SafeMarkets – Forensische Analyse eines Broker Scams und seiner Geldbewegungen

SafeMarkets scam a forensic analyis

Die europäischen Behörden haben im Februar 2019 einen länderübergreifenden Zugriff auf die Cybercrime-Organisation rund um den Israeli Gal Barak und seinen deutschen Partner Uwe Lenhoff gemacht. Die beiden haben verschiedene Broker Scams wie Option888, TradoVest, OptionStarsGlobal oder XTraderFX, CryptoPoint und SafeMarkets betrieben. Darüber hinaus haben die beiden gemeinsam die dahinter liegende techno-organisatorische Infrastruktur betrieben. Lenhoff und Barak haben wichtige Ressourcen wie Call Center oder Zahlungsverkehrsdienstleister gemeinsam errichtet und genutzt. In diesem Bericht wollen wir anhand der FinTelegram vorliegenden Daten und Informationen den SafeMarkets Scam und den Geldfluss näher ansehen. SafeMarkets wurde nach dem Zugriff der Polizeibehörden geschlossen und ist Gegenstand der behördlichen Ermittlungen.


Die Israelische Schande

Mit der Einführung der Binären Optionen vor rund 8 Jahren hat sich in Israel eine regelrechte Broker-Scam Industrie herausgebildet. Simona Weinglass von der Times of Israel hat 2016 in ihrer international Aufsehen erregenden Artikelserie über die Wölfe von Tel Aviv diese Betrugs-Industrie ausführlich beschrieben. Simona hat mit ihrer Artikelserie das öffentliche Bewusstsein um die gigantische isralische Betrugsindustrie geschaffen. Letztlich hat ihre Arbeit Ende 2017 zum Verbot der Binären Optionen in Israel geführt.

Im Grunde hat diese Scam-Industrie mit hunderten von Startups und tausenden Mitarbeitern das sogenannte Israelische Startup-Wunder befeuert. Tatsächlich wurde dieses Startup-Wunder mit dem Geld finanziert, das Kleinanlegern auf der ganzen Welt gestohlen wurde. Eine Schade für Israel.

Israelische Unternehmer haben mordernste Technologien missbraucht, um im Internet Kunden zu finden und ihnen das Geld und die Daten zu stehlen. Das Finanzinstrument der Binären Optionen war der Deckmantel zum ersten industriellen Scam-Industrie in der Geschichte des Internets.

Die Elemente des Scams

Domain und Trading Style

Die einzelnen Scams werden über dafür registrierte Domains und Webseiten abgewickelt. SafeMarkets wurde unter der Domain www.safemarkets.com geführt. Die UK Financial Conduct Authority (FCA) und anderen Finanzmarktaufsichtsbehörden bezeichnen die jeweilige Scam Domain als „Trading Style“. Generell werden die Trading-Styles von den Scammern häufig geändert und haben selten länger als 18 Monate gehalten. Viele Kundenbeschwerden und die Warnungen der Finanzmarktaufsichtsbehörden haben das rasche Ende herbeigeführt. Die Scammer wissen das und fahren meist mehrere Trading Styles.

Die operativen Firmen

Für den Betrieb der Scam-Seiten werden meist zwei Firmen eingerichtet. Eine davon befindet sich regelmäßig offshore, um die Spuren zu verwischen und Steuerzahlungen zu vermeiden. Die andere Firme befindet sich üblicherweise in der Region in welcher Kunden-Opfer adressiert werden, also beispielsweise in der EU.

Beim SafeMarkets Scam waren das die auf den Marshall Islands registrierte Rockarage Ltd und die in Estland registrierte Optiumcommerce OÜ. Wie die Trading-Styles wechseln auch die operativen Firmen eines Scams häufig. Es sind dies ohnehin nur leere Hüllen die von sogenannten Nominee Direktoren geführt werden.

Die Firmen werden benötigt, um Bankkonten zu eröffnen und sich als sogenannter Merchant bei Zahlungsverkehrsdienstleistern zu registrieren. Die beiden Firmen wurden von Gal Barak und seiner Partnerin Marina Andreeva kontrolliert. Ebenso wie die Offshore-Firmen bei denen die gestohlene Kundengelder letztlich landen.

