DIE POLITISCHE KRISE IN DER KRYPTO-NATION MARSHALL ISLANDS

Marhall Islands setzt auf Kryptowährung

 

Die Marshall Islands, offiziell die Republik of Marshall Islands (RMI), sind ein beliebtes Offshore-Zentrum für viele Scams und Betrugssysteme im Bereich der Binären Optionen und Kryptowährungen. Viele Warnungen von Finanzmarktaufsichtsbehörden richten sich gegen Unternehmen, die den Sitz auf Marshall Islands angeben. Erst im März 2018 war das Land von der Europäischen Union von der Blacklist der Steuerparadiese genommen worden. Zuletzt ist RMI international in das Rampenlicht gerückt, weil es die Einführung einer blockchain-basierten Kryptowährung als gesetzliches Zahlungsmittel per Gesetz verabschiedete. Jetzt gibt es internationale Turbulenzen rund um das Projekt.


Der souveräne Pazifikstaat

Die Marshall Islands sind ein souveräner Staat und UN-Mitglied. Bis 1986 stand Marshall Islands unter US-Administration und ist bis heute ein vertraglich mit den USA assoziiertes Land. Zuletzt war die pazifische Insel ins Gespräch geraten, weil man per Gesetz die Einführung einer Kryptowährung als gesetzliche Zweitwährung plant. Bislang ist die gesetzliche Währung der US Dollar. Das Land mit rund 53.000 Einwohnern erstreckt sich über 1.129 Inseln. Die wirtschaftliche Lage des Landes ist schlecht – die Arbeitslosenrate beträgt nach den letzten Daten 36% –  und man ist auf Hilfe des Verbündeten Amerika angewiesen, der jährlich rund USD 70 Millionen Hilfszahlungen leistet.

Die gesetzliche Kryptowährung

Das Parlament von Marshall Islands hat im Februar 2018 das Gesetz zur Einführung einer Kryptowährung als gesetzliches Zahlungsmittel verabschiedet  – Sovereign Currency Act 2018. Damit soll die erste dezentrale kryptografische Währung auf der technischen Grundlage einer Blockchain als gesetzliches Zahlungsmittel eines souveränen Staates eingeführt werden.

Hilda HEINE, die Präsidentin von Marshall Islands unterstützt und fördert den Plan zur Einführung einer eigenen Kryptowährung. Die neue Währung heißt Sovereign (SOV) und soll mit israelischer Unterstützung im Rahmen eines ICO eingeführt werden. Die technisch-organisatorische Abwicklung soll durch das israelische Start-Ups Neema erfolgen, das vom israelischen Unternehmer Barak Ben-Ezer gegründet wurde. Die rechtliche Beratung wir auch die Konzeption des regulativen Rahmenwerks erfolgt durch die israelische Anwaltskanzlei Yigal Arnon & Co.

Der Geldmengenansatz

Insgesamt sollen zu Beginn 24 Millionen SOV geschaffen und begeben werden wobei jeder SOV wiederum in 100 Sub-Einheiten aufgeteilt wird. In Summe wären also am Beginn 2,4 Milliarden Geldeinheiten im neuen Geldsystem von Marshall Islands:

Der SOV Token von Marshall Islands und seine Verteilung V

50% oder 12 Millionen der ausgegebenen SOVs gehen an RMI. Die verbleibenden 50% der SOVs gehen an das israelische Startup Neema für die Organisation und Durchführung des ICO.

SOV Token Distribution im ICO
Geplante Distribution der SOV-Token im ICO

Von den 12 Millionen SOV Token der RMI sollen nach den Bestimmungen des Gesetzes 6 Millionen im Rahmen des ICO verkauft werden. Für die Verwaltung des Geldes bzw. der Token aus dem ICO werden einige spezialisierte staatliche Treuhandfonds eingerichtet. Über einen den Resident-Citizen SOV Allocation Fund sollen 2,4 Millionen SOV an die eigene Bevölkerung verteilt werden.

Das Geldmengenwachstum ist im besten liberalen Verständnis von Milton FRIEDMAN gesetzlich mit 4% p.a. festgeschrieben und damit einer aktiven Geldpolitik entzogen. Das Geldmengenwachstum findet damit gesetzlich verordnet algorithmisch über die Blockchain statt. Der Traum jedes Krypto-Evangelisten und eines jeden liberalen Geldmengen-Theoretikers.

Der SOV soll den internationalen AML-Richtlinien entsprechen und damit nicht für Geldwäsche und kriminelle Aktivitäten geeignet sein.

Auf der Webseite des SOV kann man einge Details des Projekts und der gesetzlichen Kryptowährung nachlesen.

Ein sehr kontroverses Projekt

Die RMI sind ein souveräner Staat und ein Mitglied der weltweiten Staatengemeinschaft. Insofern hat die Einführung des SOV trotz der Kleinheit des Landes und seiner Wirtscahft internationale Auswirkungen. Entsprechend turbulent geht es rund um die Einführung des SOV zu.

Der Internationale Währungsfonds (IMF) hat RMI vor dem Projekt gewarnt und unter anderem auf die mangelnde Erfahrung des israelischen Start-Ups hingewiesen. Der IMF hat die Marshall Islands im September 2018 aufgefordert noch einmal kritisch über den Plan nachzudenken und es mehr oder weniger als tollkühn bezeichnet. Die Einführung der Kryptowährung würde die wirtschaftlichen und finanziellen Risiken des Landes erhöhen und es verwundbar für Cybersecurity-Attacken machen.

Einige Senatoren des Parlaments haben deswegen einen Misstrauensantrag gegen die Präsidentin eingebracht. Diese aber steht zu ihrem Plan. Die Kritik daran würde von ausländischen Interessen gesteuert allem voran von Chinesen. Die Diskussion rund um die Einführung des SOV kann man auch im Telegram-Kanal des Projektes nachverfolgen.

Die israelischen Interessen

Von außen betrachtet ist es auch nach dem Studium der Unterlagen nur schwer verständlich, warum man die Einführung und den Betrieb einer gesetzlichen Währung eines souveränen Staates in die Hand eines israelischen Start-Ups legt. Neema bekommt 50% der ausgegebenen SOVs und hat damit massiven Einfluss auf das Geldsystem und dessen Stabilität. Man könnte argumentieren, dass die Einbeziehung israelischer Unterstützung ein kluger politischer Schachzug war. Als enger US-Verbündeter hat Israel eine starke Stimme in Washington uns bislang hat man von dort keine öffentliche Kritik an der Einführung des SOV vernommen. Ganz anders war dies im Falle von Venezuela wo die Einführung des kryptografischen PETRO Donald TRUMP zu einem Präsidentenerlass veranlasst hat der es US-Bürgern praktisch verbietet in den PETRO zu investieren.

Diese enge Verquickung der ersten gesetzlichen Kryptowährung mit einem privaten Start-Up eines fremden Landes ist auch der wesentliche Kritikpunkt, den unser Team von FinTelegram an dem Projekt SOV hat. Ansonsten finden wir die Idee selbst wie auch die dahinterstehende Geldmengentheorie durchdacht und umsetzenswert. Auch der Umstand, dass die Marshall Islands eine kleine und somit überschaubare Wirtschaft hat, die den SOV zu einer Art Laborprojekt macht, ist nicht von Nachteil.

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