UPDATE ZU LYONESS, ALTERNATIVE FAKTEN UND JULIAN HOSP

Julian Hosp und das MLM-System von Lyoness

Vor einigen Tagen erhielten wir eine umfangreiche Stellungnahme eines anonymen FinTelegram-Lesers zu unserem Artikel über den Krypto-Guru Julian HOSP und seine vergangene Tätigkeit für das österreichische MLM-System LYONESS. Wie versprochen bringen wir nach ausführlicher Recherche ein weiteres Update zu diesem interessanten Komplex.


Die unter dem Pseudonym Andy Neu veröffentlichte Stellungnahme (hier zu lesen) wirft FinTelegram vor, nicht gründlich genug recherchiert und/oder einseitig über Julian HOSP berichtet zu haben. Zunächst freuen wir uns, dass über unseren Beitrag eine rege öffentliche Diskussion rund um die öffentliche Person Julian HOSP initiiert wurde. Darüber hinaus fühlen wir uns natürlich verpflichtet, zu den einzelnen Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Frage 1: Was war der Vorwurf?

Julian Hosp at work with Lyoness
Julian Hosp at work on stage

Zur Klarstellung: wir haben Julian HOSP nicht vorgeworfen, dass er für das umstrittene MLM-System LYONESS tätig war. In unserem ursprünglichen Artikel zur Tätigkeit des Krypto-Gurus Julian HOSP war der erhobene Vorwurf, dass diese Tätigkeit aus dem Lebenslauf und den Veröffentlichungen des Julian HOSP klinisch sauber entfernt wurde. Erst durch dieses Verschweigen der Vergangenheit entstehen berechtigte Fragen nach dem „Warum“. Fünf Berufsjahre sind bei einem 32-jährigen eine lange Zeit, oder nicht? Für uns ist ein bereinigter Lebenslauf bestenfalls als „alternative Realität“ im besten Trump’schen Verständnis zu werten aber sicher nicht als umfassende und richtige Information im Sinne einer Offenlegung gegenüber den Investoren der TenX.

Frage 2: Wurde einseitig berichtet?

Julian HOSP hat von sich gar keine Daten über seine Tätigkeit für LYONESS bekanntgegeben also zumindest nicht der Öffentlichkeit gegenüber und auch nicht uns gegenüber in einem persönlichen Gespräch im Rahmen einer Veranstaltung. Insofern konnten wir zu den Details seiner Tätigkeit gar nicht berichten. Insofern geht der an FinTelegram gerichtete Vorwurf, dass wir zu wenig auf die guten Taten des Julian HOSP im Rahmen seines Wirkens für LYONESS eingegangen wären ins Leere. Wir konnten eben gar nicht im Detail über die positive Seite der Tätigkeit von Julian HOSP im Rahmen seiner LYONESS-Tätigkeit berichten, weil zum Zeitpunkt des Erscheinens unseres Berichtes dessen Tätigkeit für LYONESS der breiten Öffentlichkeit überhaupt nicht bekannt war. Bekannt waren lediglich einige Gerüchte, denen wir nachgegangen sind.

Frage 3: Haben sich die Behauptungen als richtig herausgestellt?

Auf Basis aller Informationen, die nach dem Erscheinen unseres Artikels hochgekommen sind, meinen wir ja. Hier ein paar Argumente, die unsere Behauptung untermauern sollten.

  • Es hat sich mittlerweile herausgestellt, dass unser Bericht über die Tätigkeit des Julian HOSP für LYONESS inhaltlich richtig war.
  • Julian HOSP war ein hochrangiges Mitglied des MLM-Systems und hatte als „eine Art Sales Manager für Asien“ von LYONESS offenbar tatsächlich diese 25.000 aktiven Mitglieder unter sich hatte. Wer sich mit den Provisionssystem von solchen Strukturvertrieben auskennt, wird abschätzen was das finanziell hinsichtlich Verdienst und persönlicher Wichtigkeit innerhalb des Systems bedeutet.
  • Julian HOSP wird in der Stellungnahme des Andy Neu eine prägende und strukturgebende Bedeutung für das LYONESS-System zugerechnet. Ob und wieweit das stimmt, können wir nicht sagen aber auch nach Auskunft anderer LYONESS-Mitglieder war er mit Sicherheit kein Mitläufer, sondern Systemgestalter.

Frage 4: Warum haben wir nicht über die Umstände des Ausscheidens berichtet?

Ganz einfach. Wir hatten zum einen diese Informationen nicht. HOSP hat seine Tätigkeit verschwiegen und nie erwähnt – auch nicht im direkten Gespräch. Darüber hinaus war das auch nicht das Ziel des Artikels. Sollten hingegen die Aussagen in der Stellungnahme des Andy Neu stimmen und HOSP nach einer zweijährigen Tätigkeit für das System tatsächlich entdeckt haben, dass LYONESS Geldwäsche betrieb und eine Abzocke war, dann stellt sich die Frage, warum HOSP davor nicht öffentlich gewarnt hat.