Call Center (Boiler Room)

Die Boiler Rooms mit ihren Agenten sind das eigentliche Herzstück jedes Scams. Dort sitzen die Agenten die sich entweder auf die Neugewinnung es Kunden (Conversion) oder auf das Behalten des Kunden und seines Geldes (Retention) kümmern. Die Kunden-Opfer erhalten dedizierte Ansprechpartner die psychologisch bestens geschult sind. Diese Agenten arbeiten mit wissenschaftlich ausgearbeiteten Skripts mit dem Ziel das Maximum an Geld und Daten von den Kunden zu bekommen. Viele Kunden-Opfer berichten, dass die Agenten zu Freunden wurden. Sie erzählten diesen alles über ihre Familie und Freunde, über ihre Probleme und Wünsche. Mit diesen Informationen bewaffnet sind Kunden-Opfer den Agenten hilflos ausgeliefert.

Über falsche Versprechungen, angeblich versicherte Trades und Bonus-Zusagen locken die Agenten ihren Kunden-Opfern immer mehr Geld heraus. Dafür kassieren die Agenten hohe Provisionen.

Bei SafeMarkets war der Israeli Chen Ganon für den Boiler Room verantwortlich. Dieser wurde u.a. über die ARC Solutions DOO in Sarajevo geführt. Die ARC Solution DOO gehört zum Netzwerk der bulgarischen E&G Bulgaria von Gal Barak und Marina Andreeva. Chen Ganon hat als Scheme Manager für SafeMarkets gutes Geld und hohe Provisionen verdient. In guten Monaten wie im August 2018 hat Chen dafür schon einmal mehr als € 35,000 erhalten. Chen ist ein junger Mensch, der noch keine 30 Jahre alt ist. Sein Job war es mit seinen Agenten den Kunden-Opfern maximal viel Geld zu stehlen. Das hat er erfolgreich gemacht.

Chen Ganon hat das in Gesprächen mit FinTelegram auch eingestanden wobei er bemerkte, dass SafeMarkets lediglich ein kleiner Fisch war im Vergleich zu den anderen Schemata wie XTrader FX. Er hätte auch mitbekommen, dass sein Boss Gal Barak ein kriminelles Netzwerk betreiben würde und seine eigene Tätigkeit ebenfalls illegal wäre. Er hat im Sommer 2018 SafeMarkets mit viel Geld verlassen.

Zahlungsverkehrsdienstleister

Neben den Boiler Rooms sind die Zahlungsverkehrsdienstleister ein Kernelement der Scams. Ohne diese können die Scammer das Geld der Kunden nicht stehlen. Dabei arbeiten die Scammer mit verschiedenen Kanälen:

  • Bankkonten der Betreiberfirmen;
  • Bankkonten anderer Firmen die als illegale Zahlungsverkehrsdienstleister; Banküberweisungen von Kunden-Opfern entgegennehmen und nach Abzug hoher Provisionen an die Betreiberfirmen der Scammer weiterleiten;
  • Regulierte Zahlungsverkehrsdienstleister und Kreditkartenfirmen wie Payvision oder Wirecard;
  • Unregulierte Zahlungsverkehrsdienstleister wie Binex Group, Payobin oder PraxisPay (um nur ein paar zu nennen) die mit verschiedenen regulierten Zahlungsverkehrsdientsleistern arbeiten.

Im Falle von SafeMarkets war der wichtigste Zahlungsverkehrsdienstleister die regulierte Payvision wo die Betreiberfirma Rockarage Ltd als Merchant registriert war. In einzelnen Monaten wie im Dezember 2018 wurde von Payvision über eine Million Euro auf das Bankkonto der Rockarage Ltd bei der bulgarischen Investbank überwiesen.

Payvision kommt in Bezug auf die Scams von E&G Bulgaria von Gal Barak eine Sonderstellung zu. So wurden von der Payvision alleine im Jahr 2017 mehr als 11 Millionen Euro auf die Konten der New Marktes SA überwiesen, die damals die Scams OptionStars und OptionStarsGlobal betrieben hatte. Marina Andreeva war damals ebenfalls die Verfügungsberechtigte über die Gelder der News Markets SA.

