Kanada: Die Pleite der Quadriga CX entwickelt sich zum Thriller!

Wir sind davon überzeugt, dass das Jahr 2019 in der Kryptowelt geprägt sein wird von Pleiten, der Aufdeckung von Scams und Überraschungen. Die Vorgänge rund um die Pleite der kanadischen Kryptobörse Quadriga CX bilden sicher einen vorübergehenden, wenn nicht sogar den absoluten Höhepunkt. Die Zutaten dieser Pleite haben aber das Zeug daraus einen Thriller im Stile eines Michael Crichton zu machen. Verfilmung inklusive.


Ein früher Spieler

Die kanadische Kryptowährungsbörse QuadrigaCX war mit Gründung und Aufnahme der operativen Tätigkeit Ende 2013 ein früher Akteurim Kryptowährungsmarkt. Und aus eigener Beobachtung und Nutzung dieser Börse Anfang 2015 und 2016 wissen wir, dass diese Börse bereits damals KYC und AML ernsthaft und gewissenhaft durchgeführt hat. Insofern waren wir nicht überrascht, dass QuadrigaCX in den Krypto-Boomjahren zur größten Cryptobörse in Kanada aufgestiegen ist. Es hat immer alles gut funktioniert. Bei Einzahlung von FIAT-Geld erhielten wir die BTCs innerhalb kürzester Zeit gutgeschrieben.

Umso mehr haben uns die Neuigkeiten von letzter Woche überrascht und umso skurriler sind für uns die Informationen, die langsam aber sicher an die Öffentlichkeit kommen:

Überraschender Tod des Betreibers

Gerald Cotton
Gerald Cotton

Am 9. Dezember 2018 stirbt der 30jährige Gründer und Haupteigentümer der Webseite, Gerald Cotton, überraschend an einem Herzinfakt im Hospital Fortis Escorts in Jaipur, Indien. Der Totenschein zirkuliert inzwischen im Internet.

Gerade einmal 14 Tage vor seinem überraschenden Tod hat Gerald Cotton erstmals ein Testament gemacht und angeblich neben seiner Ehefrau – die er erst im Oktober 2018 geheiratet hatte –  auch seine Hunde großzügig bedacht. Das zeitliche Zusammenfallen des Todes und der Testamentserstellung wäre wohl für jeden Hobby-Columbo verdächtig.

Webseite wird geschlossen

Am 28. Jänner 2019 wird die Webseite QuadrigaCX offline genommen. Es wird dies zunächst noch mit einem notwendigen Update der Börse begründet.

Am 31. Jänner  2019, also nur wenige Tage später, veröffentlicht das Unternehmen auf der Webseite die Information das ein Antrag auf Gläubigerschutz beim Supreme Court in Novia Scotia gestellt wurde und weist erstmals auf Liquditätsschwierigkeiten des Unternehmens hin. Die Öffentlichkeit und damit wohl auch die Kunden des Unternehmens werden erstmals darüber informiert,  dass mit dem Tod des Gründers offensichtlich auch die Zugangsdaten (die sogenannten „private „eys“) zu den Cold Wallets des Unternehmens verloren gegangen sind.

Eidesstattliche Erklärung der Ehefrau

Am 4. Februar wird auf Coindesk die eidesstattliche Erklärung (Affidavit) von der Witwe des Gründers, Jennifer Robertson  veröffentlicht. Dieses wurde am 31. Jänner 2019 beim Supreme Court in Novia Scotia, Kanada, eingebracht. Sie bietet interessante Informationen rund um die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens aber auch über die Eigentumsverhältnisse der QuadrigaCX.

Es wird offensichtlich, dass Gerald Cotton offensichtlich seit Anfang 2016, die Börse mehr oder weniger ALLEINE über seinen persönlichen Laptop betrieb. Es gibt offensichtlich weder geordnete Buchhaltungsunterlagen noch eine sonstige gesicherte Dokumentation der durchgeführten Transaktionen.