Anzuführen ist hier noch, dass bereits ab dem Jahr 2004 also sogar lange bevor Julian HOSP laut Andy Neu intensiv und gestalterisch für das MLM-System tätig wurde, bereits medienwirksam Klagen und Strafanzeigen gegen das System anhängig waren.

Frage 5: War HOSP mit Anwälten gegen LYONESS aktiv?

Das wissen wir nicht mit Sicherheit. Mit Sicherheit hingegen wissen wir, dass der österreichische Rechtsanwalt Dr. Eric BREITENEDER bereits gegen LYONESS vorging, lange bevor HOSP ausschied. Schon Anfang 2013 wurde bekannt, dass BREITENEDER mit Klagen gegen LYONESS vorging. Auf unsere Anfrage haben wir keine offizielle Stellungnahme von LYONESS (mittlerweile auch als Cashback World oder myWorld bekannt) erhalten. Von hochrangigen Mitgliedern in der LYONESS-Struktur haben wir erfahren, dass HOSP tatsächlich sehr erfolgreich für das System tätig war und viele Mitglieder anwarb. Wir haben allerdings auch gehört, dass es rund um das Ausscheiden von HOSP auch delikate rechtliche Vorkommnisse gab über welche geschwiegen wird (werden muss).

Von einer Seite haben wir das Gerücht eines vergoldeten Ausstiegs samt Verschwiegenheitsklausel gehört. Wir können dieses Gerücht aber nicht bestätigen. Unseres Erachtens wäre es im Sinne der LYONESS-Mitglieder gewesen, wenn HOSP die Angelegenheit offen und nicht verdeckt gespielt hätte. Seine Wandlung vom Saulus zum Paulus wäre jedenfalls im Sinne einer konstruktiven Diskussion rund um LYONESS gewesen. Das dürfte auch Andy Neu so sehen:

Wenn jemand Geld von Lyoness zurück will, dann kontaktiere den bekanntesten Lyoness Anwalt in Österreich. Zeige ihm gerne diesen Bericht, er wird mich auch kennen, denn genau mit dem gleichen Spitznamen, habe ich 2015 so mein Geld wieder bekommen. Du bekommst dein Geld PLUS Zinsen zurück. Und dies haben wir Julian zu verdanken (auch wenn er vielleicht anfangs dazu beigetragen hat, dass es überhaupt dazu gekommen ist.)

Und wir freuen uns zwar, dass JULIAN HOSP seinen „Freunden“ Freude bereitet und diese schadlos gehalten hat, aber man kann davon ausgehen, dass die Auszahlung dieser Gelder (zuzüglich Zinsen) doch vor allem mit Geldern neuer argloser LYONESS-Mitglieder finanziert wurde. Es ist doch nicht anzunehmen, dass die „alten“ Distributoren ihr Geld für den Ausstieg von HOSP und seinen Leuten vorgestreckt haben. Insofern sollte man die Dinge schon durchdenken und relativieren.  Dadurch, dass HOSP, der laut dem Bericht von Andy Neu, für die Organisation LYONNESS maßgeblich tätig war, klammheimlich ausgestiegen ist, konnte das HOSP-befreite System weiterbetrügen. Immer vorausgesetzt, dass der Bericht des Andy Neu stimmt. Wir haben die Authentizität geprüft und können nach bestem Wissen und Gewissen sagen, dass der Bericht stimmen dürfte.

Frage 6: War HOSP Mitgründer von TenX?

Nach nochmaliger Überprüfung der Fakten halten wir unsere Bedenken hinsichtlich der Aussagen von HOSP, dass er ein Mitgründer von TenX bzw. OneBit aufrecht. Da stimmt nachweislich der zeitliche Ablauf nicht zusammen. Die Interviews mit dem OneBit-Gründer Toby HÖNISCH im Mai 2017 im KryptoPodcast von HOSP klingen gar nicht so, als wäre dieser da schon an Bord gewesen. Wahrscheinlicher ist es, dass HOSP ein früher Investor des Unternehmens war und kurz vor dem ICO eingestiegen ist.

Frage 7: Gibt es Berührungspunkte zwischen TenX und LYONESS?

Ja, die gibt es. Zumindest über die Person Julian HOSP selbst. TenX ist in Singapur angesiedelt und Julian HOSP war für das Asiengeschäft von LYONESS zuständig und hatte 25.000 Mitglieder unter sich. Ob und gegebenenfalls wie viele LYONESS Mitglieder er in TenX hineingeführt hat, wissen wir nicht, hier können wir nur Vermutungen anstellen (bleibt jedem selbst überlassen).

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