Neben Payvision war die vom Russen Vladislav Smirnov und seinem Frontmann Leonid Olshevsky (Ukraine) geführte Binex Group der wichtigste Zahlungsverkehrspartner. Die Binex Group wiederum hat mit dem in UK lizenzierten Finanzdienstleister Connectum gearbeitet, der als Principal Member Acquirer fürMastercard und VISA agiert. Über die Binex Group und Connectum flossen 2018 in einzelnen Monaten ebenfalls mehrere hunderttausende Euro zu Rockarage.

Binex Group mit Vladislav Smirnov und Leonid Olshevsky
Binex Group mit Vladislav Smirnov und Leonid Olshevsky

Letztlich hat SafeMarkets über das Bankkonto seiner Betreiberfirma Optiumcommerce OÜ bei der bulgarischen Postbank Banküberweisungen seiner Kunde-Opfer übernommen. Alleine im August 2018 hat Optiumcommerce OÜ knapp eine Million Euro mittels Banküberweisung erhalten.

Keine Segregated Accounts – das Geld ist weg

Lizenziert und seriös agierende Broker müssen das Geld ihrer Kunden auf separaten (segregated) Konten halten und dürfen darüber nur auf Anweisung ihrer Kunden verfügen. Das Geld darf nicht für die Finanzierung des Unternehmens oder andere Zwecke verwendet werden. Die Broker sind lediglich Treuhänder für diese Kundengelder. Insofern sollten die über die verschiedenen Kanäle eingezahlten Kundengelder auf den Bankkonten vorhanden sein.

Tatsächlich werden aber die eingezahlten Kundengelder sofort an diverse andere Firmen weiterüberwiesen. Wir haben die Bankauszüge und Belege analysiert und können mit Sicherheit sagen, dass das Geld nicht auf separaten Konten gehalten wird. Es werden damit die Boiler Rooms bezahlt, die Marketingfirmen, die die Kunden akquiriert haben und andere Dienstleister. Das verbleibende Geld wird dann an die Offshore-Firmen der Scam-Betreiber und damit in deren Privatsphäre weitergeleitet. Unversteuert selbstverständlich.

Zu keinem Zeitpunkt ist das von den Kunden-Opfern eingezahlte Geld tatsächlich vorhanden. Fallweise werden Auszahlungen an Kunden durchgeführt, um diese zu beruhigen. Diese Auszahlungen werden von frisch einbezahlten Geldern anderer Kunden durchgeführt. Für tatsächlichen Handel mit Optionen, CFDs oder Kryptowährungen ist gar kein Geld vorhanden.

Offshore und nach Israel

Im Falle von SafeMarkets wurden die Gelder nach Bezahlung der Dienstleister (siehe Tabelle unten) an die in Hong Kong registrierte Online Prospect Limited durchgeführt. Diese wird vom Israeli Simon Tetroashvili (LinkedIn Profil) kontrolliert der die Gelder von der Online Prospect Limited an die israelische DYISY Group Ltd weiterleitet. Auch diese wird von Tetroashvili kontrolliert. Nach den FinTelegram vorliegenden Informationen wurden 2017 und 2018 rund $12 Millionen von den Scams der E&G Bulgaria an die Online Prospect Limited überwiesen und nach Israel transferiert. Diese Zahlungen werden als Marketingleistungen fakturiert und sollten daher entsprechend in Israel von der DYISIG Group und Tetroashvili versteuert werden.

Im Falle des SafeMarket Scams wurden 2018 von der Rockarage Ltd  auch hunderttausende Euro an die zypriotische Tiberg Limited für angebliche Marketingleistungen überwiesen. Auch vom Schwester-Scam von SafeMarkets, XTraderFX hat Tiberg Limited 2018 mehr als eine Million Euro erhalten. Eine duraus erstaunliche Tatsache angesichts des Faktes, dass die Tiberg Limited erst im November 2017 gegründet und die Webseite erst im April 2018 online gestellt wurde (siehe OpenCorporates).

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