Diese ist also für die Gewinnung neuer Investoren für die illegalen Broker-Seiten von Gal BARAK und seiner E&G Bulgaria verantwortlich.

Boiler Rooms, Retention Management und der Angriffs-Zyklus

Sobald sich die Kunden bei XTraderFX registrieren, werden diese über die Boiler Rooms der Betreiber der illegalen Broker-Netzwerke betreut. Die sogenannten Account-Manager in den Boiler Rooms stellen sich bei den Kunden unmittelbar nach Registrierung per Email und Telefon vor. Tatsächlich sind diese Account-Manager aber lediglich Keiler, die den Kunden immer mehr Geld herauslocken wollen. Dafür erhalten sie Provisionen. Im internen Jargon werden diese Account-Manager auch als „Retention Manager“ bezeichnet. Ihre Aufgabe ist, sicherzustellen, dass die Kunden möglichst viel Geld verlieren und keine Auszahlungen erhalten. Das Geld der Kunden (Händler) wird u.a. verwendet, um neue Marketing-Kampagnen zur Gewinnung von Kunden durchzuführen.

Beim Betrugssystem rund um XTraderFX werden die involvierten Boiler Rooms von der E&G BULGARIA koordiniert. Dort ist neben dem Israeli Gal BARAK auch die Bulgarin Marina ANDREEVA tätig. Neben den beiden sind weitere Israelis wie Kfir LEVY oder Itzik GILLET im Management des Unternehmens beschäftigt.

Die Verteilung der Kundengelder

XTraderFX Use of Customer (Trader) Funds
XTraderFX use of customer (trader) funds

Es zunächst wichtig zu verstehen, dass bei den illegalen Brokern kein Handel stattfindet. Die Aufträge der Kunden (Händler) werden nicht an Börsen oder registrierte Broker weitergegeben. Tatsächlich „spielen“ oder „wetten“ die Kunden wie im Casino gegen das Haus. Insofern ist der illegale Broker immer der Gegner der Anleger und nie deren Partner. Verliert der Anleger (Kunde), gewinnt der Broker und umgekehrt.

Aus den Akten der diversen Ermittlungsbehörden geht hervor, dass die Software der Broker regelmäßig manipuliert ist und die Chancen des Anlegers (Kunden) auf Gewinne daher entsprechend gering sind. Gewinnt der Anleger, wird er regelmäßig von den Mitarbeitern der Boiler Rooms zu neuen Wetten (Trades) gedrängt, bis er das zuvor gewonnene und auch das ursprüngliche Geld verloren hat. Auszahlungen kommen so gut wie nicht vor. Falls es Auszahlungen gibt, dann nur, um den Kunden bei Laune zu halten und für spätere Einzahlungen zu gewinnen.

Die von den Anlegern (Kunden) einbezahlten Gelder (Deposits) werden von den illegalen Brokern nicht wie gesetzlich vorgeschrieben auf separaten und versicherten Konten geführt. Mit diesen Geldern werden neue Marketing-Kampagnen finanziert, um neue Kunden zu gewinnen. Darüber hinaus werden die Boiler-Rooms ebenso damit finanziert wie die hohen Provisionen der Manager und Mitarbeiter. Letztlich geht ein erheblicher Teil des Geldes in die privaten Taschen der Betreiber dieser illegalen Broker-Seiten.

Marketing, Boiler Rooms und Geldwäsche

In unseren Interviews mit Insidern der Szene wurde uns dargelegt, dass die hohen Marketing-Kosten auch ein Teil der systematischen Geldwäsche der gestohlenen Gelder von Anlegern sind. Jeder daran beteiligte Manager im Netzwerk weiß darüber Bescheid und bekommt seinen Teil des Kuchens. Das Geld wird auf diese Weise unter den verschiedensten Titeln über Offshore-Gesellschaften auf der ganzen Welt verteilt. Im Falle des illegalen Broker-Netzwerkes von Gal BARAK und E&G Bulgaria sind die meisten wirtschaftlichen Eigentümer der diversen Firmen israelische Staatsbürger. Ein Großteil des Geldes landet tatsächlich in Israel bei innovativen Firmen die ihre Kreativität, Technologie, und Ressourcen in den Dienst dieser illegalen Netzwerke stellen. Beim Eintreffen in Israel ist das Geld dann allerdings bereits reingewaschen und wird als „Marketing“, „Lizenz“ oder „Dienstleistung“ verbucht.

Die tatsächlichen Geldbewegungen finden dabei über nur wenige Banken statt bei denen diese Offshore-Gesellschaften ihre Konten haben. Im Falle der E&G Bulgaria von Gal BARAK und Marina ANDREEVA werden die Gelder über die bulgarische Investbank gesammelt und verteilt. Die KYC/AML-Prüfungen der bulgarischen Bank werden dermaßen nachlässig durchgeführt, dass damit über diese EU-Bank das Geld beispielsweise in das europäische SEPA-System eingespeist werden kann.

Einmeldung von Forderungen

FinTelegram hat gemeinsam mit Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern die European Initiative for Funds Recovery (EFRI) ins Leben gerufen. Diese spezialisiert sich auf die Rückführung von Geldern betrogener Investoren. Für die illegalen Broker-Seiten von Gal BARAK und E&G BULGARIA wurde eine spezielle Kampagne aufgesetzt. Betrogene Investoren können ihre Forderungen hier auf der EFRI-Seite anmelden.

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