Die wirtschaftliche Lage des Unternehmens

Die Verbindlichkeiten gegenüber rund 115.000 Kunden, die bei der Börse Guthabenstände hatten belaufen sich per 31. Jänner 2019 laut den Darstellungen von Jennifer Robertson auf schätzungsweise rund 250 Mio CAD. Davon rund CAD 70 Mio (FIAT) und CAD 180 Mio in Kryptowährungen. Die Kryptowährungsbestände sind nicht zugänglich aufgrund der fehlenden Private Keys, die eben nur auf Gerald Cottons verschlüsselten Laptop abgespeichert sind.

Die 70 Mio CAD Fiat Gelder befinden sich angeblich auf diversen Bankkonten diverser Zahlungsdiensteanbieter und von Privatpersonen. Aauch hier gibt es keine vollständige und nachvollziehbare Dokumentation.

All diese angeführten Dinge würden schon ausreichen, um eine abendfüllende Dokumentation zu füllen. Nun hat aber auch die KryptoCommunity mit ihren eigenen Recherchen begonnen und jetzt beginnt es dann so richtig skurill zu werden und entwickelt sich zu einem Wirtschafts-Thriller.

Keine Cold Wallets

Laut einem ausführlichen Bericht von „ProofofResearch“, der im ZeroNoncense Blog veröffentlicht wurde, gibt es „keine identifizierbaren“ BTC Cold Wallets für QuadrigaCX“. Gleichzeitig stellt dieser Bericht auch fest, dass aufgrund einer Analyse der Transaktionen der Börse über die letzten Monate offensichtlich wird, dass die Börse offensichtlich mit neuem Kundengeld die Auszahlungen für die alten Kunden finanziert hat. Das klingt nach einem Ponzi-Schema.

Quadriga CX scheint seit 2017 Mittel zu liquidieren.

Anscheinend werden seit 2017 beträchtliche Litecoinbestände beständig unter Inanspruchnahme von sogenannten Mixers liquidiert. Damit soll jede Transparenz beseitigt werden.Gerüchte um Ponzi-Vergangenheit des Mitgründers

Auf den Redditkanälen wurde seit mehr als einem Jahr immer wieder das Gerücht diskutiert, dass es sich bei dem Mitgründer der QuadrigaCX, Michael Patryn, um Omar Dhahani handelt. Dieser hält bis dato gemeinsam mit Lovie Horner rund 37% an der Börse. Dieser Omar Dhanani wiederum soll ein bereits 2005 in den USA wegen Identitätendiebstahls verurteilten Krimineller sein (Stichwort:  ShadowCrew). Patryn dementiert diese Gerüchte und bestreitet, dass er Omar Dhanani wäre.

Das Vermögen des Gründers und seiner Frau

Inzwischen ist bekannt, dass der Gerald W. Cotton unter anderem über einen Privatjet und Jacht vefügte. Die Witwe machte inzwischen Schlagzeilen durch Beseitigung mehrerer Gundstücke vor dem Zugriff der Gläubiger in den Tagen vor der Einbringung des Antrages auf Gläubigerschutz.

Antrag auf Gläubigerschutz wird am 5. Februar bestätigt.

Am 5. Feber 2019 bestätigt ein Gericht in Novia Scotia den Antrag des Unternehmens auf Gläubigerschutz und bestellt Ernst & Young als sogenannten Monitor.

Wir werden sehen welche Auswirkungen das nächste Mt.Gox Ereignis auf die Entwicklung der Kryptobranche haben wird. Der Ruf nach Regulierung wird berechtigterweise immer lauter. Jedenfalls unterstützen solche Vorfälle keinesfalls das dringend benötigte Vertrauen der Finanzmarktaufsichtsbehörden und institioneller Invstoren. Die Kleinanleger haben nach den vielen Betrugsfällen im Krypto-Bereich ohnehin die Nase voll von dem Thema Krypto.

Das letzte Kapitel im Thriller rund um die Quadriga CX ist sicher noch nicht geschrieben. Fortsetzung somit garantiert.

 

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